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Nachhaltiges Aufbewahren

Bienenwachs hält die Gurke frisch

Von Martina Propson-Hauck
 - 08:03
Omar Rock, Lotte Schöpf und Sabrina Kratz (von links) haben ein Verfahren zur Herstellung von Bienenwachstüchern entwickelt.

In eckigen Metallbottichen mit Deckeln, wie sie Hotels am Buffet gern für Suppen und Saucen verwenden, lagern hier Bienenwachs, Kokosfett und Fichtenharz in dicken Brocken. Nebendran sind die Zutaten geschmolzen, ihr Duft zieht durch den Raum. Wie sie gemischt werden, ist allerdings Betriebsgeheimnis, genau wie die eigens zur Beschichtung entwickelten Maschinen, die wegen der Besucher mit weißen Tüchern abgedeckt sind. Eine Frau schneidet Stoffe mit rot-weißen Streifen zu, eine andere verpackt fertig gewachste Exemplare in verschiedenen Größen als Dreier- und Vierersets in flache braune Kartons, wie man sie von Wunderkerzen kennt. Seit dem Spätsommer produziert das Start-up Wildwax auf rund 300 Quadratmeter Fläche an der Ostparkstraße in Frankfurt plastikfreie Lebensmitteltücher in großem Stil. Schon seit zwei Jahren ist das Unternehmen professionell aus der Küche von Gründerin Sabrina Kratz herausgewachsen.

Die Idee, Lebensmittel mit Hilfe von in Bienenwachs getränkten Stofftüchern zu konservieren, ist nicht ganz neu. „Meine Oma hat das schon so gemacht“, erzählt Kratz. Das Propolis im Wachs wirkt antibakteriell, die Tücher sind abwaschbar und atmungsaktiv. Man kann damit Käse oder eine halbe Gurke einwickeln, Essensreste im Kühlschrank abdecken oder ein ganzes Picknick mit zum Strand nehmen – ohne dafür Plastik- oder Alufolie oder die beliebten Tupperdosen zu verwenden. Das hat die vierfache Mutter im eigenen Haushalt so praktiziert. Opa und Onkel waren schon Imker, sie ist mit Bienen aufgewachsen. Als sie in der Schule ein paar der Tücher an andere begeisterte Mütter verkaufte, dachten Lotte Schöpf und Omar Rock sofort größer. Die Biologin und der Drucktechniker und Maschinenbauer wagten mit Kratz die Unternehmensgründung.

Ein Tuch hält bis zu zwei Jahre

Aus dem Küchenwissen der Großmutter ist mittlerweile ein Unternehmen mit fünf Festangestellten und zehn Aushilfskräften geworden, sie verkaufen rund 50.000 Tücher im Jahr auf Messen, in 200 Reformhäusern und Bioläden sowie über den Online-Handel. Die Tücher gibt es in verschiedenen Größen, Farben und Mustern, gestreift, mit Sternen oder einem Ombré-Farbverlauf. Das größte reicht aus, um ein ganzes Kuchenblech abzudecken. Bis zu zwei Jahre lang könne man so ein Tuch verwenden, abgewaschen wird es nur mit kaltem Wasser, dem man je nach Bedarf auch einen Spritzer alkoholarmes Spülmittel zufügen kann. Das Wachs macht den Stoff so steif, dass man ihn auch zu Tüten und Schalen falten kann, Sabrina Kratz macht es fingerfertig vor, entsprechende Anleitungen gibt es auch auf der Internetseite des Trios.

Die drei legen viel Wert darauf, dass jedes Detail der Produktionskette stimmt: Die Stoffe sind aus zertifizierter Biobaumwolle, gewebt in Deutschland, das Wachs stammt aus artgerechter Imkerei, das Fichtenharz aus nachhaltigem Abbau in Frankreich, das Kokosfett aus zertifiziertem Anbau kleiner Bauern. Die Verpackung aus recyceltem Karton und Pergamin wird vom Frankfurter Verein gefaltet und beklebt.

„Nicht made in China“

Beim Umgang mit den Mitarbeitern hört das Engagement der drei Jungunternehmer für eine bessere Welt nicht auf: Arbeits- und Urlaubszeiten kann jeder frei festlegen, das Team kocht und isst gemeinsam, die Kinder werden nach Bedarf selbstverständlich mitgebracht zur Arbeit und abwechselnd betreut. „Wenn wir alle brauchen, wie vor Weihnachten, stehen auch alle auf der Matte“, erläutert Omar Rock. Zudem müsse jeder jeden Produktionsschritt beherrschen, damit das Unternehmen auch funktioniert, wenn einer ausfällt.

Die Preise der Tücher liegen je nach Größe zwischen sechs und 25 Euro, ein Dreierset mit verschiedenen Größen ist für 26,50 Euro zu haben. Die haltbaren Tücher können zwischendurch im Backofen bei 60 Grad aufgefrischt werden. Konkurrenz gibt es bereits einige am Markt, auch günstigere, sowie zahlreiche Do-it-yourself-Tipps für Wachstücher im Internet. „Aber nur Demeter-Wachs enthält Propolis, das ist viermal so teuer wie anderes, außerdem arbeiten wir nur mit Unternehmen zusammen, die nachhaltig bis zum Ende denken, da schauen wir sehr genau hin“, sagt Kratz. „Alles ist tierversuchsfrei und nicht made in China.“

Neben dem Vertrieb der eigenen Produkte bietet Wildwax seit November unter dem Postulat „Plastic is over“ auch Alternativen zu Plastik von anderen Unternehmen an: Emailleschüsseln eines Frauenbetriebs in der Türkei oder pflegende Lippenstifte in Glasdöschen mit Holzdeckel, der die in Beerenfarben leuchtenden Cremes innen statt mit Plastik mit Kork schützt. Die Borsten der angebotenen Haarbürsten sind nicht vom Wildschwein, sondern aus Sisal.

Der Markt plastikfreier Produkte boomt. Die drei Gründer können von ihren Gewinnen leben und ihren Mitarbeitern ordentliche Gehälter zahlen. Doch die hier beschäftigten Frauen schätzen es mindestens ebenso sehr, dass sie stressfrei zur Arbeit gehen können, wenn die Kita geschlossen ist oder das Kind morgens mal länger braucht.

Quelle: F.A.Z.
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