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Der Älteste der Insel: John Best

Weniger ist Meer

Von FLORIAN STURM, Fotos von XIOMARA BENDER
Der Älteste der Insel: John Best

02.12.2019 · Fair Isle ist die entlegenste bewohnte Insel Großbritanniens. Der sturmumtoste Mikrokosmos erscheint übersichtlich. Aber das Leben dort ist nicht so einfach.

Wenn sich die elfjährige Saskia King nach Schulschluss auf den Heimweg macht, schultert sie ihren Rucksack und läuft los, vorbei an grünen Wiesen, auf denen Schafe grasen. Hin und wieder passiert sie ein Gehöft. Aus der Ferne dringt Möwengeschrei zu ihr herüber und, ganz leise, Wellenrauschen. Rechter Hand thront Malcolm’s Head. Der gut 100 Meter hohe Hügel ist eines der markantesten Wahrzeichen ihrer Heimat. Autos begegnen Saskia kaum auf der schmalen Straße. Und wenn doch, dann halten die Fahrer oft für einen kurzen Plausch. Nach 15 Minuten Fußmarsch ist das Mädchen im Haus ihrer Mutter angekommen. 

Insel-Nachwuchs: Saskia King
Insel-Nachwuchs: Saskia King
Insel-Nachwuchs: Saskia King
Der Heimweg von Saskias Bruder Sebastian sieht etwas anders aus: Wenn der Fünfzehnjährige Glück hat – das heißt: bei gutem Wetter -, fährt ihn ein Shuttle-Service bis zum zehn Kilometer entfernten Flughafen. Dort steigt er in ein kleines Propellerflugzeug, das ihn und höchstens neun weitere Passagiere in gut einer halben Stunde über das offene Meer zu einem der wohl kleinsten Flughäfen der Welt bringt. Hinter einem hüfthohen weißen Holzzaun, direkt neben einer Schotterstraße, der Landebahn, wartet schon seine Mutter Mati Ventrillon mit dem Auto. Manchmal kommt sie im Feuerwehrauto. Dann ist sie gerade im Dienst und sorgt für Sicherheit am Flughafen von Fair Isle.


Die entlegenste bewohnte Insel Großbritanniens gehört offiziell zu Schottland. Fair Isle ist kaum acht Quadratkilometer groß und liegt mitten im Ozean, auf halber Strecke zwischen Orkney und Shetland. 55 Einwohner leben hier. Drei davon sind Saskia, Sebastian und ihre Mutter Mati.


Früher besuchten beide Geschwister die Grundschule auf Fair Isle. Doch nach sieben Jahren steht jede Familie vor einer Entscheidung: Entweder der Nachwuchs geht auf das Internat der Anderson High School in Lerwick, der Hauptstadt der Shetland-Inseln – oder die gesamte Familie verlässt Fair Isle. Für Mati Ventrillon war das keine Option: „Ich habe nie darüber nachgedacht wegzuziehen. Die Schulsituation ist ein wesentlicher Bestandteil des Insellebens, und die Kinder freuen sich auf den Wechsel ins Internat. Für sie kommt es dem Schritt ins Erwachsenenleben gleich.“


Das sieht auch Sebastian so. Dass er nur jedes dritte Wochenende nach Hause kann und dafür meist in ein Flugzeug steigt, daran hat er sich längst gewöhnt. Nur die Schlechtwettervariante steht weder bei ihm noch bei anderen Insulanern hoch im Kurs. Wenn der Flugverkehr ausfällt, bleibt nur die Überfahrt mit der „Good Shepherd IV“. Die Fähre verkehrt dreimal pro Woche zwischen Fair Isle und den Shetland-Inseln, und eine Fahrt dauert, je nachdem, welchen Hafen das Schiff ansteuert, zweieinhalb oder fünf Stunden. Es ist ein langer Ritt übers offene Meer, den niemand antritt, wenn es sich vermeiden lässt. Selbst Crewmitglieder werden noch regelmäßig seekrank auf der Fähre, so sehr schaukelt das Schiff auf den Wellen hin und her.
Raue See: Bei schlechtem Wetter kommt niemand auf die einsame Insel – und niemand kommt von ihr weg.
Raue See: Bei schlechtem Wetter kommt niemand auf die einsame Insel – und niemand kommt von ihr weg.
Raue See: Bei schlechtem Wetter kommt niemand auf die einsame Insel – und niemand kommt von ihr weg.

