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„Atomik“ aus Tschernobyl

Der Wodka aus der Sperrzone

Von Maria Wiesner
 - 17:23
Hipstergeeignetes Label: Die erste Flasche des Atomik-Wodkas

Wenn es um seinen Wodka „Atomik“ geht, greift Professor Jim Smith von der Universität Portsmouth schon mal zum Superlativ: „Ich denke, das ist die wichtigste Flasche Alkohol auf der Welt“, so zitiert ihn eine Mitteilung der britischen Universität. Der Name für das Destillat ist nicht zufällig gewählt. Es handelt sich dabei um den ersten Wodka aus Tschernobyl, der mit Wasser und Getreide aus der Region hergestellt wurde, in dem es 1986 zu dem verheerenden Reaktorunglück kam.

In dem Getreide, das für das Forschungsprojekt angebaut wurde, sei zwar noch Radioaktivität gemessen worden, nach dem Destillationsprozess aber haben die Forscher keine radioaktiven Spuren mehr im Alkohol feststellen können, heißt es in der Mitteilung der Universität Portsmouth. Die Untersuchungen wurden demnach sowohl von zwei britischen Laboren, als auch von einem ukrainischen Institut sowie einem unabhängigen Wein- und Alkoholtestlabor durchgeführt.

Bislang habe das Team um Smith zwar nur eine Flasche herstellen können, dieser misst der Professor jedoch große Wichtigkeit bei: „Diese Flasche könnte den Gemeinden in und um die verlassene Zone helfen, wirtschaftlich wieder auf die Füße zu kommen.“ Seit dem Reaktorunglück war im Radius von 30 Kilometern um das Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks eine Sperrzone errichtet worden, in der noch heute die kommerzielle Landwirtschaft verboten ist. Tausende Menschen leben immer noch in dem sonst verlassenen Gebiet, jeder zweite Bewohner ist arbeitslos. Das Ziel der Untersuchungen des Teams, in dem britische und ukrainische Forscher zusammenarbeiten, war es, festzustellen, wann es wieder sicher sei, auf den Agrarflächen um Tschernobyl Getreide anzubauen.

Der Wodka ist deshalb nur der erste Schritt. Die Forscher wollen nun das Unternehmen „The Chernobyl Spirit Company“ gründen, um den „Atomik“-Wodka im kommenden Jahr in größeren Mengen von ein paar hundert Flaschen zu produzieren. 75 Prozent des Gewinns sollen Einheimischen zugutekommen.

Die erste Flasche präsentierten die Forscher der Öffentlichkeit auf Stroh gebettet in einer Holzkiste. Auf dem Label spaziert ein Wildschwein ins Getreidefeld. Wenn die Forscher damit auf ein kaufkräftiges Großstadt-Publikum abzielen, könnten sie Erfolg haben. Derzeit erlebt die Region einen kleinen Hype, hervorgerufen durch die Sky-Miniserie „Chernobyl“, die sich fiktiv mit den Ereignissen im April 1986 während und nach der Katastrophe im Atomkraftwerk auseinandersetzt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wiesner, Maria
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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