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Lindsey Vonn nach Sturz

„Ich bin zu alt für den Scheiß“

Von Achim Dreis
Aktualisiert am 05.02.2019
 - 13:23
„Ich werde den Rest meines Lebens Schmerzen haben, aber ich bereue nichts“zur Bildergalerie
Skistar Lindsey Vonn rauscht beim Super-G in die Fangnetze, doch sie verliert ihren Humor nicht. Weltmeisterin wird Mikaela Shiffrin dank einer extrem knappen Entscheidung.

Kein Auftritt ohne großes Drama, aber auch kein Auftritt ohne Pointe. Lindsey Vonn ist beim vorletzten Rennen ihrer langen, erfolgreichen Ski-Karriere schwer gestürzt, blieb aber unverletzt, und hatte anschließend wieder die Lacher auf ihrer Seite. „Warum liege ich schon wieder im Zaun? Warum bin ich hier? Ich bin zu alt für diese Scheiße!“ waren ihre ersten Gedanken, nachdem sie beim Super-G am Mittag schwer gestürzt war

Die 34-Jährige war kurz nach der ersten Zwischenzeit im Anschluss an einen Sprung direkt in ein rotes Tor gerast. Sie konnte sich nicht auf den Skiern halten, knallte mit dem Bauch auf die Piste und rauschte in die Fangnetze. Nach kurzer Behandlungspause konnte die Amerikanerin, die schon viele heftige Stürze und schwere Verletzungen in ihrer Laufbahn wegstecken musste, aber selbständig auf Skiern ins Ziel fahren. Dort wurde sie vom zunächst geschockten schwedischen Publikum mit Applaus empfangen. „Ich habe ein bisschen ein Veilchen, sonst geht es mir großartig", blühte Vonn auf einer Pressekonferenz knapp drei Stunden nach ihrem Sturz schon wieder auf.

Wegen anhaltender Knieschmerzen und weiterer gesundheitlicher Probleme hatte die Weltcup-Rekordsiegerin schon vor der Weltmeisterschaft angekündigt, dass sie nur noch die beiden Speedrennen bei der WM bestreiten werde und dann ihre Karriere beenden wird. An ihrer Teilnahme an der Abfahrt am Sonntag hielt sie auch nach dem missglückten Super-G fest: „Schreibt mich nicht ab, vielleicht habe ich ja noch ein Ass im Ärmel. Ich kann immer noch gewinnen.“

Rebensburg hauchdünn geschlagen

Die Königin sonnt sich also auch kurz vor ihrem endgültigen Abgang noch im Rampenlicht, dennoch ist spätestens seit diesem Dienstag klar: es lebe die neue Königin. Denn den Super-G von Are gewann Lindsey Vonns junge amerikanische Teamkollegin Mikaela Shiffrin, der neue Superstar der Szene.

Die 23-Jährige absolvierte die wegen Windes im oberen Streckenabschnitt um 233 auf 1670 Meter verkürzte Strecke in einer Zeit von 1:04,89 Minuten. Sie gewann damit hauchdünn vor der Italienerin Sofia Goggia (+0,02) und Corinne Suter (+0,05) aus der Schweiz. Es war bereits Shiffrins vierter WM-Titel, die elf Jahre ältere Vonn kam in ihrer langen Karriere nur auf zwei.

Großes Pech hatte Viktoria Rebensburg, die wegen der Rennunterbrechung nach Vonns Sturz einige Minuten Wartezeit am Starthaus überbrücken musste. Sie fuhr bei deutlich schlechter werdender Sicht ein gutes Rennen. Doch im Ziel fehlten ihr gerade mal 0,07 Sekunden zur Siegerin - und sie belegte damit wie schon bei der WM 2017 den undankbaren vierten Rang im Super-G.

Siegerin Shiffrin zeigte sich mitfühlend. In der ARD sagte sie: „Vicky hatte schreckliche Sicht“, und schloss ihr Fazit mit den Worten: „That's racing. Es ist nicht immer fair.“ Dass sie selbst als Slalom-Spezialistin nun Super-G-Weltmeisterin wurde, konnte die junge Alleskönnerin nicht ganz fassen. „Das ist verrückt“, sagte sie – gleichwohl war Shiffrin angesichts von drei Disziplinsiegen in dieser Weltcup-Saison durchaus als Sieganwärterin gehandelt worden. Allerdings hatte sie auch Glück, dass sie einen Fahrfehler noch korrigieren konnte: „Ich wäre fast rausgeflogen“, bekannte sie: „ich habe nur gedacht: Gib alles, oder du wirst enttäuscht sein.“

„Ich bereue nichts“

Viktoria Rebensburg gab auch alles, aber sie war restlos bedient, als sie die 4 aufleuchten sah – und auch noch, als sie sich im Zielraum zu ihrer Fahrt äußerte. Schließlich war ihr auch im Riesenslalom bei den Olympischen Spielen 2018 nur der vierte Platz geblieben. Rebensburg war ein kleiner Schnitzer im oberen Teil unterlaufen, der womöglich als Grund für die fehlenden Sekundenbruchteile anzusehen war. Die beiden Hunderstel, die Bronzegewinnerin Corinne Suter schneller war als sie, machten umgerechnet 51 Zentimeter aus. „Ich bin trotzdem stolz“, meinte die mit Abstand beste deutsche Skiläuferin zu ihrem Rennen – Kira Weidle belegte den 18. Rang (+1,71), Michaela Wenig und Meike Pfister schieden aus – und blickte voraus: „Weiter geht's.“

Auch Lindsey Vonn blickte voraus, allerdings auf die Zeit nach ihrer Ski-Karriere. Nach der Abfahrt steht für sie eine weitere Knie-Operation an, es wird ihre siebte sein. Ansonsten wolle sie Projekte verfolgen, unter anderem im Filmbusiness, überraschenderweise aber nicht vor der Kamera, sondern als Produzentin. Nur eines wisse sie mit Sicherheit: „Ich werde für den Rest meines Lebens Schmerzen haben. Aber ich bereue nichts.“

Ergebnisse alpine Ski-WM

Damen, Super G
1. Mikaela Shiffrin (USA) 1:04,89 Min.; 2. Sofia Goggia (Italien) +0,02 Sek.; 3. Corinne Suter (Schweiz) +0,05; 4. Viktoria Rebensburg (Kreuth) +0,07; 5. Nadia Fanchini (Italien) +0,14; 6. Ragnhild Mowinckel (Norwegen) +0,16; 7. Francesca Marsaglia (Italien) +0,24; 8. Ilka Stuhec (Slowenien) +0,26; 9. Lara Gut-Behrami (Schweiz) +0,48; 10. Federica Brignone (Italien) +0,54; ... 18. Kira Weidle (Starnberg) +1,71.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Dreis, Achim
Achim Dreis
Sportredakteur.
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