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Ende von Segway

Verkehrsmittel, die auch weg können

Aktualisiert am 29.06.2020
 - 09:50
Ist Geschichte: der Segwayzur Bildergalerie
Die Firma Segway stellt die Produktion ihrer Zweiräder ein. Unsere Autoren wünschen dieses Schicksal auch anderen Verkehrsmitteln – zum Beispiel der Tram, dem E-Roller und den Inlineskates. Ein paar persönliche Problemfälle.

Das Bedauern hielt sich in Grenzen, als die Firma Segway jetzt bekanntgab, die Produktion ihrer gleichnamigen Stehroller einzustellen. Populär sind die Gefährte nie geworden, die mit ihrer Haltestange zwischen zwei nebeneinander montierten Rädern aussehen wie nur halb fertiggebaut. Wenn man jemanden auf diesen Dingern gesehen hat, dann waren es meist Touristengruppen, die brav hintereinanderher zockelten wie die Waggons einer Spielzeugeisenbahn. Nein, wir werden es ertragen, wenn die Segways nun bald aus dem Stadtbild verschwinden. Andere Verkehrsmittel hingegen bleiben, obwohl wir auch auf sie getrost verzichten könnten – und damit meinen wir nicht die üblichen Elektro-Tretroller und SUVs.

Die Tram

Während meines Studiums in München wäre ich einmal fast zu spät zu einem Referat gekommen. Die Straßenbahn – oder Tram, wie man sie in Bayern nennt – war auf halbem Weg durch die engen Straßen im Lehel stehen geblieben. Ein SUV-Fahrer (natürlich) hatte seinen Wagen so ungünstig geparkt, dass die Tram nicht vorbeikam. Das Klingeln des Fahrers nützte nichts, der rücksichtslose Einparker war nicht aufzutreiben. Endstation für die Tram, Sporteinheit für mich: Die restlichen zwei Kilometer legte ich im Laufschritt zurück, das Referat hielt ich mit roten Flecken im Gesicht und Schweißflecken unter den Achseln.

Die Straßenbahn vereint die Nachteile von U-Bahnen und Bussen auf sich: Signal- und Weichenstörungen halten sie genauso auf wie starker Verkehr und Unfälle auf der Strecke – wobei der Bus bei Letzteren immerhin einen Umweg fahren kann. Wo die Schienen in der Mitte der Straße verlaufen, legt die haltende Straßenbahn wiederum den restlichen Verkehr lahm, bei einspurigen Straßen werden die Schienen zur Falle für Radfahrer. Nachts weckt ihr Rumpeln die Anwohner. Straßenbahn-Fans sagen: Die Tram ist nachhaltig. Stimmt, sage ich: Schlägt mir die ÖPNV-App die Straßenbahn vor, nehme ich inzwischen das Rad.

Julia Anton

Das Motorrad

Ich gebe zu, ich habe auch mal auf einem gesessen. Und: ja, ich fand es toll. Damals war ich noch an der Uni und interessierte mich für einen Architekturstudenten. Bei einem unserer ersten Dates holte er mich mit seiner Motocrossmaschine von zu Hause ab. Ich fühlte mich wie im Film: wie er da so vor der Tür stand, mir einen Helm gab, ich mich hintendrauf setzte und wir, während ich die Arme um ihn schlang, über die Landstraßen fuhren, den Wind im Gesicht . . . Jetzt bin ich ein paar Jahrzehnte älter, Mutter von zwei Töchtern und sehe das Thema Motorrad ähnlich humorlos wie meine Eltern damals.

Bei der Vorstellung, eine meiner Töchter wäre als Fahrerin oder Beifahrerin mit dem Motorrad unterwegs, läuft ein innerer Film bei mir ab: Bei 180 km/h verlieren sie die Kontrolle in der Kurve, schleifen ungeschützt über den Asphalt, und was bleibt, ist ein Holzkreuz, an das ich regelmäßig Blumen lege. Außer der romantischen Erinnerung an den Architekturstudenten kann ich Motorrädern nichts mehr abgewinnen. Auch wenn sie durch die Stadt heizen und beim Überholen mit einem Höllenlärm noch mal richtig aufdrehen, denke ich nur: Gibt es keine andere Möglichkeit, seine Männlichkeit zu beweisen?

