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Unsere Lieblinge 2019

Die besten Köche und Winzer

Von Jürgen Dollase und Stephan Reinhardt
Aktualisiert am 05.12.2019
 - 13:34
Zwei-Sterne-Koch Heiko Nieder beim Anrichten im „The Restaurant“ des „The Dolder Grand“ in Zürich.zur Bildergalerie
Was von der Tafel übrig bleibt: Unser Restaurantkritiker und unser Weinkolumnist ziehen Bilanz. Welche Köche und welche Winzer verdienen dieses Jahr besonderes Lob?

Koch des Jahres international

Heiko Nieder, „The Restaurant“ im Hotel The Dolder Grand in Zürich

Deutsche Köche machen mehr und mehr auch international von sich reden. In der Schweiz ist gerade Tanja Grandits, F.A.S.-„Liebling“ von 2016, im Gault-Millau zum „Koch des Jahres“ gewählt worden. Im letzten Jahr war Heiko Nieder von „The Restaurant“ Koch des Jahres – beide stammen aus deutschen Landen. Nieder hat sich in dem berühmten Grandhotel mit seiner phantastischen Lage oberhalb von Zürich Jahr für Jahr beharrlich entwickelt und präsentiert heute eine moderne Spitzenküche von internationalem Format mit superber handwerklicher Präzision und einem besonderen Faible für eine geradezu erfrischende, leicht fruchtige, leicht zitronige Säure, die seinen Kreationen eine beträchtliche Eigenständigkeit gibt. Die „Flusskrebse mit Melone, Bronzefenchel, Koriander und grünem Curry“ sind ebenso genial wie die scheinbar simple „Wassermelone mit Meeresgrün, Tamarillo und Joghurt-Molke“. Und „DER Gemüsefond – eiskalt“ ist nicht unbescheiden übertrieben betitelt, sondern ein High-End-Gemüsegericht wie aus der Zukunft der Küche. Nach seiner Ausbildung hat Nieder in acht Jahren in nur drei Restaurants gearbeitet. Das ist eher selten. Sein erster Chefposten war das „L’Orquivit“ in Bonn, wo er dann seinen ersten Michelin-Stern bekam. Seit der Wiedereröffnung des Dolder im Jahre 2008 ist der 47-jährige Zwei- Sterne-Koch Chef Fine Dining in einem der spektakulärsten europäischen Hotels.

Koch des Jahres national

Torsten Michel, „Schwarzwaldstube“ im Hotel Traube-Tonbach in Baiersbronn

Torsten Michel hat einen der schwierigsten Posten in Deutschlands Superküchen übernommen: die Nachfolge von Kochlegende Harald Wohlfahrt. Der 1977 in Dresden geborene Koch kam schon im Jahr 2004 in die „Schwarzwaldstube“ und wurde systematisch auf den Chefposten vorbereitet. Im Jahr 2017 war es dann so weit, und es gelang Michel sofort, die drei Michelin-Sterne des Hauses zu verteidigen. Danach ergaben sich deutliche Entwicklungen, weil Michel begann, sein eigenes Profil zu schärfen, und seine Handschrift sichtbarer wurde. Michels wichtigste Spezialität sind klassische Geschmacksbilder, die er wie kaum ein Zweiter beherrscht. Da gibt es den berühmten „Wildhasen nach königlicher Art mit Rouennaiser Sauce“, eine mit Austern gefüllte Steinbuttschnitte mit Beurre blanc oder eine „Glasierte Kalbsleber mit sautierten Pfifferlingen“ und einem mit Baroloessig aromatisierten Schmorsaft. So etwas muss ein Koch nicht nur können, sondern in allen geschmacklichen Nuancen verinnerlicht haben. Ganz aktuell erweitert Michel dieses Spektrum um hervorragend schmeckende Nuancen, ergänzt den Hasenrücken mit Timut-Pfeffer und Ananas, die gegrillte Rotbarbe mit einer Sauce von Karkassen, Rotbarbenleber und altem Sherryessig oder die Austernvarianten mit Ponzu und Misomayonnaise. Das alles, ohne auf Trends zu schielen, zunehmend selbstbewusst, sicher, präzise und mit kulinarischem Rückgrat.

