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Krise der Kölner Haie

„Wenn in einem Sportverein der Sport nicht funktioniert“

Von Bernd Schwickerath, Düsseldorf
Aktualisiert am 05.02.2020
 - 12:23
 Kölns Kevin Gagne (links) scheitert bei einem Penalty an Mannheims Torwart Johan Gustafsson Ende Januar.
Die Kölner Haie haben 13 Spiele nacheinander verloren. Die Play-off-Plätze sind in weite Ferne gerückt. Normalerweise würde der Trainer in Frage gestellt – stattdessen bekommt er mehr Macht.

Es ist mittlerweile guter Brauch unter Sportvereinen, mediale Inhalte selbst zu produzieren. Manch ein Klub dreht gar Dokumentarfilme auf Hochglanzniveau und nimmt die Zuschauer dafür mit in die Kabine. Auch die Kölner Haie aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sind diese Saison unter die Filmemacher gegangen. „Unter Haien“ heißt die Serie, die der Klub auf Youtube veröffentlicht.

Die Sache hat einen Haken: Vermarktbare Jubelbilder gibt es aus Köln derzeit nicht zu sehen, dafür frustrierte Gesichter und einen nicht jugendfrei schimpfenden Trainer. Nach 13 Niederlagen in Folge sind die Haie auf Platz elf abgerutscht, mittlerweile beträgt der Rückstand auf einen Play-off-Platz sieben Punkte. Und nach der Länderspielpause am Wochenende bleiben nur noch neun Spiele.

Normalerweise wackelt da der Trainer. Erst recht bei einem Klub wie dem KEC. Zwar hat der achtmalige deutsche Meister seit 2002 nichts gewonnen, zählt neben Mannheim, München und Berlin aber weiter zu den „Großen Vier“ der DEL. Trainer Mike Stewart bekam dennoch eine Arbeitsplatzgarantie, mehr noch: Er ist nun mächtiger als vor den 13 Niederlagen, weil statt seiner Sportdirektor Mark Mahon gehen musste und Stewart dessen Posten als Kaderplaner gleich mit übernimmt.

Der Glaube ist abhanden gekommen

Nun ist viel von einem „Bauernopfer“ die Rede, von der „letzten Patrone“ der Geschäftsführung, vom „Einknicken vor den Fans“, die Mahon seit Jahren kritisieren. Geschäftsführer Philipp Walter winkt ab. „Es geht um die Zukunft und ob der Glaube noch da ist, dass es besser wird. Und der ist abhandengekommen.“ Nun ist Mahons Bilanz in der Tat ernüchternd. Vier Jahre lang durfte der Kanadier den Kader für einen der aufregendsten und aufgeregtesten deutschen Klubs zusammenstellen. Mit deutlich mehr Geld als die meisten Kollegen. Heraus kamen zwei Halbfinalteilnahmen. Weil Trainer wie Peter Draisaitl oder zahlreiche Transfers floppten.

Zwar gelang es, einige Kölner zurückzuholen oder Nachwuchsspieler in den Profikader zu integrieren, aber die ausländischen Topspieler funktionierten kaum. Jon Matsumoto, Jason Bast, Colby Genoway, Jakub Kindl – keiner spielt seinem üppigen Gehalt entsprechend. Zudem beschleicht viele Zuschauer ein Gefühl, das die Kölner seit Jahren umgibt: Dass nicht jeder Spieler mit dem letzten Engagement bei der Sache ist. Walter will das nicht verhehlen: „Das ist eines unserer Themen. Und da steht der ganze Klub in der Verantwortung. Haben wir Spieler geholt, die alles dafür tun, um den Verein auf ein höheres Level zu bekommen? Oder haben wir zu viele Passagiere?“

Wirtschaftlich auf einem guten Weg

Die Zuschauer ertragen es mit Demut. Im Schnitt kommen 13.240, kein deutscher Sportverein außerhalb des Fußballs hat einen besseren Wert. Auch bei den Sponsoren gibt es Zuwächse: „Wirtschaftlich sind wir auf einem guten Weg, aber wenn in einem Sportverein der Sport nicht funktioniert, dann hast du ein Problem.“Zumal das nicht zu erwarten war. Vor der Saison hieß es, die Kölner könnten die jahrelange Dominanz der Topteams aus Mannheim und München brechen. Und nach der ersten kleinen Krise waren die Haie im November das beste Team der Liga, bis Weihnachten sah es anständig aus. Doch seitdem geht nichts mehr. „Wir finden immer einen Weg zu verlieren“, fasste der genervte Kapitän Moritz Müller die Lage jüngst zusammen.

Das gilt für Spieler auf allen Positionen. Der ehemalige Toptorhüter Gustaf Wesslau kassiert drei Gegentore im Schnitt und wehrt nicht mal 90 Prozent der Schüsse ab, seine Vorderleute haben in 43 Spielen erst 105 Tore geschossen (Platz zwölf), die Spezialformationen für Über- und Unterzahl sind die schlechtesten der Liga. Geht es so weiter, finden die Play-offs ohne die Kölner statt. Für Geschäftsführer Walter wäre das „ein Rückschlag auf unserem Weg, eine massive Enttäuschung, die auch mit wirtschaftlichen Einbußen verbunden wäre“.

So steht im Frühjahr der nächste Umbruch an. Gleich 18 Verträge laufen aus. „Jede Position steht auf dem Prüfstein“, sagt Walter. Doch obwohl der Kader trotz aller Probleme deutlich mehr hergeben würde als Platz elf, gilt das nicht für Trainer Stewart. Der ist nun sogar damit beauftragt, neue Spieler zu finden. Und vermutlich kann er mit der Beobachtung schon früher anfangen, als ihm lieb ist.

Quelle: F.A.Z.
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