Anke Schipp

Die Rikscha

Natürlich reden wir hier nicht von der fernöstlichen Urform der Rikscha, bei der ein barfüßiger Laufbursche einen höhergestellten Fahrgast durch die Straßen zieht, sondern von der Velotaxi genannten Fahrrad-Variante, bei der beide sitzen. Das Grundprinzip aber ist geblieben: Einer lehnt sich zurück, der andere strampelt. Selbstverständlich ist so unser gesamtes kapitalistisches System aufgebaut, aber den Armen und Ausgebeuteten in den Schlachthäusern müssen wir wenigstens nicht dabei zusehen, wie sie sich die Gesundheit ruinieren – während wir dem Rikschafahrer permanent auf den gekrümmten Rücken starren. Und wenn es wenigstens richtiger Luxus wäre, den man sich da leistete!

Stattdessen aber hockt man in der Kabine wie ein Bettelkönig, der sich eine echte Kutsche nicht leisten kann, mitleidig oder missbilligend beäugt von den Mitmenschen. Das Herr-und-Lakai-Spiel wird nicht besser dadurch, dass der Mann vor uns coole Rennradkluft trägt. Feudalismus als Fun-Sportart. Wenn wir je in so ein Ding einstiegen, trügen wir schwerer an unserem schlechten Gewissen als der Rikschafahrer an uns, und besonders leicht sind wir nicht. Steigen wir aber nicht ein und lassen die Rikschas wie üblich links liegen, haben wir ebenfalls ein schlechtes Gewissen. Ein Teufelskreis, dem man nicht entkommen kann – schon gar nicht in einer Rikscha.

Jörg Thomann

Der E-Roller

Mein Mann schaute auf meine Schuhe: „Aber wir nehmen den Roller.“ Es war sein Geburtstag, wir hatten bei einem Japaner reserviert, und ich sah darin eine Gelegenheit, wirklich ausnahmsweise High-Heels anzuziehen. Mit „dem Roller“ war Eddy gemeint, eine dieser Sharing-Initiativen mit süßem Namen, die das Stadtleben attraktiver machen sollen. Bequem zu buchen per App, als wäre es ein Fahrrad oder ein Auto. Leider ist Eddy weder noch, sondern ein Roller im herkömmlichen Sinne, wie es sie schon gab, als man auf Bürgersteigen noch nicht über E-Scooter stolperte. Gewissermaßen ein kleines Motorrad, das sich auch schnappen kann, wer zuvor noch nie auf so einem Gefährt gesessen hat. Einweisung? Höchstens – ebenfalls bequem – digital.

Von null auf 49 Stundenkilometer ist man dann dabei, muss an Bussen vorbei. Verirrt sich in Tunnel, die Schnellstraßen sind. Wird plötzlich immer langsamer. So ging es uns an jenem Abend. Eddy ließ schnell nach. Ging auf 25 Stundenkilometer runter, auf 15. Links brausten die Autos vorbei, hinter uns hupte jemand. „Die Batterie!“, rief mein Mann von vorne. Das war kurz bevor er rechts ranfuhr. So ging also Liegenbleiben mit dem E-Roller. Es blieb uns nichts anderes übrig, als diese Unzuverlässigkeit auf zwei Rädern abzustellen und den Rest des Weges zu laufen. Hohe Absätze trage ich seitdem nicht gerade mit mehr Begeisterung. Auf einem E-Roller saß ich nie wieder.

Jennifer Wiebking

Das E-Mountainbike

Vor Jahren, E-Biker waren noch eine Randgruppe, schnauften wir einmal mit dem Mountainbike einen Anstieg im Allgäu hoch, einen fies steilen Waldweg, der uns die Luft raubte und das Tempo sowieso, als uns ein gutgelaunter älterer Herr überholte. Er war keineswegs tief über den Lenker gekrümmt wie wir, er kämpfte auch nicht mit letzter Kraft verzweifelt gegen das Umfallen, er rief uns vielmehr beim entspannten Vorbeirollen gut gelaunt ein munteres „Grüß Gott“ zu und zog frohgemut weiter den Berg empor. Mit leisem, beharrlichem Surren. Wir antworteten nicht. Aus vielen Gründen. Damals war eine solche Begegnung die Ausnahme, heute fühlt man sich beim Bergradeln ohne Akku schon wie ein Dinosaurier.