Aufsteiger des Jahres

Jan-Philipp Berner, „Söl’ring Hof“ in Rantum auf Sylt

Auf Sylt gab es lange Zeit vor allem zwei Arten von guter Küche: eine eher bürgerlich orientierte und eine Luxusküche, die oft überraschend wenig mit der Region zu tun hatte. Mit Jan-Philipp Berner vom „Söl’ring Hof“ hat sich das geändert. Auf den Spuren seines Chefs und Vorgängers Johannes King demonstriert der 31-Jährige heute deutlich, dass es auf Sylt nach Nordsee, Insel und frischesten Produkten aus nördlichen Meeren schmecken kann. Berner hatte schon mehrfach mit Sylt zu tun. Nach seiner Ausbildung ging es zu Kochlegende Jörg Müller, wenig später auch schon das erste Mal als Chef de Partie zum „Söl’ring Hof“. Nach Küchenmeister-Prüfung und einer Zeit bei Nils Henkel im „Gourmetrestaurant Lerbach“ wurde dann im Jahre 2013 abermals das edle Reetdach-Hotel in den Dünen seine kulinarische Heimat. In enger Zusammenarbeit mit King besticht Berner heute mit einer verfeinert-bodenständigen Küche, die das Potential regionaler Ressourcen neu begreift und in reinen Wohlgeschmack verwandelt. Bei „Huchels Alpha, Holunderblüte, Holunderkapern“ geht es um eine alte Spargelsorte, das Weidehuhn bekommt Speck und Trauben zur Begleitung, vom Stör gibt es roh marinierte Scheiben mit einer exzellenten Variation von Staudensellerie, die ganz neue Horizonte für dieses Gemüse aufschließt. Vielleicht gelingt es ja der Generation von Jan-Philipp Berner, ein Verhältnis zu unseren eigenen kulinarischen Traditionen zu entwickeln, das diese längst verdient haben.

Gastgeber

Gerhard Retter, „Fischerklause“ in Lütjensee und „Cordo“ in Berlin

Auf der Website von Gerhard Retter, auf der der aus der Steiermark stammende 46-Jährige seine gastronomischen Dienste anbietet, findet sich der Spruch: „Sie rufen, der Retter naht.“ Wenn man sich dazu noch ein wenig lockeren Schmäh, Zugewandtheit, große Sachkenntnis und den Wunsch, den Gast wirklich glücklich zu machen, vorstellt, bekommt man eine Idee von diesem wahrlich besonderen Gastgeber. Vielleicht liegt es ja auch an seiner Weltläufigkeit. Gelernt hat er erst Koch und dann Service, er wurde aber auch als sehr guter Sommelier bekannt. Im Laufe der Jahre ging es für ihn jedenfalls zu den ganz großen Namen: zum legendären Eckart Witzigmann in die „Aubergine“ in München als Sommelier, zum ebenfalls legendären Frédy Girardet nach Crissier in die Schweiz als Restaurantleiter, zum legendären Pöbel-Koch Gordon Ramsay nach London, zu Heinz Hanner in die Nähe von Wien und schließlich ins Berliner Adlon, wo er der neuen Berliner Republik zeigte, welches Flair auch bei uns hauptstädtische Luxusgastronomie haben kann. Zum Bedauern seiner Fans verließ er danach die Hauptstadt in Richtung des Traditionsbetriebes „Fischerklause“ in Lütjensee bei Hamburg, blieb über die „Cordobar“ aber mit Berlin verbunden. Aus Berlins beliebtester Bar wurde das zeitgenössische Restaurant „Cordo“ – und wieder sind alle da, die sich ein Essen am liebsten vorstellen, wenn der Retter irgendwo in der Nähe ist.

Neue Formate

Song Lee, „Nikkei Nine“ im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg

Die Bewegungen in der Gastronomie hin zu einem Mix aus vielfältigem, spannendem Essen in einer möglichst wenig formellen Umgebung sind unübersehbar. Das „Nikkei Nine“ im Souterrain des Hotels Vier Jahreszeiten an der Hamburger Binnenalster gehört mit seinem japanisch-peruanischen Küchenstil zu den spannendsten neuen Restaurantformaten der Republik. Verantwortlich für die Küche dort ist Song Lee, 1978 in Korea geboren und 1988 nach Berlin gekommen. Es dauerte ein paar Jahre und brauchte erste Versuche in der Küche eines italienischen Restaurants, bis er sich entschloss, Koch zu werden. Nach Arbeit in verschiedenen Küchen des Grand Hyatt Hotels in Berlin machte er als Chef im Restaurant „Dae Mon“ erstmals mit koreanischen und japanischen Einflüssen auf sich aufmerksam. Es folgten nationale und internationale Erfahrungen als Küchenchef in Restaurants der „Sticks ,N‘ Sushi“-Kette, bevor er im Mai 2019 die Küche des „Nikkei Nine“ übernahm. Hier glänzt Lee nun mit einem ungemein ausgereift wirkenden Mix aus japanischer und peruanischer Küche. Die Sushi- und Sashimi-Auswahl ist groß und beeindruckend, es gibt einen prächtigen Ceviche-Teller, Argentinische Garnelen, die man am Tisch über spezieller japanischer Holzkohle selbst grillt, Scheiben vom Iberico Secreto mit geräucherten Auberginen und Süßkartoffeln. Dazu diverse Varianten von Sojasaucen oder einen Kabeljau mit Kruste, Koji-Ferment und Ingwer-Petersilien-Chimichurri. Song Lee macht das „Nikkei Nine“ zu einer kulinarischen Wundertüte.

