Skirennfahrer Carlo Janka

Mit Herzrhythmusstörungen ins WM-Rennen

Von Michael Eder, Garmisch-Partenkirchen
18.02.2011
, 09:35
Carlo Janka: Erst vor einer Woche deckte der Schweizer Verband die Karten auf
Carlo Janka wird am Freitag bei der Ski-WM als Titelverteidiger in den Riesenslalom starten. Nur in Absprache mit Ärzten darf er das Rennen noch bestreiten: Denn der Schweizer muss am Herzen operiert werden.
ANZEIGE

Carlo Janka wird an diesem Freitag bei der Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen als Titelverteidiger in den Riesenslalom gehen. Ob der Gesamt-Weltcupsieger danach überhaupt noch Rennen in dieser Saison fährt, wird man sehen. Janka nämlich, erst 24 Jahre alt, muss am Herzen operiert werden. Der Riesenslalom-Olympiasieger von Vancouver 2010 leidet unter Herzrhythmusstörungen, darf in Absprache mit den Ärzten dieses eine WM-Rennen aber noch bestreiten, trotz alarmierender Meldungen: Jankas Herzfrequenz, schrieb die „Neue Zürcher Zeitung“, sei nach Rennen bis zu 40 Minuten bei 180 Schlägen pro Minute geblieben, erst danach habe sie sich plötzlich normalisiert.

ANZEIGE

„Die Ärzte glauben nun, eine Möglichkeit gefunden zu haben, die helfen sollte“, sagt Janka. „In meiner Situation ist die Operation einen Versuch wert.“ Der Start am Freitag sei aus ärztlicher Sicht zu verantworten, heißt es, weil der Riesenslalom weit weniger anstrengend sei als Abfahrt und Super-Kombination, auf die Janka in Garmisch verzichtet hatte. „Ich bin zuversichtlich, dass ich das kräftemäßig durchstehe“, sagt der Schweizer. „Es wird nicht anstrengender als ein Weltcuprennen, und da hatte ich vor zehn Tagen in Hinterstoder ja auch keine Probleme.“ Dort, bei der Riesenslalom-Generalprobe für Garmisch, war er Dritter geworden.

Sportliche Karriere wohl nicht in Gefahr

Um Jankas Herzerkrankung hatte der Schweizer Verband lange ein Versteckspiel betrieben. Erst vor einer Woche deckte er die Karten auf. Im vergangenen Dezember, hieß es in einer Pressemitteilung, seien bei Janka Veränderungen der Herzfrequenz festgestellt worden, „die wiederholt zu einer Einschränkung der maximalen Leistungsfähigkeit und Erholungsfähigkeit führten“. Möglicherweise handele es sich um die Spätfolge eines Virusinfektes. Weitere „Abklärungen und Behandlungen“ würden auf das Ende der Saison verschoben.

Titelverteidiger Carlo Janka: „Ich bin zuversichtlich, dass ich das kräftemäßig durchstehe”
Titelverteidiger Carlo Janka: „Ich bin zuversichtlich, dass ich das kräftemäßig durchstehe” Bild: AFP

Da wusste Janka freilich schon, dass er im Frühjahr am Herzen operiert werden würde. Er reiste aus Garmisch ab und verbrachte ein paar Tage daheim in Obersaxen in Graubünden. Dort habe er „vor allem die Beine hochgelegt und frische Luft geschnappt“. Dann ist er aufs Oberjoch ins Allgäu gefahren, wo sich das Schweizer Team auf den WM-Riesenslalom vorbereitet, und ist am Montag wieder ins Training eingestiegen, zur Zufriedenheit des Schweizer Cheftrainers Martin Rufener, der über „drei kurze und intensive Läufe“ berichtete.

ANZEIGE

Für die bevorstehende Operation, die als „Verödung eines falschen Impulsgebers“ beschrieben wird, stellen die Ärzte Janka eine Heilungschance von annähernd 100 Prozent in Aussicht. Seine sportliche Karriere sei nicht in Gefahr. Wenn alles funktioniert, wie Janka und die Mediziner sich das vorstellen, wird der Schweizer nächste Saison wieder am Start stehen. Der WM-Riesenslalom ist bis dahin seine letzte Chance, auch in diesem Jahr einen großen Titel zu erringen. Sein Trainer traut es ihm zu: „Wenn er wieder das Gefühl hat, zwei Läufe machen zu können, hat er gute Chancen“, sagt Martin Rufener.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE