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Ernährungsreport 2019

Salat predigen – Braten essen

Von Julia Löhr, Berlin
 - 20:57

Als Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch den „Ernährungsreport 2019“ vorstellte, da musste sie an einer Stelle schmunzeln. „Wenn ich in Berlin bin, gucke ich, was ich kriege“, sagte sie auf die Frage, was sie selbst denn so kauft und isst. Zum Kochen bleibt im Arbeitsalltag wenig Zeit, da geht es Klöckner nicht anders als dem Rest der Bevölkerung. Das Fazit der diesjährigen Umfrage ihres Hauses zu den Einkaufs- und Essgewohnheiten der Deutschen lautet denn auch: Essen muss schmecken, und es muss schnell gehen.

Wie schon die Zahlenwerke der vergangenen Jahre offenbart auch der neue Ernährungsreport: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft beim Thema Essen weiter eine große Lücke. Zwar sagen 91 Prozent der rund 1000 Befragten, dass ihr Essen gesund sein soll. Als persönliches Leibgericht gibt aber nur jeder Zehnte Salat- und Gemüsegerichte an. Die häufigsten Nennungen lauten dagegen: Braten, Schnitzel, Gulasch, Spaghetti Bolognese und Lasagne.

Auch wenn in den Supermärkten fleischlose Produkte mittlerweile oft ganze Regalreihen füllen: Offenbar handelt es sich dabei eher um ein Nischenphänomen. Gemäß der Umfrage – laut Forsa ist sie repräsentativ – leben nur ein Prozent der Deutschen vegan, verzichten also auf alle Produkte tierischen Ursprungs. Vegetarier sind nur sechs Prozent. Auch unter den Jüngeren sei die Fleischneigung keineswegs geringer als unter den Älteren, betonte Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner, „sondern eher noch höher“. Deutliche Unterschiede gibt es zwischen Ost und West: Während in Westdeutschland nur 26 Prozent der Bürger von sich sagen, dass sie täglich Fleisch und Wurst essen, sind es in Ostdeutschland 43 Prozent.

„Die Nachfrage nach Fertiggerichten hat zugenommen“

Die Zahl derer, die täglich kochen, ist nach Angaben der Marktforscher über die Jahre in etwa gleich geblieben, derzeit liegt sie bei 40 Prozent. Offen ist allerdings, was genau die Befragten unter dem Begriff Kochen verstehen – ob sie zum Beispiel selbst eine Hühnersuppe ansetzen und stundenlang köcheln lassen oder ob sie nur ein Fertigprodukt aus der Dose verfeinern. Für Klöckner steht fest: „Die Nachfrage nach Fertiggerichten hat zugenommen.“ Deshalb verteidigte sie am Mittwoch auch ihre Strategie, Lebensmittelhersteller zu einer Selbstverpflichtung zu bewegen, damit sie weniger Zucker, Salz und Fett in ihre Produkte packen.

Ebenfalls auf freiwilliger Basis soll demnächst ein staatliches Tierwohllabel kommen – ein Vorhaben, das sich schon seit Jahren hinschleppt. Anders als bei den Tiersiegeln, die die meisten Supermarktketten mittlerweile auf ihre Frischfleischverpackungen drucken, soll beim staatlichen Label die erste Stufe schon deutlich über den gesetzlichen Mindeststandards liegen. Auch soll es nicht nur die Haltung, sondern das ganze Leben eines Tieres inklusive Aufzucht, Transport und Schlachtung betrachten. Die ersten so gekennzeichneten Produkte sollen 2020 in den Handel kommen.

Hilfreich könnte sein, dass die Menschen beim Einkaufen nach eigener Aussage nicht mehr so sehr auf den Preis achten wie früher. War dieser laut dem vergangenen Ernährungsreport noch für 36 Prozent der Befragten ausschlaggebend, sind es jetzt nur noch 32 Prozent. Die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie für ein tierfreundlich produziertes Kilogramm Fleisch bis zu fünf Euro mehr ausgeben würde als für herkömmliches. Marktforscher Güllner sieht solche Äußerungen allerdings mit Vorsicht: „Es wird gesagt, aber nicht getan.“

„Wir werden den Bürgern nicht vorschreiben, was sie zu essen haben“, machte Klöckner noch einmal deutlich. Dass sie weiter auf ein freiwilliges Umdenken von Handel und Verbrauchern setzt, stößt an anderer Stelle auf Kritik. „Eine freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie, den Zucker zu reduzieren, ist zum Scheitern verurteilt“, monierte die Verbraucherorganisation Foodwatch. Auch Renate Künast, frühere Landwirtschaftsministerin von den Grünen, forderte verpflichtende Reduktionsziele und eine plakative Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Ampelfarben, wie es etwa Frankreich mit seinem „Nutriscore“ macht.

Klöckner dagegen will sich als Nächstes dem Thema Lebensmittelabfall widmen, jenen 55 Kilogramm Essen, die jeder Deutsche statistisch im Jahr wegwirft. Eine kürzlich von der GfK durchgeführte Studie darüber, was genau im Müll landet, sagt auch viel über die Essgewohnheiten der Deutschen aus. Der mit 34 Prozent mit Abstand größte Anteil der Lebensmittelabfälle entfällt auf: Obst und Gemüse.

Quelle: F.A.Z.
Julia Löhr
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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