Patissier des Jahres

Dennis Quetsch, Gourmetrestaurant „Rutz“ in Berlin

Das „Rutz“ in Berlin-Mitte gehört auch in diesem Jahr wieder zu den kreativsten Adressen des Landes und überzeugt vor allem mit einem Stil, der bei aller Neuartigkeit und Raffinesse immer auch im ganz landläufigen Sinne gut schmeckt. Jeder Kenner der Materie weiß, dass dieses Kunststück zu den schwierigsten Dingen gehört, die man in der Gastronomie realisieren kann. Da gibt es Desserts wie die „Konferenzbirnen mit Macadamia in verschiedenen Zuständen“ oder die verwegen klingende Kombination aus „Oxalsäure, Holsteiner Blut, rotem Sauerklee und Weizengras“, die sich beim Essen als ein harmonisches Spiel mit wenig Süße, einer eleganten leichten Säure und vielen kleinen sensorischen Spitzen entpuppt. Es gibt Gerichte zwischen süß und herzhaft, wie etwa „Gurke, Dill & Joghurt mit Fenchelpollen“, bei denen ein Tick von Milchsäure erstaunlich harmonisierend wirkt, oder das vielfältige „Am Gartenbeet, Rhabarber und Studentenblume“. Wie in den modernen Küchen häufiger anzutreffen, entstehen Gerichte oft kooperativ, werden dann aber von einem Verantwortlichen perfektioniert. Dennis Quetsch (28) war im „Rutz“ bereits Chefpatissier, stieg dann aber vor drei Jahren wegen seines umfassenden Talents zum Sous Chef auf. Nach seiner Ausbildung im „Krug2 in Eltville, einer Zeit als Commis im „Schwarz“ in Heidelberg und einigen Praktika hat sich das Talent von Quetsch dann fast ausschließlich im „Rutz“ entwickelt und durchgesetzt.

Sommelièr/lière des Jahres

Nancy Großmann vom „Rutz“, Berlin

Auch in der Gastronomie gibt es – wie zum Beispiel in der Kunst oder der Musik – die ganz großen Talente, die bei ihrer Arbeit wahrhaft rätselhafte Qualitäten entwickeln. Nancy Großmann (35) hat im Berliner Gourmetrestaurant „Rutz“ eigentlich einen sehr schwierigen Posten, weil die Weinbegleitung für die filigranen, neuartigen Gerichte von Marco Müller kaum jemals klassischen Regeln folgen kann. „Quellforelle & Haut, Schafsmolke, Garum“, heißt es da, oder „Waldboden & trockengereiftes Rind“ und „Salzwiesenlamm mit Zwiebelgewächsen, Holunder und Gerste“. Großmann navigiert nicht nur mit traumwandlerischer Sicherheit und mit Hilfe der beeindruckend originellen Weinsammlung des „Rutz“ durch alle Details, sondern schafft eine weitere Dimension zum Essen. Das Essen im „Rutz“ muss der Gast mit ihren Weinen genießen. Begonnen hat Großmann ihren Weg erst einmal mit einer Ausbildung zur Restaurantfachfrau und einer ganzen Reihe von Stationen im In- und Ausland. Eine Sommelièr-Ausbildung mit Abschluss machte sie erst später, gefolgt von knapp drei Jahren als Filialleiterin und Sommelière im Weinladen Schmidt, der – man ahnt es – den gleichen Besitzer wie das „Rutz“ hat. Nach ersten Posten als Sommelière in der Gastronomie – etwa im „Storstad“ in Regensburg – kam sie zu Beginn des Jahres 2018 ins „Rutz“. Jetzt passt alles. Die richtige Frau ist am richtigen Ort angekommen.