„Ich habe nie darüber nachgedacht wegzuziehen.“
MATI VENTRILLON

Bei rauer See kommt niemand von und nach Fair Isle. Für ein paar Tage von der Außenwelt abgeschnitten zu sein ist für die Insulaner fast schon normal. Die längste Durststrecke betrug einmal sechs Wochen. Um trotzdem überleben zu können, haben die Bewohner Lebensmittelvorräte im Haus. Per Hubschrauber kommen zudem in solchen Notlagen Lieferungen mit frischem Obst, Milch und Gemüse. „Je nach Wetterlage“ ist ein Halbsatz, den man auf Fair Isle oft hört. Hier wird die An- und Abreise nicht vom offiziellen Fahrplan bestimmt, sondern von Wind, Nebel, Eis und Schnee. 

Lebensmittel, Medikamente, Baumaterialien, Haushaltsgüter, Autos: Alles kommt per Fähre nach Fair Isle. Einmal die Woche, meist am Dienstag, erklingt das Schiffshorn, während das Boot mit dem dunkelblau gestrichenen Rumpf in den Hafen einläuft. „Jedes Mal erwartet uns gut ein Dutzend Leute, um uns beim Entladen zu helfen, egal, ob die Sonne scheint oder es wie aus Eimern schüttet“, sagt Ian Best. Der Zweiundfünfzigjährige, groß, blond, nordischer Typ, ist Kapitän der „Shepherd“. Er verbrachte seine Kindheit auf Fair Isle, arbeitete dann einige Jahre anderswo, ehe er in seine Heimat zurückkehrte und eine Familie gründete. Auch seine Schwester Fiona und sein Vater John leben hier.

Alles kommt mit der Fähre: „Good Shepherd IV“.
Alles kommt mit der Fähre: „Good Shepherd IV“.

„Diesen Zusammenhalt, die Unterstützung untereinander, findest du woanders nicht“, sagt Fiona Mitchell. Diese Gemeinschaft war es, neben der atemraubenden Landschaft, der Ruhe, Sicherheit und Abgeschiedenheit vom Trubel des Lebens auf dem Festland, die John Best, den Vater von Fiona und Ian, 1973 nach Fair Isle brachte. „Es gibt keinen besseren Ort, um Kinder großzuziehen“, sagt der Dreiundachtzigjährige. „Wir sind eigentlich alle wie eine große Familie.“ 

Er ist zur Zeit der älteste Inselbewohner. Mehr als die Hälfte seines Lebens hat er hier verbracht. Sein weißer Bart und der wache Blick lassen sein vom Wetter gegerbtes Gesicht jünger erscheinen. Auch die Arbeit im Garten und in seinem Atelier hält ihn fit. Best sitzt in seinem Lieblingsstuhl im geräumigen Wohnzimmer seines Hauses, das er vor Jahren selbst gebaut hat, wie er stolz erzählt. Der frisch aufgebrühte Tee dampft aus der Tasse, der Blick aus dem Fenster reicht über die schroffen Klippen an der Südspitze der Insel, an denen sich die Wellen brechen, bis zum imposanten weißen Leuchtturm. 


„Es gibt keinen besseren Ort, um Kinder großzuziehen. Wir sind eigentlich alle wie eine große Familie.“
JOHN BEST

„Als meine Frau Betty und ich 1973 nach Fair Isle zogen, wollten wir auch ein Stück weit die Insel retten“, sagt er. 1861 lebten auf Fair Isle, heute kaum vorstellbar, 360 Personen. Seither sinkt die Zahl der Bewohner fast kontinuierlich. Den ersten, bisher größten Rückschlag gab es 1862. Ein Unternehmer von den Shetland-Inseln wollte Fair Isle kaufen – mit möglichst wenig Einwohnern. Also versuchten viele Landbesitzer, ihre Pächter loszuwerden. Die nächsten Winter würden hart, hieß es, die Insel könne so viele Leute nicht ernähren. Die Angstkampagne wirkte. Im Mai 1862 verlor die Insel 132 Bewohner. Ihr Ziel: Kanada.

