Vom deutschen Bauernhof

Elf Euro kostet der Liter Kamelmilch

Von Reinhard Bingener
Aktualisiert am 06.11.2020
 - 09:07
Fühlen sich nicht nur in der Wüste wohl: Kälte macht Kamelen nichts aus, nur den Regen mögen sie nicht.
Kühe, Schafe oder Rinder sind gewohnte Anblicke auf den Äckern in Niedersachsen. Bei Bauernfamilie Marquard fühlen sich auch Kamele wohl. Die Milch der Wüstentiere wollen sie exportieren.

Im niedersächsischen Ort Hiddingen ist eine in Arabien weitverbreitete, aber in Deutschland bisher einzigartige Spezialität erhältlich: Kamelmilch, der Liter zu elf Euro. Das Getränk stammt vom Bauernhof der Familie Marquard, die auf ihrem rund 40 Hektar großen Betrieb 60 solche Wüstentiere hält. Mit dem rauhen Klima in der Heide kommen die Kamele nach Angaben von Landwirtin Beke Marquard gut zurecht. „Die Kälte kennen sie aus den Nächten in der Wüste. Was sie nicht mögen, ist Regen.“ Die Tiere können deshalb bei Niederschlag Schutz unter Dächern suchen.

Um die Milch künftig in ganz Europa vertreiben zu können, hat die Landwirtsfamilie eine entsprechende Zulassung der Europäischen Union beantragt. Die EU-Zulassungsnummer ist schon da, mit der Genehmigung wird noch im November gerechnet. Bisher ist die teure Kamelmilch nur auf dem Hof in Hiddingen zu bekommen. Viele Kunden stammen aus dem arabischen Raum und holen bei den Marquards Mengen um 50 Liter ab, um sie zu Hause einzufrieren. Auf dem Hof wurde die Milch zuvor schon für eine Minute bei 72 Grad Celsius pasteurisiert.

Der Geschmack von Kamelmilch soll dem der Kuhmilch ähnlich sein. Dem Beduinengetränk werden jedoch zusätzlich diverse gesundheitsfördernde Effekte nachgesagt. Künftig könnte die Kamelmilch aus Hiddingen auch zu Käse und Speiseeis verarbeitet werden. Entsprechende Anfragen aus Österreich und Berlin soll es schon geben. Die Produktionsmengen in Hiddingen sind jedoch knapp bemessen. Im Unterschied zur Kuh muss stets ein Fohlen in der Nähe sein, damit Milch gemolken werden kann. Auch gibt jede Stute am Tag lediglich zwei bis fünf Liter Milch. In Hiddingen werden derzeit acht Tiere gemolken.

Die Kamelherde auf dem Hof wird während der Saison zum Ausreiten in Karawanen genutzt. In den arabischen Staaten sind solche Ausritte in die Wüste eine wichtige touristische Einnahmequelle. In Hiddingen bereitet Familie Marquard indes die Ausbreitung der Wölfe Sorgen, die zunehmend auch größere Nutztiere reißen. Wie am Dienstag bekannt wurde, soll der Wolf nun nach zähem politischen Ringen in das niedersächsische Jagdrecht aufgenommen werden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bingener, Reinhard
Reinhard Bingener
Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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