Rumänische Küche

Wie ein Kochbuch das Reisen ersetzen kann

Von Maria Wiesner
08.04.2021
, 15:36
Wenn man keine Reisen planen kann, dient die Küche als Alltagsflucht. Das Kochbuch „Carpatia“ entführt mit schnellen und einfachen Rezepten nach Rumänien.

In „normalen Jahren“ wäre jetzt die Zeit, in der die Sommerreisen gebucht und geplant würden. Da aber seit einem Jahr nichts mehr so richtig normal ist, fällt auch das Planen schwer. Wie verschafft man sich da die Möglichkeit zur Alltagsflucht?

Man kann entweder die Fotos jener Abenteuer hervorholen, die man so erlebt hat, man kann sich in ein gutes Buch flüchten – oder man vereint beide Dinge in der Küche. Dabei helfen Kochbücher wie „Carpatia – eine kulinarische Reise durch Rumänien“ von Irina Georgescu.

Georgescu ist in Bukarest geboren und aufgewachsen, lebt mittlerweile aber in Großbritannien und gibt dort Kochunterricht. Das merkt man ihren Rezepten an. Auf einfache Weise erklärt sie, wie man die kulinarischen Schätze aus ihrer Heimat nachgekochen kann. Wer schon einmal in Osteuropa unterwegs war, weiß, dass die Küche dort zahlreiche Varianten von Eingelegtem bereit hält, die gern in kleinen Schüsselchen zum Essen serviert werden, ähnlich wie türkische Mezze oder italienische Antipasti – was sie für all jene attraktiv macht, die im Homeoffice am Mittag etwas schnelles, leichtes und gesundes essen wollen. Georgescu stellt hier den Krautsalat vor, sowie Salata de vinete (Auberginenkaviar mit roten Zwiebeln und Fenchelsamen) oder Ardei copti, einen Salat aus Röstpaprika mit Knoblaubvinaigrette.

Rezept für Auberginenkaviar

Schnell lässt sich der Salata de vinete zubereiten. Dafür benötigt man vier feste, reife Auberginen, 60 ml Olivenöl, zwei mittelgroße, rote Zwiebeln, einen Teelöffel Fenchelsamen und einen Esslöffel Balsamico-Essig. Die Auberginen röstet man in einer Pfanne bei hoher Temperatur, bis sie weich sind. Lässt sie abtropfen, bestreut sie dann mit Salz und schabt das Fruchtfleisch heraus. Es wird grob gehackt in eine Schüssel gegeben. Dazu unter Rühren das Öl gießen, die gewürfelte Zwiebel, Essig und Salz hinzufügen und vermengen. Am Ende mit den Fenchelsamen bestreuen und auf Brot genießen.

Auch für Vegetarier geeignet

Rezepte wie dieses dienen auch dazu, mit einem weitläufigen Vorurteil aufzuräumen: Man kann in Rumänien gut unterwegs sein, wenn man sich vegetarisch ernährt. Auch wenn Fleisch natürlich noch immer als Zeichen der besonderen Gastfreundschaft gern serviert wird. Da das Kochbuch jedem Kapitel (Vorspeisen, Hauptgerichte, Dessert, Eingelegtes) eine kleine Einführung mit Bildern von Rumäniens bäuerlichen Bergen mit Schafherden, den sanften grünen Hügeln und den Großstädten mit Streetfood-Ständen vorausschickt, kommen beim Blättern auch die Reiseerinnerungen zurück. In unserem Fall an einen Nachmittag in einem von Weinlaubüberwucherten Garten, in dem wir die Gastgeberin davon abhalten mussten, extra für die Gäste ein Schwein oder Huhn zu schlachten (es gab dann das Nationalgericht: mit Hackfleisch gefüllte, geschmorte Paprikaschoten und allerlei gebratenes Gemüse).

Georgescu kennzeichnet zwar kein Gericht explizit als vegetarisch, doch wird man als aufmerksame Leserin schnell fündig. Der Pilaw mit getrockneten Pflaumen, die rumänische Variante eines Risottos, gehört mittlerweile regelmäßig auf unseren Tisch. Es lässt sich innerhalb von gut 25 Minuten kochen – und der dazu karamellisierte Lauch hat uns gelehrt, dass solche Raffinessen gar nicht so schwer zuzubereiten sind, wie immer vermutet.

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Neben solchen Klassikern der rumänischen Küche gibt Georgescu ausführlich Auskunft, welche Rolle die Jahreszeiten in der Tradition der rumänischen Küche spielen. Im Sommer, so erfährt man hier, orientiert man sich eher an der türkisch-griechischen Art, im Winter kommen vermehrt die reichhaltigen slawischen Gerichte und solche aus dem deutschsprachigen Raum auf den Tisch. Und da Haltbarmachen und Einwecken auch hier lange Tradition haben, hat die Köchin dem ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem man erfährt, wie Pflaumen geräuchert, Quitten zu Kompott eingelegt und Kirschen zu Likör gemacht werden können. Wer die osteuropäische Küche liebt und sie im Lockdown schmerzlich vermisst, kann sie hier auf einfache Art nachkochen. Das ist immerhin ein kleiner Ersatz für den Reiseverzicht.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wiesner, Maria
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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