Böden besonders bedroht

Großteil des Plastikmülls im Meer sinkt in große Wassertiefen

24.07.2020
, 17:11
Jedes Jahr gelangt eine halbe Millionen Tonnen Plastik ins Meer und bedroht die empfindlichen Meeresböden. Vor allem das Mittelmeer leidet. Ein Umweltverband fordert deswegen: „Die Produktion von Einwegplastik muss verringert werden.“

Der Plastikmüll an Meeresstränden und an der Wasseroberfläche stellt einer Studie zufolge nur die Spitze des Eisbergs von der Verschmutzung der Meere dar. 99 Prozent der Plastikabfälle in europäischen Meeren würden in große Wassertiefen sinken und auf den ökologisch besonders empfindlichen Meeresböden landen, warnte die auf den Schutz der Meere spezialisierte Umweltorganisation Oceana am Freitag in Madrid bei der Vorstellung einer entsprechenden Studie.

Gefährdet sei vor allem das Mittelmeer wegen der hohen Bevölkerungsdichte seiner Anrainerstaaten, der großen Wassertiefe und des geringeren Wasseraustausches. Der Plastikmüll werde durch unterseeische Strömungen in die Tiefe gezogen. Viele Bereiche des Meeresbodens, vor allem Rinnen, Senken und Täler, glichen inzwischen wilden Müllkippen an Land, schreiben die Autoren der Studie. In den dunklen und kalten Regionen Hunderte Meter unter der Wasseroberfläche werde es Jahrhunderte dauern, bis der Plastikmüll abgebaut worden sei.

Die Direktorin der Kampagne gegen Plastik bei Oceana Europe, Natividad Sánchez, betonte, die Reinigung der Strände und das Einsammeln von Plastik an der Wasseroberfläche sei richtig, aber völlig unzureichend. „Die Produktion von Einwegplastik muss verringert werden“, forderte sie. Die Empfehlungen der EU-Richtlinie zur Verringerung von Plastikabfällen vom Juni vergangenen Jahres seien unzureichend. Die Umweltkosten seien im Vergleich zu dem billigen Plastik immens und wegen der jahrhundertelangen Effekte kaum zu beziffern. Die EU plant eine Abgabe auf Plastik ab dem kommenden Jahr, unter anderem um die Abfallmengen so zu verringern.

Die Umweltschutzorganisation WWF hatte vor einem Jahr vor den riesigen Mengen an Plastikmüll im Mittelmeer gewarnt. Jedes Jahr gelange mehr als eine halbe Million Tonnen Plastik ins Mittelmeer. Das entspreche 33.800 Plastikflaschen pro Minute. Vor allem Ägypten, Italien und die Türkei machte der WWF während der Sommermonate für enorme Abfallmengen verantwortlich. Ein großer Teil des Mülls werde von Flüssen ins Meer gespült.

Quelle: dpa
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