Winzerin des Jahres

Caroline Diel vom Schlossgut Diel in Nahe, diel.eu

Ich habe mein Entzücken über ihre letzten beiden Kollektionen – mehrheitlich auf den Jahrgängen 2017 und 2018 basierend – bereits in meiner Kolumne ausgedrückt. Schon damals wäre Caroline Diel für mich eine Favoritin für den Titel „Winzer des Jahres“ gewesen, und sie hat ihre Position auch nach vielen hundert Weinen und Dutzenden von Kollektionen, die ich danach auf die Zunge nahm, behaupten können. Es ist nicht nur die herausragende Qualität ihrer immer gastronomisch gedachten und daher stets tiefgründigen und strukturierten, nie vordergründigen Weine, die sie berechtigt, eine weitere Urkunde der F.A.S. entgegenzunehmen (sie war 2016 bereits Schöpferin des besten Sekts). Die Vielfalt der von ihr beherrschten Ressorts ist einfach atemberaubend. Diel kann schlichtweg alles, und das ziemlich gut: Sekt, Riesling von trocken bis edelsüß, Burgunder von Weiß über Grau bis Spät. Man könnte ein mehrgängiges Menü mit ihren Weinen begleiten, und kein Pairing wäre ein Kompromiss. Nach elf Jahren harter Arbeit und auch dank des womöglich geerbten Talents hat sie den Titel redlich verdient.

Weißwein(macher) des Jahres

2017 Rheingau Riesling Landgeflecht Unikat, Peter Jakob Kühn aus Oestrich, weingutpjkuehn.de, 90 Euro bei Vorbestellung ab Hof

Zwar ist Peter Bernhard Kühn auch nach eigener Meinung noch kein besserer Sankt Nikolaus Riesling Grosses Gewächs gelungen als der Ende August bereits an dieser Stelle gepriesene 2017er. Das heißt aber nicht, dass er nicht doch noch einen draufzulegen vermochte. Zwar kommt das von einer alten Parzelle im quarzithaltigen Doosberg selektionierte Landgeflecht erst im Spätsommer 2020 auf den Markt, aber da ich den Wein bereits verkosten durfte und der 2016er schon so gut wie ausverkauft ist, sei er Ihnen hier zur Reservierung ans Herz gelegt – auf einen Tisch im „Noma“ warten Sie schließlich noch länger. Vom über 16 bis 20 Monate in 600-Liter-Holzfässern auf der Vollhefe ausgebauten Landgeflecht gibt es immer nur etwa 1200 Flaschen, und der im April gefüllte, fest strukturierte und betörend salzige 2017er vereint die enorme Komplexität und Konzentration biodynamisch erzeugter Trauben mit der Reinheit, Kraft und vibrierend mineralischen Nachhaltigkeit des besten Stücks im Doosberg. Es ist einer der größten trockenen Rieslinge der Welt, den ich seit Jahren immer wieder äußerst gern trinke. Mehr Liebe geht nicht!

Rotwein(macher) des Jahres

2016 Jaspis Spätburgunder Alte Reben vom Weingut Ziereisen in Efringen- Kirchen, weingut-ziereisen.de, 70 Euro ab Hof

Noch immer ist der Familienbetrieb im Markgräflerland ein Mischbetrieb (ohne Vieh), und wer dort hinreist, was unbedingt zu empfehlen ist, findet sich auf einem Bauernhof wieder, der viel Charme und Herzlichkeit ausstrahlt. Die tägliche Hektik findet ihren wohltuenden Kontrapunkt in den Weinen, die zu den besten in Baden gehören: Gutedel natürlich, aber auch sämtliche Burgundersorten. Meinen Liebling des Jahres – den erstmals erzeugten 2016er Pinot Noir 10\4 – gibt es allerdings erst in ein, zwei Jahren. Wie gut, dass der gelernte Tischler und gewordene Winzer Hanspeter Ziereisen viele Pinots macht. Ich liebe sie alle aufgrund ihrer klaren, fleischigen Frucht, ihrer Lebendigkeit und Eleganz, die mit Substanz und innerer Ruhe gepaart ist. Nicht sein teuerster, aber für mich der schönste im Markt befindliche Pinot Noir ist der 2016er Jaspis, der 21 Monate in Burgunderfässern auf der Hefe herangereift ist und unfiltriert abgefüllt wurde. Er verführt wie Don Giovanni die arme Zerlina: mit großer Raffinesse, Eleganz und ebenjenem warmtönigen Timbre, das eine Bauersfrau aufs Schloss ziehen lässt. Im Frühjahr kommt die Selektion von 70-jährigen Reben auf den Markt, der kraftvolle 2015er Spätburgunder Jaspis Alte Reben. Ein famoser Wein, und es gibt ihn als Weltpremiere zur Gala.