So eine massive Abwanderung war die Ausnahme. Doch der Bevölkerungsschwund blieb ein Problem: Familien zogen weg, die Chancen auf gute Bildung und Arbeit waren anderswo besser. Im September 1897 kam fast die gesamte Besatzung zweier Boote, die zum Tauschhandel mit vorbeifahrenden Schiffen vor der Küste von Fair Isle unterwegs waren, in einem Sturm ums Leben. Später waren es die zwei Weltkriege, bei denen weitere Männer umkamen. 

Die Ruinen zeigen, dass hier früher mehr los war: Vor 150 Jahren lebten 360 Menschen auf Fair Isle, heute sind es weniger als 60.
Die Ruinen zeigen, dass hier früher mehr los war: Vor 150 Jahren lebten 360 Menschen auf Fair Isle, heute sind es weniger als 60.
Die Ruinen zeigen, dass hier früher mehr los war: Vor 150 Jahren lebten 360 Menschen auf Fair Isle, heute sind es weniger als 60.

1973 zählte Fair Isle noch 42 Einwohner. Zu wenig, um das Leben auf dem Eiland aufrechtzuerhalten. „Fair Isle stand kurz davor, evakuiert zu werden“, sagt John Best. „Die Gemeinschaft brauchte dringend junge Familien. Wir waren eine davon.“

Seine Frau Betty trat eine Stelle als Krankenschwester auf der Insel an, zunächst befristet für ein Jahr. Doch schnell war klar, dass sie sich langfristig ein Leben aufbauen wollten. Für John Best war es kein leichter Schritt. Auf dem Festland plante und managte er Krankenhäuser. Dafür war auf Fair Isle kein Bedarf. Doch er musste Geld verdienen. Also gründete Best mit einem Nachbarn eine Firma, arbeitete am neuen Strom-und Sendemast, reparierte und baute ganze Häuser – obwohl er keine Erfahrung damit hatte. 

Blick nach Nordwesten: Das Festland ist weit entfernt und nur per Flugzeug und Fähre erreichbar.
Blick nach Nordwesten: Das Festland ist weit entfernt und nur per Flugzeug und Fähre erreichbar.
Blick nach Nordwesten: Das Festland ist weit entfernt und nur per Flugzeug und Fähre erreichbar.

Fair Isle, sagen viele Bewohner, macht aus dir einen anderen Menschen. Einen, der Probleme löst. Denn das Leben auf einer Insel am Laufen zu halten ist eine Aufgabe, für die viele fähige Arbeiter nötig sind. Wasser und Stromversorgung müssen geregelt werden, ebenso die Instandhaltung der Straßen. Der kleine Supermarkt, die Grundschule, der Flughafen, die Vogelwarte samt Forschungsstation, die Fähre und die Gasthäuser – alle brauchen Mitarbeiter. Es gibt eine Krankenschwester, Museumsführer, Mitglieder des Gemeinderats. Viele Frauen halten die Tradition selbstgestrickter Kleidung am Leben, und die Mehrzahl der Grundstücke sind kleine Bauernhöfe mit Vieh und Land. Fast alles muss auf der Insel selbst gebaut oder repariert werden. Hilfe und Material von außerhalb zu organisieren ist teuer und dauert.

