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Einfädler für Neureuther

Aufhören oder weiterwedeln?

Von Elisabeth Schlammerl, Åre
Aktualisiert am 17.02.2019
 - 15:39
Eine Panne jagt die andere: Felix Neureuther verabschiedet sich von der Slalom-Piste der WM, die ihm kein Glück brachte.zur Bildergalerie
Ein Einfädler kostet Felix Neureuther Platz sechs im WM-Slalom. Danach macht er nebulöse Andeutungen. Zum Abschluss der Ski-WM feiert Österreich einen Dreifachsieg.

Der WM-Auftritt hätte für Felix Neureuther kaum passender sein können, beim Höhepunkt einer Saison mit viel Pech und noch mehr Pannen. Auf dem Weg zu seinem immerhin besten Resultat in diesem Winter unterlief ihm bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften im abschließenden Slalom ein Torfehler und er wurde nachträglich disqualifiziert.

Als Österreich zum Abschluss der Titelkämpfe in Åre (Schweden) nicht nur das ersehnte erste Gold, durch Marcel Hirscher, holte, sondern auch die anderen beiden Plätze auf dem Podest einnahm – Michael Matt gewann zwölf Jahre nach dem Triumph seines Bruders Mario auf diesem Hang Silber, Bronze ging an Marco Schwarz – stand der 34 Jahre alte Garmisch-Partenkirchner schon gar nicht mehr auf dem Tableau. Seine Zeit hätte für den sechsten Platz gereicht. Er sei sich nicht sicher gewesen, ob er eingefädelt habe, sage er später. „Dann fahre ich natürlich weiter. Es hätte ja genauso sein können, dass es mir nur den Ski verschlagen hat.“

Nach Schweden hatten den Deutschen nicht nur Frau Miriam und Töchterchen Mathilda begleitet, sondern auch ein großer Teil des Fanclubs aus seiner Heimatgemeinde im Werdenfelser Land. Die gehören zwar schon seit vielen Großereignissen zum treuen Gefolge Neureuthers, aber dieses Mal dürfte die Unterstützung einen besonderen Grund gehabt haben. Es sah alles danach aus, dass Neureuther nur noch auf einen schönen Abschluss bei der WM hoffen würde, um sich dann nach 16 Jahren zu verabschieden. Aber so einfach scheint dies nun doch nicht zu sein.

Hatte er im Januar noch davon gesprochen, dass seine Entscheidung bereits gefallen sei, revidierte er dies später und erklärte, er werde sich darüber erst nach der Saison Gedanken machen. Aber offenbar geht es weniger um die Signale seines doch schon länger geschundenen Körpers, auch nicht darum, dass nicht mehr bereit sein könnte als Familienvater, alles dem Skisport unterzuordnen.

Er hadert wohl mit einer nicht näher ausgeführten grundsätzlichen Ausrichtung im Deutschen Skiverband (DSV). Nach dem Finale werde er sich mit den Trainern zusammensetzen und alles analysieren, sagte Neureuther. Wichtig sei, „in welche Richtung der Verband ziehen will. Es müssen schon ein paar Dinge geändert werden. Wenn ich das Gefühl habe, dass es in die richtige Richtung geht, dann wäre ich dabei und es würde mir noch wahnsinnig viel Spaß machen, weiter Rennen zu fahren.“

Die Freude, die Lust am Sport scheint noch da zu sein, zumal für ihn der Auftritt am Sonntag „skifahrtechnisch ein großer Schritt in die richtige Richtung“ gewesen sei. Aber die Rahmenbedingungen passen offenbar nicht mehr für ihn. Auch stört er sich daran, dass der Erfolg „immer nur von einer Person abhängig“ sei. Tatsächlich hat Neureuther bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften jeweils Medaillen gewonnen, allerdings rettete er nur in St. Moritz 2017 mit Bronze die Bilanz des DSV allein. Sowohl in Schladming 2013 als auch in Vail 2015 war er einer von mehreren deutschen Medaillengewinnern. „Jetzt lasse ich erst mal die WM sacken und fahre die Saison zu Ende“, sagte er.

Bereits im ersten Lauf hatte Neureuther alle Chancen auf einen perfekten Abschluss nach ein paar Fahrsekunden verspielt, als es ihn an bereits am dritten Tor aushob und er nur mit Mühe im Kurs blieb. „So etwas am Anfang des Laufes ist schwierig“, gab er zu. „Da kostet es dir gleich ein bisschen den Schneid.“

Die Comeback-Saison war eine voller Hindernisse. Schon im Sommer bremste ihn eine Nuss-Allergie bei der Vorbereitung, nachdem er eine Kreuzband-Verletzung auskuriert hatte. Es folgten ein Daumenbruch im November und ein Schleudertrauma mit Gehirnerschütterung im Dezember. Vor der Abreise nach Schweden fing er sich eine Erkältung, weshalb Anfang Februar keine optimale WM-Vorbereitung möglich war. „Der Felix, mein Augenstern, der ist nicht viel gefahren, nicht viel in Bewegung gewesen“, sagte Alpinchef Wolfgang Maier. Als er am vergangenen Donnerstag auch noch im Training stürzte und am gleichen Tag eine schmerzhafte Begegnung mit dem Kofferraumdeckel eines Autos hatte, die eine Beule am Kopf hinterließ, verkündete er: „Ich sperre mich besser bis Sonntag im Zimmer ein.“ Er verbrachte erst einmal „ein Tag auf der Physio-Liege“, wie er erzählte, um sich dann doch noch einmal fürs Training auf die Ski zu stellen.

In Åre hatte Viktoria Rebensburg mit ihrer Silbermedaille im Riesenslalom dafür gesorgt, dass das Minimalziel erreicht wurde. Alpinchef Maier war mit dem Abschneiden der Mannschaft auch weniger unzufrieden als sein Aushängeschild Neureuther. „Wenn man die gesamten Umstände mit den vielen Verletzungen betrachtet, haben wir uns sehr ordentlich präsentiert. Wir waren in vielen Disziplinen nah oder bei den Besten der Welt dabei.“ Das wäre auch Neureuther am Sonntag gelungen, wenn er nicht eingefädelt hätte.

Quelle: FAZ.NET
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