„Riding Dinner“ in Wien

Eine Kutschfahrt mit Geschmack

Von Doris Neubauer
15.05.2021
, 12:34
Wien bei einer Kutschfahrt entdecken und während der Fahrt die kulinarischen Highlights der Stadt genießen – das ist das Konzept des „Riding Dinners“. Das Ganze funktioniert dank einer eigens ausgetüftelten Tischkonstruktion.

Brötchen vom Restaurant „Zum Schwarzen Kamel“, ein Original Wiener Schnitzel aus „Bitzinger's Augustinerkeller“ und ein Apfelstrudel aus dem „Cafe Landmann“ – kulinarische Schmankerl gehören zu einem Sightseeing durch Wien wie die Fiaker-Kutschen. Warum nicht beides verbinden? Das dachten sich die beiden Wiener Marco Pollandt und Raimund Novotny, die sich bei der Arbeit in einem Luxushotel kennenlernten. Nach mehr als einem Jahr Vorbereitungszeit startete das nach Angaben der Gründer „weltweit einzigartige Tourismusprodukt“ 2016 in Wien sowie 2017 in Salzburg.

Beim „Riding Dinner“ bekommen Gäste während ihrer Fiaker-Fahrt österreichische Köstlichkeiten serviert. Aussteigen müssen sie dafür nicht. Ein persönlicher Butler holt die Speisen auf Zwischenstopps bei ausgewählten Restaurant-Partnern ab; gegessen wird während der Fahrt. Dass das auf den Pflastersteinen der Wiener Innenstadt ohne Verschütten möglich ist, dafür sorgt ein eigens ausgetüftelter klappbarer Tisch mit Gläserhalterungen, der in die Fiaker eingebaut wird.

15 solcher Kutschen gibt es bereits in Wien, in Salzburg sei bisher erst eine Kutsche zum Restaurant umgebaut, sagt Raimund Novotony. „Bei Bedarf können wir aber sicher auf fünf bis sechs weitere aufstocken.“

Viel Solidarität mit den Fiakern in Corona-Zeiten

Das Angebot besteht dank der offenen Kutschen, die mit maximal vier Gästen besetzt werden, selbst in Zeiten der Pandemie. „Wir hatte bei Riding Dinner immer schon 50 Prozent einheimische Gäste“, erzählt Marco Pollandt. „Das hilft aktuell wahnsinnig, weil ja keine Touristen da sind.“ Insbesondere „Fiaker Paul“, der alle Kutschen in Wien zu Verfügung stellt, könne so Einnahmen generieren und seine Pferde füttern. Zusätzlich haben die Unternehmer eine Futter-Spendenhotline eingerichtet und Futterboxen am Michaelerplatz und Stephansplatz aufgestellt. „Jeder Fiaker kann selbst entnehmen, was er braucht“, sagt Pollandt, der wie Novotny inzwischen selbst eine Kutscher-Ausbildung gemacht hat. „Vor zwei Wochen haben wir etwa von der Haidenbrauerei und dem Metro im Burgenland fast 700 Kilogramm Gemüse für die Pferde geholt. Es ist toll zu sehen, wie viel Solidarität da ist.“

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Donnerstags um 12.00 Uhr

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Gemeinsam mit „Fiaker Paul“ bietet Riding Dinner zudem Stallführungen an, um gängige Vorurteile der Tierquälerei abzubauen. An Ideen mangelt es Marco Pollandt und Raimund Novotny nicht. Sie wollen mit „365days“ in Wien Erlebnisse fernab vom touristischen Mainstream anbieten. „Außerdem sind wir bemüht, die Riding Dinner noch größer aufzubauen und besser zu machen“, meint Pollandt. So basteln die Beiden aktuell etwa an einer Vereinfachung der Tischkonstruktion. Eines steht fest: „Der Schritt weg von den Pferden ist nicht geplant. Im Gegenteil.“

Quelle: FAZ.NET
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