Sekterzeuger des Jahres

Gerlinde und Frank John aus Königsbach in der Pfalz, johnwein.de

Seit 2003 erzeugen Gerlinde und Frank John im schmuck renovierten, 400 Jahre alten Renaissancegebäude des Hirschhorner Hofs in Königsbach große Weine alter Schule. Biologisch-dynamisch im Anbau und traditionell in der Verarbeitung der Trauben sowie im Ausbau der Rieslinge und Spätburgunder (Pinot noir) mit langer Reifezeit im Holzfass, steht der Name John für klare, mineralisch grundierte Spitzenweine, die Intensität und Komplexität mit Kraft und mineralischem Spiel vereinen. Im Kreuzgewölbekeller reifen aber auch traditionell erzeugte Sekte heran, die sogar in Pariser Sternerestaurants serviert werden. Es sind allesamt noch immer sehr preiswerte Jahrgangsrieslinge, die sich vor allem durch die Dauer des Flaschenhefelagers unterscheiden: 32, 41 oder 50 Monate. In einigen Monaten kommt die Prestige-Cuvée Brut 100 auf den Markt, die mehr als acht Jahre auf der Hefe gereift sein wird, zum Beispiel der 2015er Riesling Brut Nature. Johns Schaumweine benötigen keine Süße, um die feinperlige Säure aufzuwiegen; sie sind durch den langsamen Ausbau balanciert genug und sind prickelnde Essensweine par excellence! Für die Gala auf Schloss Bensberg ließ es sich Frank John nicht nehmen, diese Woche exklusiv für unsere Gäste 20 Magnums des 2015er Riesling Brut 41 zu degorgieren – als Brut Nature, also ohne Zuckerdosage und ohne Schwefelgabe. Reiner kann auch kein Champagner sein.

Kabinett des Jahres

2018 Mittelrhein Riesling Bacharacher Wolfshöhle Kabinett trocken vom Weingut Dr. Kauer in Bacharach, weingut-dr-kauer.de, 10,20 Euro ab Hof

Sowohl die Wein-Gewichtsklasse Kabinett als auch das Weinbaugebiet Mittelrhein mit seinen zwischen Bingen, Bacharach und Bonn gelegenen Schiefersteillagen sind schützenswerte Kulturgüter. Den trockenen oder auch klassisch feinherben Kabinett schaffen die Winzer vielerorts jedoch ohne Not ab. Prädikate sollen nur noch süße Weine deklarieren, während Qualitätsweine ohne Prädikat heute nach Herkünften klassifiziert werden. Randolf Kauers subtiler, klarer, feingliedriger und stimulierend salziger Kabinett aus der Wolfshöhle zu Bacharach repräsentiert sowohl seine steile, steinige Herkunft vortrefflich wie auch den Typ Kabinett, der für leichtfüßige, raffinierte und animierende Weine steht, gerade auch in der Geschmacksrichtung trocken. Sie mögen unprätentiös, leise und unspektakulär sein, aber: Kein Fleck der Erde kann derart leichte und zugleich tiefgründige Rieslinge erzeugen wie die Steillagen an Rhein und Mosel. Kauers seit 1982 ökologisch erzeugter Kabinett aus der Wolfshöhle bleibt selbst in einem heißen Jahr wie 2018 noch ausgewogen, fein und kühl. Es wäre fatal, diese ohnehin vom Klimawandel bedrohte Gewichtsklasse vorzeitig und freiwillig aufzugeben!

„Schatzi“ des Jahres

2007 Mosel Riesling Trarbacher Hühnerberg Auslese vom Weingut Martin Müllen in Traben-Trarbach, muellen.de, 48 Euro ab Hof (0,375 l 25,50 Euro)