Wer auf Fair Isle lebt, hat mehrere Jobs. „Viele Touristen fragen: ,Und was macht ihr am Abend – oder im Winter?‘ Dass wir Probleme haben, unsere Zeit rumzukriegen, ist einer der größten Irrtümer über das Leben auf der Insel“, sagt Fiona Mitchell, die als zehnjähriges Mädchen nach Fair Isle kam. Sie leitet mit ihrem Mann Robert den Supermarkt und die Post, gibt Kunstunterricht in der Grundschule, ist zuständig für die Feuerwehr, strickt und sitzt als ehrenamtliches Mitglied in Gemeinderäten. „Für uns ist kein Tag wie der andere“, sagt sie, „es gibt immer etwas zu tun.“ 


„Dass wir Probleme haben, unsere Zeit rumzukriegen, ist einer der größten Irrtümer über das Leben auf der Insel“
FIONA MITCHELL

Der Sommer ist die wohl geschäftigste Zeit des Jahres. Die Schafe müssen geschoren und geimpft, ihr Futter von den Feldern geerntet und für den Winter eingelagert werden. Dafür sind mehrere warme, regenfreie Tage am Stück nötig, sonst ist die anstrengende Ernte nicht möglich. Ist ein passendes Wetterfenster vorhergesagt, kommt die ganze Inselgemeinschaft zusammen und packt an. 

Ein Paradies für Ornithologen: Seit 1948 werden Vögel hier professionell beobachtet. Im Hintergrund ist einer von zwei Leuchttürmen der Insel zu sehen.
Ein Paradies für Ornithologen: Seit 1948 werden Vögel hier professionell beobachtet. Im Hintergrund ist einer von zwei Leuchttürmen der Insel zu sehen.
Ein Paradies für Ornithologen: Seit 1948 werden Vögel hier professionell beobachtet. Im Hintergrund ist einer von zwei Leuchttürmen der Insel zu sehen.

 Auch Fair Isle ist nicht frei von zwischenmenschlichen Problemen. Jeder kennt hier jeden, die Insel ist klein und abgeschieden, die Gemeinde übersichtlich. Davonlaufen – vor Konflikten, unsympathischen Nachbarn oder sich selbst – funktioniert nicht. Spannungen treten schnell zutage. Diese Erfahrung mussten auch die Eltern von Saskia und Sebastian machen. Sie siedelten 2007 von London nach Fair Isle über. Wie alle Neuankömmlinge wurden Mati Ventrillon und David King mit offenen Armen empfangen. Die Insulaner zeigten ihnen, wie man Gemüse anbaut, luden sie zu sich nach Hause ein. Ventrillon, die vorher als Architektin gearbeitet hatte, wurde in die Stricktradition eingeführt. Auch King bekam einen Job. „Im ersten Jahr“, sagt Ventrillon, „ist die Unterstützung großartig. Danach wirst du mehr und mehr in die Selbstständigkeit entlassen, aber trotzdem von allen beäugt.“ 

Seit zwölf Jahren da: David King
Seit zwölf Jahren da: David King

Das führt oft zu Konflikten. An bestehenden Strukturen soll nicht gerüttelt werden. Exemplarisch dafür steht die Strickmode, die sogar von Mitgliedern des britischen Königshauses getragen wird. Fair Isle Knitwear wird seit mindestens 400 Jahren hergestellt. Grundlage sind geometrische Muster, in jeder Reihe dürfen höchstens zwei Farben verwendet werden. Produziert wird in mühevoller Handarbeit mit Wolle, die von Schafen auf der Insel gewonnen, geflochten und gefärbt wird. Durch den hohen Aufwand sind die Stückzahlen gering. Die Kleidungsstücke – meist Maßanfertigungen – werden über die Online-Shops der Insulaner recht teuer verkauft.

Mati Ventrillon sah Potential und schlug Änderungen vor, nämlich durch industrielle Produktion in kleinem Rahmen mehr Stücke herstellen und günstiger verkaufen zu können. Produziert würde aber in England – und das wäre gegen die Tradition. Die Insel lehnte ihren Vorschlag ab. Ventrillon hat ihre Idee trotzdem umgesetzt. So gibt es nun zwei Strick-Unternehmen auf Fair Isle. 

Tier und Wolle schonen: Deryk Shaw schert seine Schafe per Hand.
Tier und Wolle schonen: Deryk Shaw schert seine Schafe per Hand.

