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Swiss-Sherpa-Stiftung

Weinanbau für die wahren Helden am Everest

Von Bernd Steinle
Aktualisiert am 03.07.2020
 - 21:32
Domaines Chevaliers: Patrick Z'Brun hat das Weingut in der Walliser Gemeinde Salgesch im Jahr 2008 übernommen.zur Bildergalerie
Ohne Sherpas wären die höchsten Berge der Welt für viele Bergsteiger unbezwingbar. Die Swiss-Sherpa-Stiftung will Bergbewohnern in armen Regionen eine Existenzgrundlage bieten. Finanziert wird sie unter anderem – durch Wein.

Im Mai 2008 stand Patrick Z'Brun mit einer Schweizer Expedition auf dem Gipfel des Mount Everest. Z'Brun, gebürtiger Walliser, hatte sich zuvor als Bergführer das Studium finanziert, danach eine eigene Firma aufgebaut, sie 15 Jahre später verkauft und sich daraufhin ein Bergsteiger-Sabbatical gegönnt. Das führte ihn unter anderem auf den höchsten Berg der Welt, den 8848 Meter hohen Mount Everest.

Aus der Expedition 2008 entstand später eine Dokumentation für das Schweizer Fernsehen, unter dem Titel: „Sherpas – Die wahren Helden am Everest“. Der Film und der Bildband, der dazu erschien, zeigten das Geschehen am Everest nicht wie sonst oft aus der Sicht westlicher Gipfelaspiranten – sondern aus der Perspektive der Sherpas, der Einheimischen, die als Führer, Träger, Köche oder Routenbauer für die Expeditionen am Everest arbeiten. „So wurde ich für dieses Thema sensibilisiert“, sagt Z'Brun.

Bergsteiger-Mentalität

Die Situation der Sherpas in Nepal, stellte der Schweizer fest, barg erstaunliche Parallelen zu der Entwicklung, die vor 200 Jahren in den Tälern seiner Heimat eingesetzt hatte. „Unserem Bergvolk in den Walliser Alpen wäre es damals nicht in den Sinn gekommen, freiwillig in die Berge zu gehen – es war gefährlich, es war mühsam, und vor allem hatten sie damals andere Sorgen als dort in der Gegend umherzuwandern.“ Bis die ersten Engländer ins Wallis kamen. Die Bergpioniere brauchten für ihre Touren ortskundige Männer, die Ausrüstung und Material trugen, die ihnen den richtigen Weg durch Fels und Eis wiesen. Sie brauchten Bergführer. „Das war für die Entwicklung unserer Alpentäler ein ganz wichtiges Element“, sagt Z'Brun. „Die Bergführer wurden zu Botschaftern unserer Region.“

Genau diese Chance, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, wollte Z'Brun nun auch Sherpas ermöglichen – unter anderem aus Dankbarkeit für die Unterstützung und Nähe, die er auf der Everest-Expedition 2008 erfahren hatte. Das war der Impuls für die Gründung der Swiss-Sherpa-Stiftung, die dazu beitragen sollte, Sherpas weniger abhängig zu machen von ausländischen Expeditionsagenturen, die sie nach Bedarf für ihre organisierten Gruppen anheuerten.

Seit 2009 unterstützt die Stiftung nun Ausbildungsprogramme in Bergregionen, in denen Outdooraktivitäten zur touristischen Entwicklung beitragen und damit eine Existenzgrundlage für die Bewohner schaffen können. Der erste Schritt war, die formale Ausbildung von Sherpas als Bergführer voranzutreiben. Im Jahr 2012 wurde Nepal als 25. Mitglied des Internationalen Bergführerverbands aufgenommen. „Gut 20 nepalesische Bergführer sind so inzwischen zertifiziert worden“, sagt Z'Brun.

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Wettlauf im Tatra Nationalpark
Die letzten Sherpas Europas

Das bedeutet: Sie können selbständig und nach internationalen Normen Kurse anbieten. Inzwischen veranstaltet die Stiftung in Nepal auch einmal jährlich einen Lawinenkurs. „Viele Träger sind oft allein zwischen den Lagern am Berg unterwegs, immer wieder kommt es dabei zu Lawinenunfällen, die mit einigen Grundkenntnissen und Verhaltensregeln wahrscheinlich hätten vermieden werden können“, sagt Z'Brun. Mehr als 400 Sherpas haben den einwöchigen Kurs in Theorie und Praxis schon absolviert.

