Sie ziehen Flasche um Flasche aus dem Modder

Von DANIEL DECKERS, Fotos MICHAEL BRAUNSCHÄDEL

26. Juli 2021 · Nach der Flut müssen die Winzer an der Ahr nicht nur Schutt aufräumen und Tote betrauern. Sondern auch ihren Wein retten.

Strahlend schön steht die Sonne über den sattgrünen Rebhängen, die den Lauf der Ahr fast bis zu ihrer Mündung in den Rhein säumen. Doch auf dem Rotweinwanderweg, der die jahrhundertealten Weinorte links der Ahr miteinander verbindet, sind keine Touristen zu sehen. Stattdessen ist der spektakuläre Blick hinab in die Dörfer wie das schmucke Dernau oder Marienthal mit seiner alten Klosterruine merkwürdig getrübt. In den rheinischen Dunst hat sich ein feiner brauner Staub gemischt. Wie eine Glocke liegt er über einem Tal, in dem so gut wie nichts mehr so ist, wie es die Millionen kennen, die es Jahr für Jahr des Weins wegen an die Ahr zieht. 

Wo im vergangenen Jahr um diese Zeit die Reben in den steinigen Hängen unter Trockenstress litten, standen sie nach den gewaltigen Niederschlägen der vergangenen Wochen so sehr im Saft, dass die Winzer mit den Laubarbeiten kaum nachkamen. Heute ist manch einer froh, dass er überhaupt noch am Leben ist. Mit der Wucht eines Tsunamis hat der gemächlich dahin mäandernde Fluss binnen weniger Stunden Häuser, Brücken und Straßen mit sich gerissen, die seit Jahrhunderten noch jedem Hochwasser standgehalten hatten. Auch die Menschen, deren Familien seit Generationen vom Wein und mit dem Wasser leben, wussten nicht, wie ihnen geschah.

26.07.2021
Quelle: F.A.Z.
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