„Wenn du hier ankommst, ist jeder extrem hilfsbereit“, sagt David King. „Zugleich sind aber alle Jobs schon verteilt, das Sozialgefüge ist festgezurrt, und langfristig musst du sehen, wo du bleibst.“ Der Siebzigjährige, ein weit gereister Künstler und Individualist, beteiligt sich wenig am Gemeinschaftsleben. Das wird so kritisch gesehen wie Ventrillons Produktion auf dem Festland. Niemand hat sich überworfen mit ihnen. Aber das Miteinander mit dem Rest der Gemeinschaft wird nach Möglichkeit auf ein Minimum reduziert.

King und Ventrillon leben noch auf der Insel, sind jedoch seit fünf Jahren kein Paar mehr. Selten funktionieren Beziehungen hier langfristig. Immer wieder gab es Trennungen, egal, ob die Verliebten frisch zusammen oder ein scheinbar gefestigtes Paar waren, als sie hierher kamen. Das Leben auf Fair Isle fordert eine Beziehung in einer Weise heraus, die man vom Festland nicht kennt. Dabei sind gerade junge Familien überlebenswichtig: Die Schule braucht Kinder, und die Gemeinschaft eine neue Generation.

Marie Bruhat und Thomas Fisher könnten Teil dieser Generation werden. Die Französin und der Schotte sind die neuesten Bewohner der Insel – und sie sind ein Paar. Die 25 Jahre alte Bruhat kam 2015 für ein Praktikum bei Mati Ventrillon nach Fair Isle. Sie mochte die Insel, die Arbeit, das Leben und kehrte 2017 zurück, um zu bleiben. Einige Monate später, im Februar 2018, traf sie beim wöchentlichen Dartsabend den vier Jahre jüngeren Fisher. Er arbeitete gerade mit einer Baufirma an neuen Windrädern auf Fair Isle.

Nachbarn trifft man selten: Auf Fair Isle gibt es nur knapp 30 Höfe.
Nachbarn trifft man selten: Auf Fair Isle gibt es nur knapp 30 Höfe.

Bald stand das Paar vor einer Entscheidung: Fernbeziehung oder nicht? „Uns nur alle paar Wochen kurz zu sehen, darauf hatten wir beide keine Lust. Außerdem wäre das extrem teuer geworden“, sagt Fisher. Also kündigte er seinen Job in Aberdeen und zog auf die Insel. Aber wohin? Wohnraum ist Mangelware, fast alle Häuser werden vom gemeinnützigen National Trust for Scotland (NTS) verwaltet. Einfach einziehen geht nicht. Jedes Gehöft wird öffentlich ausgeschrieben und hat viele Interessenten. Bis überhaupt etwas frei wird, vergehen mitunter Jahre. Also zog er bei seiner neuen Freundin ein. „Ich bin überzeugt, dass wir als Paar vor allem deshalb gut harmonieren, weil wir so früh zusammengezogen sind“, sagt Fisher. „So wusste jeder, worauf er sich einlässt.“

In ihrem neuen Heim – zwei Zimmer, Wohnküche, Bad – wohnen sie noch immer. Sie haben viel Geld, Zeit und Energie in die Renovierung gesteckt. Bei dem geringen Verdienst auf der Insel ist das nur möglich, weil der NTS pro Gehöft nicht mehr als 400 Euro Miete verlangt – im Jahr. Marie Bruhat und Thomas Fisher wollen langfristig auf Fair Isle bleiben. Druck, eine neue Generation zu begründen, spüren sie nicht. Auch wenn jeder Bewohner weiß, wie wichtig Nachwuchs für die Insel ist. „Ich bin der festen Überzeugung, dass neue Leute aus Eigeninteresse herkommen sollten. Nicht primär, um die Insel zu retten“, sagt Marie Bruhat. „Letztlich tut Fair Isle doch dir einen Gefallen: Die Insel ermöglicht dir ein Leben, wie du es so nirgendwo sonst führen könntest.“ 


Diese Recherche wurde unterstützt durch einen Sonderpreis der Sir-Greene-Stiftung.


Quelle: F.A.Z. Magazin