Auch im Norden Pakistans, im Karakorum, sowie in Argentinien ist die Stiftung mit Schul- und Ausbildungsprojekten tätig. „Es hat mich immer fasziniert“, sagt Z'Brun, „dass es eine Art Ur-Bergmentalität zu geben scheint, ob in der Schweiz oder Italien, in Nepal oder im Karakorum oder in Argentinien. Eine Mentalität, die zum Teil sehr ähnlich ist, obwohl es sich um ganz verschiedene Kulturen und Religionen handelt: das Realisieren, dass man in dieser kargen, harten Umwelt nur dann überleben kann, wenn man zusammenhält, wenn man einander aushilft.“

Höchstgelegener Weinberge Europas

Viele Projekte der Swiss-Sherpa-Stiftung wurden und werden auf ungewöhnliche Weise finanziert. Als Patrick Z'Brun nach dem Verkauf seiner Firma eine neue unternehmerische Herausforderung suchte, fand er sie in einer alten Leidenschaft: dem Weinbau. Er kaufte ein Weingut im Wallis, der größten Weinregion der Schweiz. Dort entstand die Idee, der Arbeit der Swiss-Sherpa-Stiftung durch einen eigenen Wein ein Gesicht zu geben und sie auf diese Weise zugleich zu finanzieren – „als Hommage an die Sherpas und andere Bergvölker“, wie Z'Brun sagt.

Er gestaltete für die Weine Etiketten, die an tibetische Gebetsfahnen erinnern, der Text darauf stammt aus Z'Bruns Everest-Tagebuch von der Expedition 2008. Übersetzt hat ihn einer der Sherpas, die damals mit ihm unterwegs waren. In den vier Ecken des Etiketts erzählt je eine Zeichnung von persönlichen Begegnungen und Erlebnissen mit Sherpas, die Z'Brun 2008 nachhaltig beeindruckt haben. „Das sind sehr persönliche Sachen.“

Auch bei den Weinen spielen die Berge eine wichtige Rolle. Der erste Sherpa-Wein des Weinguts Domaines Chevaliers war 2009 der Sherpa Rouge, seine Basis ist die autochthone Rebsorte Humagne Rouge. „Ich wollte unbedingt etwas mit dieser Sorte machen, damit das Thema Berg auch durchgängig ist“, sagt Z'Brun. Drei Jahre später folgte dann der Sherpa Blanc. Seine Basis ist der Heida, eine weiße Rebsorte, ebenfalls eine regionale Besonderheit des Wallis: Die Trauben stammen aus einem der höchstgelegenen Weinberge Europas.

Nun komplettieren drei weitere Sherpa-Weine das Angebot, das farblich in Anlehnung an die fünf Farben der Gebetsfahnen gestaltet ist, die für die Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Himmel stehen. Die drei neuen Weine sind der Sherpa Everest (Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon), der Sherpani (Pinot Noir) und der Sherpa Rosé (Gamay, Pinot Noir, Merlot, Cornalin). Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben aber auch die Präsentationspläne von Patrick Z'Brun vereitelt. Der Sherpa Everest sollte eigentlich im höchsten Bergrestaurant Europas in Zermatt lanciert werden, in Anwesenheit von Dendi Sherpa, mit dem Z'Brun 2008 auf dem Everest stand, und der ursprünglich auch eine Flasche mit an den höchsten Gipfel der Welt nehmen sollte. Nun hofft Z'Brun auf das nächste Jahr.

Die erste Flasche Sherpa-Wein auf dem Mount Everest wird es sowieso nicht mehr werden. Z'Brun hatte einem Sherpa-Freund von der Expedition 2008 einmal ein paar Kisten Sherpa-Wein geschickt, als er erfahren hatte, dass dieser wieder zum Everest unterwegs war. „Er hatte so eine Freude an der Idee, dass er dann ohne mein Wissen eine Flasche Sherpa-Wein auf den Gipfel getragen hat“, sagt Z'Brun. Monate später bekam der Winzer ein Foto zugeschickt, ohne Kommentar, das den Sherpa auf dem Everest-Gipfel zeigt, mit einer Flasche Sherpa-Wein in der Hand. „Das war damals ein sehr emotionaler Moment für mich“, sagt Z'Brun. „Da hat sich ein Kreis geschlossen.“

Quelle: F.A.Z. Magazin
Autorenporträt / Steinle, Bernd
Bernd Steinle
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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