Große Rieslinge brauchen Zeit: trockene einige Jahre, die süßen Prädikate mögen zwar schon jung attraktiv fruchtig schmecken – faszinierend komplex aber sind auch sie erst nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten. Martin Müllen keltert seine zwischen Kröv und Trarbach in Steillagen gewachsenen Weine so, wie es schon sein Großvater tat: Mit der mechanischen Korbpresse, die sämtliche Trauben 20 Stunden lang presst und alle Inhaltsstoffe der Beerenschalen in den Most und damit auch den Wein einlagert. Danach bietet er sie zwar jung an, doch gemäß der Vorgabe, dass große Rieslinge Zeit brauchen, sperrt er, was er im ersten Jahr nicht verkauft hat, in einen seiner Felsstollen und holt es erst wieder in den Verkauf, wenn es seiner Meinung nach trinkreif ist. Dieses Jahr darunter: die 2007er Riesling Auslese aus dem Hühnerberg, einer steil über sieben Terrassen aufsteigenden Spitzenlage in einem Seitental der Mosel, die schon im 19. Jahrhundert klassifiziert wurde und jedes Jahr Weltklasse-Rieslinge wie diese Auslese hervorbringt – präzise, hochelegant und saftig, mit stimulierender Vitalität und Salzigkeit sowie roten und dunklen Beeren im Nachklang. Ein edler Süßwein, der aus hochreifen, aber kerngesunden Trauben gekeltert und im Fuder ausgebaut wurde und heute viele Desserts und Käsesorten begleitet, aber auch eine Meditation in Gang setzen kann.

Aufsteiger/ Komet des Jahres

Christoph Wolber & Alexander Götze vom Weingut Wasenhaus in Staufen, wasenhaus.de

Sie sind beide Quereinsteiger und haben bei der Elite der Côte d’Or in Burgund gelernt, etwa bei Leflaive, Comte des Armand, Bernhard van Berg und Pierre Morey. Der Staufener Christoph Wolber und der Brandenburger Alexander Götze, der noch immer als chef de culture den Außenbetrieb der Domaine de Montille in Volnay führt, lernten sich in einer Wohngemeinschaft in Meursault kennen, verstanden sich und beschlossen, das Erlernte daheim anzuwenden. Brandenburg schied als Burgund des Ostens aus, aber rund um Staufen im schönen Markgräflerland stehen auf den hier vorherrschenden Kalkböden Spätburgunder, Weißburgunder und Chardonnay. Und natürlich Gutedel. 2015 gründete sich das Duo und gab sich den Namen „Wasenhaus“. Die Etiketten der seit 2016 erzeugten Weine sind stilvoll und klar wie die Weine selbst: schlicht gemacht, wie große Burgunder, mit viel handwerklicher Technik, aber keinerlei önologischen Tricks: Handlese, Vergärung mit Naturhefen, Reifung über zwei Winter im Holz, die letzten Monate zur Präzisierung im Edelstahl; Füllung ohne Pumpen, Schönung und Filtration und mit nur mäßiger Schwefelgabe. Das Resultat: Die als Badischer Landwein deklarierten Naturweine sind pur, frisch und spannungsreich, dabei subtil und komplex – und stets ausverkauft, vor allem ins Ausland und in Sternerestaurants. Tipp: Sofort nach Resten der 2017er fahnden!

Ein Abend mit Lieblingen

Die besondere Klasse der Preisträger persönlich zu erleben, dazu haben die Gäste unserer alljährlichen "Liebling"-Gala Gelegenheit, die am 1. Februar 2020 im Grandhotel Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach bei Köln stattfindet. Die Veranstaltung ist allerdings bereits ausverkauft.

An diesem Abend kochen fünf Meister des Herdes – Torsten Michel, Heiko Nieder, Jan-Philipp Berner, Dennis Quetsch und Song Lee – ein gemeinsames Fünf-Gänge-Menü; dazu werden ausgezeichnete Weine von den prämierten Gütern verkostet, darunter ein exklusiver Magnum-Sekt und eine Rotwein-Premiere.

Durch den Abend führen die Juroren Jürgen Dollase (u.a. Autor der Gastro-Kolumne „Hier spricht der Gast“ bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und Blogger bei www.eat-drink-think.de) und Stephan Reinhardt, seit Frühjahr „Reiner Wein“- Kolumnist der F.A.S., der ansonsten als Kritiker für den Dienst „Robert Parker Wine Advocate“ arbeitet und die viel zitierten „Parker-Punkte“ für Deutschland, Österreich, die Schweiz, das Elsass und das Loiretal vergibt.

Infos: Der Preis pro Person beträgt 315 für Menü und Getränke. Beginn der Veranstaltung ist 18 Uhr. Teilnehmende Gäste haben die Möglichkeit, zu speziellen Konditionen im Althoff Grandhotel Schloss Bensberg zu übernachten; Infos bei info@schlossbensberg.com oder unter 0 22 04 / 4 29 06.

Quelle: F.A.S.
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