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Besondere Weingläser

Wenn es nicht stehen kann, muss es eben liegen

Von Gerald Franz
 - 19:11

Menschen, die sich verabreden, „zusammen ein Glas Wein zu trinken“, trinken in der Regel mehr als eines, nämlich mindestens zwei; der Ausdruck verrät aber, dass das Soziale zählt, weniger das Gastronomische. Kaum Gedanken macht man sich auch über die Form des Trinkgefäßes. Fuß, Stiel, Kelch – das Ganze aus Weißglas, etwa bis zur Hälfte befüllt: So erwartet man die Darreichungsform einer Portion Wein. Alternativlos, oder? Aber nein.

Die Bibel etwa macht vor, dass man Wein aus Bechern oder Kelchen trinken kann. In Frankreich wird gern ein kleiner, ultrastabiler Becher aus Glas benutzt; das omnipräsente Modell Gigogne von Duralex gibt es seit 1946, es wird zu einer einfachen Mahlzeit neben Wasser auch gern für einen Roten benutzt. Und in der Pfalz dient das Dubbeglas als populäres Trinkgefäß. Benannt nach den kreisrunden Vertiefungen im dicken Material, fasst der gläserne Becher einen halben Liter.

Orientierung an der Seitenwand

Doch während solche Becher sich von Weingläsern vor allem dadurch unterscheiden, dass sie keinen Stiel besitzen, sieht es bei dem Weinglas „Gravitas Omega“ von Zalto anders aus: Es verfügt über einen Stiel, aber keinen Fuß. Weil es so nicht stehen kann, muss es liegen. Damit es dabei nicht vom Tisch rollt, hat die österreichische Glasbläserei eine Delle in den Kelch eingearbeitet.

Erst einmal sieht das Ganze natürlich sehr ungewöhnlich aus. Der Weinspiegel orientiert sich nicht am Boden des Kelches, sondern an dessen Seitenwand. Ein bisschen ändert das die Perspektive: als würde der Wein offen vor einem liegen. Gleichzeitig ist der Umgang mit dem Wein auch ein achtsamerer, denn das Aufnehmen und vor allem das Ablegen des Glases benötigt mehr Aufmerksamkeit.

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Allerdings lädt die Konstruktion nicht dazu ein, das Glas längere Zeit bei sich zu behalten. Es lässt sich zwischendurch nicht entspannt auf dem Tisch oder der Sofalehne abstützen. Außerdem geht die Handhabung zu Lasten der Aufmerksamkeit dem Wein (und dem Gesprächspartner) gegenüber.

Meist aus Glas, gelegentlich auch aus Ton

Es geht aber auch ganz ohne Glas. Wie wäre es mit einer Tasse? Damit das Ganze nicht zu sehr nach Kaffee aussieht, fehlt dieser der Henkel. In Galizien trinkt man traditionell junge und einfache Weine aus der „cunca“. Das Keramikgefäß war früher im Nordwesten der Iberischen Halbinsel Standard. Stammkunden hatten in der Taverne ein eigenes, auf dem ihr Name oder das Wappen ihres Lieblingsvereins prangte. Zudem hielt sich der Wein in den Schalen, die man erst in fließendes Wasser legte, lange kühl. Vom Stil erinnert sie an das Gigogne in Frankreich: ein ehrliches Trinkgefäß für einen ehrlichen Wein. Inzwischen ist die „cunca“ auch in Galizien rar geworden; hie und da mag sie sich in einem ökologisch ausgerichteten Restaurant finden.

Ebenfalls aus Spanien und ebenfalls ein traditionelles Trinkgefäß ist das Porrón, meist aus Glas, gelegentlich auch aus Ton. Es sieht aus wie eine Kanne, die über einen schnabelartigen Ausguss verfügt, aus dem der Wein in dünnem Strahl austritt. Die Idee war, etwa bei der Arbeit auf dem Land, dass alle aus demselben Gefäß trinken konnten, ohne es mit den Lippen zu berühren. Denn es gilt, den dünnen Strahl mit dem Mund aufzunehmen, während man das Porrón mit ausgestrecktem Arm über den in den Nacken gelegten Kopf hält. Nicht eben einfach, sorgt aber für ein Gemeinschaftserlebnis.

Klar, das Porrón ist im Alltag nicht mehr sehr verankert. Womöglich aber steht ihm eine Renaissance bevor. Ein kleiner Hersteller fertigt die Gefäße sehr aufwendig aus Ton und pinselt „Porrón molón“ darauf – „cooles Porrón“.

Quelle: F.A.S.
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