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Ski in Åre

Das österreichische Trauma bei der WM

Von Elisabeth Schlammerl, Åre
 - 13:08

Åre. Das Equipment von Marco Schwarz musste einiges aushalten. Der Österreicher, gestartet als einer der Favoriten in der Kombination am Montag, packte seine Skistöcke nach der Zieleinfahrt im Slalom und dem Blick auf die Anzeigetafel mit beiden Händen und schlug sie gegen den Helm, immer wieder – als ob sie etwas dafür könnten, dass er zu langsam gewesen war. Schwarz schob sich auf den dritten Platz, und dort blieb er am Ende auch hinter dem neuen Weltmeister Alexis Pinturault aus Frankreich und dem Slowenen Stefan Hadalin. Der Münchner Linus Straßer verpasste als Fünfter um 0,34 Sekunden die erste Medaille für den Deutschen Skiverband.

Schwarz, der Sieger der einzigen Kombination des Winters am Lauberhorn in Wengen, war aber nicht angetreten, um Bronze zu gewinnen, sondern um Weltmeister zu werden. Es wäre der erste Titel für Österreich bei dieser Ski-WM in Åre gewesen. Allerdings hätte auch ein Kombi-Gold kaum dazu getaugt, die Stimmung in der Mannschaft deutlich zu verbessern – zu unwichtig ist diese Disziplin für die Ski-Großmacht. Nach sechs Wettbewerben liegt Österreich im Medaillenspiegel abgeschlagen hinter Norwegen, der Schweiz, den Vereinigten Staaten und sogar Slowenien – und steht damit noch schlechter da als vor zwölf Jahren in Åre. Damals hatte es zu Beginn der zweiten Woche immerhin schon fünfmal Edelmetall gegeben, wenngleich kein Gold dabei gewesen war.

Der Auftritt von Schwarz passte ins Bild, das die Österreicher in diesen Tagen in Åre abgeben. Meistens müssen sie zuschauen, wie andere Athleten gefeiert werden. Vincent Kriechmayr hatte in der ersten Woche für die einzigen beiden Medaillen gesorgt – mit Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt. Für die erfolgsverwöhnte Skination ist diese Ausbeute deutlich zu wenig. Dem verpassten Kombinations-Gold werden sie nicht lange nachtrauern – die Niederlage in der Abfahrt, der Königsdisziplin, ist es, die besonders schmerzt. Michael Walchhofer hat als bislang letzter Österreicher den WM-Titel in der Schussfahrt gewonnen, 2003 in St. Moritz. Seit acht Titelkämpfen wartet die rot-weiß-rote Skination schon auf einen weiteren Abfahrtsweltmeister.

Das Abschneiden in Åre bestätigt den Trend in den beiden schnellen Disziplinen. Nach 2003, als die Österreicher beide Goldmedaillen gewannen, gab es nur noch einen Sieg (Hannes Reichelt 2015 im Super-G). Auch im Weltcup ist die Mannschaft schon lange nicht mehr dominant, übertüncht wurde dies nur durch die Olympiasiege von Matthias Mayer 2014 (Abfahrt) und 2018 (Super G). In dieser Weltcup-Saison gab es lediglich drei Siege für die Österreicher: zwei durch Max Franz, der die WM aber wegen eines Fersenbruchs verpasste, und einen von Vincent Kriechmayr, der als Einziger bisher in Åre die Erwartungen erfüllte.

Noch größer als bei den Männern ist aber die Enttäuschung in der Frauen-Mannschaft. Sie waren zwar erfolgreich im Weltcup unterwegs in den schnellen Disziplinen, doch die Slowenin Ilka Stuhec, die Siegerin von Gröden, kam mit der Rolle der Medaillenkandidatin besser zurecht als alle Frauen von Cheftrainer Jürgen Kriechbaum. Sie verteidigte ihren Titel von St. Moritz. „Was wir in dieser Weltcup-Saison erreicht haben, ist megagut“, sagte Stephanie Venier nach ihrem vierten Platz trotzig, „und die WM ist nicht alles im Leben.“ Kriechbaum sah „die eine oder andere Kleinigkeit, die einfach nicht zu hundert Prozent gepasst hat. Und vielleicht auch die letzte Abgebrühtheit, die du auch brauchst, um das rüberzubringen.“ Seine Athletinnen hätten sich im Weltcup in die Favoritenrolle für die WM gehievt, aber „dann muss man auch cool bleiben und die Leistung abrufen. Das ist nicht ganz so geglückt.“

Während die Männer fast sicher sein können, dass die Bilanz in den letzten Tagen von Åre noch aufgehübscht wird, dank Marcel Hirscher, der als Favorit im Riesenslalom und Slalom an den Start geht, müssen sich die Frauen darauf einstellen, zum ersten Mal seit 1982 bei einer WM wieder leer auszugehen. Im Slalom standen zwar Katharina Liensberger und Bernadette Schild je einmal auf dem Weltcup-Podest, aber da gelten sie allenfalls als aussichtsreiche Starterinnen. Und im Riesenslalom fehlt mit Stephanie Brunner (Kreuzbandriss) eine der Besten in dieser Disziplin. „Die Stimmung“, sagte die Super-G-Weltmeisterin von 2017, Nicole Schmidhofer, ehe sie den WM-Ort verließ, „ist am Boden.“

Quelle: F.A.Z.
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