FAZ plus ArtikelDeutscher Riesling

Der deutsche Champ holt auf

Von Gerald Franz
10.04.2021
, 14:18
Trinken statt spekulieren: Warum der deutsche Riesling heute besser ist als vor hundert Jahren – und trotzdem relativ preisgünstig.

Eine Flasche Romanée-Conti – oder einen „Cabinet“ von Schloss Vollrads oder Johannisberg, wie würden Sie entscheiden? Würden Sie einen der heute weltweit rarsten und teuersten Weine aus Burgund probieren wollen – oder einen hochwertigen Riesling aus dem Rheingau? Bei allem Respekt für die beiden deutschen Traditionsweingüter: Vermutlich fiele Ihre Wahl auf den Burgunder. Denn wer würde nicht gern mal einen Wein probieren wollen, bei dem für eine Flasche vier- bis fünfstellige Beträge fällig werden? Ein „Großes Gewächs“ der beiden Rheingau-Weingüter aus dem aktuellen Jahrgang kriegt man dagegen bereits für 30 bis 40 Euro.

Vor 80 Jahren sah die Sache offensichtlich anders aus. Die ausführliche Weinkarte im Restaurant des New Yorker Ritz-Carlton zum Beispiel bepreiste eine Flasche Romanée-Conti mit acht Dollar. Und die Rheingauer „Cabinets“, also die besten Weine der beiden Domänen, mit 8,50 Dollar. Der Blick in die Weinauswahl des berühmten Hotels zeigt noch anderes. Nicht nur war das Kapitel „Rhine & Moselle Wines“ eines der ersten der Weinkarte. Sondern man ging auch selbstverständlich davon aus, dass jeder Gast in Midtown etwas mit diesen Begriffen anfangen konnte.

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Quelle: F.A.S.
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