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Weingut Andreas Laible

Der Sonnenkönig hat abgedankt

Von Jakob Strobel Y Serra
 - 22:24
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Eine kleine Quizfrage: Wie lang ist die Badische Weinstraße, fünfzig, hundert oder 570 Kilometer? Man mag es kaum glauben, aber sie ist tatsächlich so lang wie die Strecke von Frankfurt nach Turin, übertrifft damit die Mutter aller deutschen Weinstraßen in der Pfalz um nahezu das Siebenfache und kann sich des Titels der längsten aller Weinstraßen in Deutschland rühmen. Schuld daran ist die verstreute Topographie der badischen Anbaugebiete zwischen Bergstraße und Bodensee, Kraichgau und Kaiserstuhl, Murg und Markgräflerland, durch die sich Badens Weinstraße wie ein Ariadnefaden schlängelt.

Noch eine Quizfrage: Wo genau in diesem Flickenteppich liegt die Ortenau, Heimat des legendären Landvogts Otto von Ochsenstein? Um es kurz zu machen: ziemlich genau in der Mitte, denn sie umfasst die Quertäler des Rheins zwischen Baden-Baden und Lahr, die sich tief in die Flanken des Schwarzwalds bohren und dabei beste Steillagen für den badischen Wein schaffen. Und eine dritte Quizfrage: Was wäre die Ortenau ohne die Familie Laible? Das wollen wir lieber gar nicht wissen.

Seit 1672 betreiben die Laibles, die seit fünf Generationen Andreas mit Vornamen heißen, Weinbau in der Durbacher Spitzenlage Am Bühl, wahrscheinlich sogar noch viel länger, doch darüber gibt es seit den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges keine genaue Erkenntnis mehr. Allerdings wurde erst der Vater des aktuellen Andreas Vollerwerbswinzer und nebenbei zum Ortenauer Qualitätspionier, der sich von der genossenschaftlich organisierten Selbstgenügsamkeit des Durbachtals nicht anstecken ließ, sondern das Familiengut gemeinsam mit seinem Sohn 2001 in den Verband der Deutschen Prädikatsweingüter führte. Seit sechs Jahren verantwortet der fünfte Andreas die Geschäfte allein, und auch er hat dem Ruf der Ortenau seither nicht gerade geschadet.

Nichts anderes als Winzer wollte Andreas Laible schon immer werden. So groß war seine Ungeduld, dass er sich ein Studium in Geisenheim sparte, stattdessen eine Lehre als Weinbautechniker in Weinsberg absolvierte, gleich danach zu Hause mit anpackte und alles daransetzte, seine Rebfläche um die besten Weinberge des Tals zu arrondieren. Inzwischen bewirtschaftet er knapp acht Hektar in den Großen Lagen Am Bühl und Stollenberg, lässt gerade mit dem Hespengrund seinen dritten Wingert als Große Lage klassifizieren, baut zum größten Teil Rieslinge und Burgunder an und daneben aus Experimentierlust auch Muskateller, Scheurebe, Traminer und Sauvignon Blanc, keltert fünfzigtausend Flaschen im Jahr und gewinnt mit ihnen Preise im Akkord. Ehrenurkunden der Deutschen Landwirtschaftskammer, Goldmedaillen des Concours des Grands Vins Blancs du Monde, Auszeichnungen aller bedeutenden Weinführer schmücken in Petersburger Hängung die Wände seiner kleinen unprätentiösen Probierstube – aber nicht nur sie: Eine ganze Wand ist Kinderzeichnungen vorbehalten, die der Nachwuchs seiner Kunden während der elterlichen Weinproben angefertigt hat.

Die Ortenau ist die Kältekammer des badischen Weinsonnenlandes, und Andreas Laible trägt dieser klimatischen Kapriole mit Weinen Rechnung, deren Glaubensbekenntnis Eleganz statt Opulenz und Finesse statt Wuchtigkeit ist. Er mag keine alkoholseligen Bonbonnieren, gesteht seinen Rieslingen meist nur zwölf und seinen Burgundern nie mehr als dreizehn Prozent Alkohol zu, baut sämtliche Rieslinge einschließlich der Großen Gewächse im Stahltank aus, lässt sie dort allerdings ein halbes Jahr auf der Hefe liegen, um ihnen Tiefe und Geschmeidigkeit zu geben, und legt die Burgunder am liebsten ins Stückfass, damit das Holz keine Hauptrolle übernimmt. Seine Böden aus Gneis, Porphyr und verwittertem Granit geben den Weinen eine feine Mineralität mit auf den Lebensweg, und die Steillagen mit vierzig bis achtzig Prozent Neigung sorgen zwangsläufig für die Qualitätsgarantie einer Ertragsreduzierung auf maximal sechzig Hektoliter pro Hektar.

Badische Weine mit Leib und Seele

Badische Weine mit Leib und Seele – oder besser „Laible und Seele“, wie das selbstironische Weingutsmotto lautet – bleiben seine Gewächse trotz allem aber immer. Der Chardonnay aus Erster Lage ist eine weiche, runde Frohnatur voller Lebenslust, aber kein ungelenker Wonneproppen, sondern der ideale Tanzpartner im Glas; der Grauburgunder aus derselben Kategorie ein filigranes Gewächs ohne jede Spur von Bombast, das von seinem straffen Säuregerüst ohne Korsettzwang in Form gehalten wird. Auch der Klingelberger Riesling ist unverkennbar ein Badener, so geschmeidig wie ein Legato, so frei von Spitzen und Kanten wie der Zungenschlag der Badener. Das Große Riesling-Gewächs vom Bühl hingegen bleibt im ersten Moment ein wenig verschlossen, so wie das gar nicht die Art der Badener ist, öffnet sich dann aber umso imposanter wie eine Wundertüte voller gelber Früchte und frischer Kräuter, voll konzentrierter Kraft und schlanker Eleganz – wäre dieser Wein ein Leichtathlet, liefe er die vierhundert Meter. Das Große Grauburgunder-Gewächs vom Bühl wiederum ist kein Sonnenkönig, zu dem er sich spielend krönen könnte, ist kein bisschen fett, satt, breit und bräsig, sondern ein Primoballerino, der das Zusammenspiel von Intensität und Leichtigkeit perfekt beherrscht.

In fast allen Weinbauregionen der Welt wären die Gewächse eines so kleinen Guts mit einem so exklusiven Sortiment eine kostspielige Caprice. Bei Andreas Laible hingegen kostet der Gutsriesling einen Zehner, während die Großen Gewächse zum sehr übersichtlichen Einheitspreis von 24 Euro zu Buche schlagen. Drei Viertel der Weine werden ab Hof verkauft, der Rest geht zum größten Teil in die Sternegastronomie und zu einem sehr kleinen in den Handel und den Export. Wichtiger als irgendwelche Importeure aus Japan oder Amerika seien ihm seine Stammkunden, von denen manche schon in der zweiten Generation zu ihm kämen, sagt Andreas Laible. Wenn sie zufrieden seien, sei er es auch, und sie unverrichteter Dinge wegzuschicken, weil er nichts mehr für sie habe, bringe er nicht übers Herz – was uns zur letzten Quizfrage bringt: Gibt es ein Weinland, in dem es Weinliebhabern besser geht als in Deutschland? Die Antwort lautet: nein.

Weingut Andreas Laible, Am Bühl 6, 77770 Durbach, Telefon: 0781/41238, www.andreas-laible.com.

Quelle: F.A.Z.
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