Mountainbiker mit Elektroantrieb fluten noch die kleinsten Seitentäler; wo früher nur Fußgänger und hartnäckige Radler unterwegs waren, rauschen E-Biker dutzendweise durch, ohne rot zu werden. E-Bikes sind ein Geschäft, sie sind bequem, erweitern den Aktionsradius, aber in den Bergen wirken sie auch wie eine Seilbahn, heben die „Schranke der Schwerkraft“, die uns sonst Grenzen setzt, künstlich auf. Das nervt nicht nur nörgelnde Retro-Radler, es wirft auch Fragen zu Umweltschutz und Unfallgefahr auf, wenn unerfahrene E-Mountainbiker mit schwergewichtigen Geräten kurvige Bergwege hinabdonnern. Der reine Neid? Vielleicht. Das Gefühl, aus eigener Kraft oben zu stehen, ist trotzdem nicht zu toppen.

Bernd Steinle

Die Inlineskates

Als Jugendlichem ist einem vieles zu uncool, das eigentlich komfortabel oder sinnvoll ist. Ich wollte nie einen Fahrradhelm tragen, einen Regenschirm mitnehmen oder die Beine beim Sitzen eng übereinanderschlagen. Mittlerweile habe ich mir viele dieser albernen Abneigungen abgewöhnt. Eine habe ich mir bewahrt: Ich würde niemals inlineskaten. Woher das kommt? Ich wollte immer Skateboarder sein, leider hatte ich zu viel Angst vor dem Abgrund, in den man vom Gipfel einer Halfpipe blickt. Auch auf dem Boden bin ich nicht über den Anfängertrick „Ollie“ hinausgekommen. Immerhin eins habe ich mir von den coolen Skateboardern aber abgeschaut: die Verachtung gegenüber Inlineskatern. Ein Skateboarder kann einfach nur rumstehen – er wird immer cooler sein als jeder Inlineskater, selbst wenn der sich in eine Halfpipe stürzt.

Heute habe ich Freunde, die manchmal mit ihren Freundinnen am Rhein inlineskaten, ausgerüstet mit Knieschützern und Helm. Und ich kenne das ja, man macht vieles für die Beziehungspflege. Eins verspreche ich aber feierlich: Niemals werde ich selbst am Rhein inlineskaten. Und es ist keine abstrakte Gefahr, von der wir hier reden, sie lauert im Keller. Dort lagert meine Freundin ihre Inlineskates. Ab und zu fragt sie, ob wir sie nicht mal nutzen wollen, Inlineskaten mache Spaß. Das Schlimmste ist: Wahrscheinlich hat sie recht.

Sebastian Eder

Das Pferd

Ja, ich hielt Pferde auch mal für den Inbegriff von Coolness. Nur auf ihnen, so dachte ich als Kind, könne man so lässig aussehen wie Clint Eastwood oder Gojko Mitić. Ein großer Irrtum, den ich im Nachhinein den Kameramännern diverser Western anlaste und einer pferdevernarrten Freundin. Sie überredete mich, das Reiten auszuprobieren. Es war nicht schön, weder für mich noch für das Pferd, das man mir auf dem Reiterhof täuschungshalber als „Pony“ vorgestellt hatte, obwohl es mich um gut einen Kopf überragte. Bereits das Aufschwingen war eine Tortur. Erinnern Sie sich, wie man immer an der untersten Stange des Recks hing und der Sportlehrer schrie, man solle sich nicht so anstellen und endlich nach oben greifen? So hing ich im Steigbügel verheddert, und selbst das „Pony“ blickte verächtlich nach hinten, als man mich endlich nach oben hievte. Wahrscheinlich hatte ich damit schon alle Punkte bei ihm verspielt. Als es störrisch anfing zu traben, versuchte ich vergeblich, mit ihm in einen Rhythmus zu gelangen. Immer wenn ich dachte, ihn zu finden, änderte es abrupt den Gang, und ich bin mir sicher, zufriedene Bosheit in seinem Blick gesehen zu haben, als ich mich ächzend in den Sattel krallte. War mein Pony besonders perfide? Vielleicht. Habe ich es später mit anderen Pferden versucht?

In der Tat, denn man möchte seine Meinung auf Empirie gründen. Die belegt: Pferde sind unbequeme Diven. Ich bin auf sanftmütigen Eseln auf Berge getrabt, langwimprige Kamele haben mich durch die Wüste geschaukelt, und auch die – wenn auch schlittenbasierte – Erfahrung mit Rentieren war durchweg positiv. Man kann nur Carl Benz dafür danken, dass wir nicht mehr auf die Gnade von Pferden zur schnellen Fortbewegung angewiesen sind. Denn wenn es schon ein Mustang sein muss, dann doch bitte einer mit vier Rädern.

Maria Wiesner

Quelle: F.A.S.
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