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Das Weingut Kruger-Rumpf

Lieber Bauhaus als Barock im Glas

Von Jakob Strobel y Serra
 - 12:57

Die Karriere des Weinbauern Georg Rumpf begann im arbeitsrechtlich und entwicklungspsychologisch bedenklichen Alter von sechs Jahren. An der Schwelle vom Kindergarten zur Grundschule hing der kleine Georg, der schon damals weder Astronaut noch Lokomotivführer werden wollte, seinem Vater Stefan klettengleich am Rockzipfel, wenn dieser hinunter in den Keller zum Wein ging.

Das Kind kletterte auf Fässer, entrappte Lesegut, überwachte die Gärung und half seinem Vater auch sonst nach Kräften, der sich gerade anschickte, aus dem kleinen Fassweingut seiner Familie einen großen Qualitätsbetrieb zu machen. Heute kann man ohne Einschränkung sagen, dass Georg Rumpf seine Kellerkindheit nicht geschadet hat. Inzwischen führt er ein Haus, das mit fünfundvierzig Hektar Rebfläche und einer Jahresproduktion von 300.000 Flaschen nicht nur das größte Weingut an der Nahe, sondern dank seiner charakterstarken Rieslinge und Burgunder auch eines der besten dort ist.

Die Geschichte des Hauses Kruger-Rumpf beginnt zwar schon im Jahr 1860, als Georg Rumpfs Ururgroßvater die Erbin der Winzerfamilie Kruger heiratete, doch Fahrt nahm sie erst mit Stefan Rumpf in den frühen achtziger Jahren auf.

Familie Rumpf scheut keine Arbeit

Er hatte Agrarwissenschaft studiert und ein halbes Jahr in Kalifornien gearbeitet – was damals für deutsche Winzer so üblich war wie eine Mondfahrt –, kam voller Ideen nach Hause zurück, riss den massenkompatiblen Müller-Thurgau heraus und pflanzte stattdessen Burgunder, baute seine Weine entgegen der herrschenden Mode nur noch trocken aus, zog ihnen ein starkes Rückgrat aus Säure ein und führte seinen Betrieb in der Rekordzeit von nur acht Jahren in den Verband der Deutschen Prädikatsweingüter.

Noch in diesem Jahr wird er die Leitung des Guts vollständig in die Hände seines Sohnes geben, die er sich seit 2008 mit ihm teilt. Und wenn man Vater und Sohn zusammensitzen sieht, hat man nicht den Eindruck, dass das Wort Generationenwechsel im Hause Kruger-Rumpf mit sonderlich viel Sprengstoff gefüllt ist.

Dabei wäre Konfliktpotential vorhanden, denn Georg Rumpf geht als Winzer nie den unkomplizierten Weg. Wann immer es in der Vergangenheit möglich war, kaufte oder pachtete er Steillagen von Kollegen, die keine Lust mehr auf die Schufterei im vertikalen Wingert hatten. So sind sechzehn Hektar steilster Weinberge an der unteren Nahe zusammengekommen, darunter die Großen Lagen Burgberg und Goldloch. Sie werden zwar mit moderner Technik bewirtschaftet, etwa Raupen, auf denen man rittlings sitzt und die sich an Seilwinden durch den Weinberg bewegen, machen aber immer noch viel Arbeit.

Weinherstellung nach Intuition

Bis zu sechshundert Stunden müsse er pro Hektar investieren, dreimal mehr als im Flachland, doch mit der „Sklavenarbeit“ in den Steillagen sei es jetzt zum Glück vorbei, sagt Georg Rumpf, dessen Lieblingsarbeitsplatz seit jeher der Traktor ist. Wenn er zwei Tage lang nicht auf seinem Trecker hocken dürfe, bekomme er Entzugserscheinungen, und wenn er sonntags verschwunden sei, könne seine Frau sicher sein, dass sie ihren Mann bei der motorisierten Arbeit im Weinberg finde.

Georg Rumpf ist ein unprätentiöser Instinktwinzer, kein kosmopolitischer Grandseigneur, der die Arbeit im Wingert und Keller anderen überlässt, ein Weinbauer im besten Wortsinne, der das Marketing an einen seiner Brüder delegiert und dem selbst Weinproben nicht so viel Spaß machen wie sein Traktor. Im Berg verlässt er sich lieber auf seine Intuition als auf Messwerte von Bodenanalysen, er fasst die Erde an, anstatt sie ins Labor zu schicken, und bei der Filtrierung folgt er nicht einem festen Zeitplan, sondern entscheidet von Fass zu Fass, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um an sein Ziel zu kommen.

Davon hat er klare Vorstellungen: Er wolle geradlinige Weine machen, die frisch und sauber seien, filigran und trotzdem ausdrucksstark, deren Frucht weder zum Kitsch noch zum Parfüm neige und die nicht mehr dem alten Glaubensbekenntnis „Je dicker, umso besser“ gehorchten. „Ich mag keine Freakshow-Weine, ich will Genuss im Glas“, sagt Georg Rumpf, der mit seiner Bodenständigkeit zweifellos in jeder Freakshow wie ein erdverwurzelter Exot wirken würde.

Genuss ist bei ihm unvermeidlich. Schon die einfachen Gutsweine wie der Grauburgunder oder der Chardonnay sind bestes Winzerhandwerk: blitzsaubere, fehlerlose Gewächse, mit denen man sofort Freundschaft schließt, weil man sie mit ebenso viel Freude wie wenig Reue trinken kann.

Ein Wein wie ein Wassily Chair

Beim Riesling Münster Pittersberg bekommt man es dann mit einem Kraftprotz voller Raucharomen zu tun, der satt nach Quitte schmeckt und von einer straffen, aber nicht tyrannischen Säure im Zaum gehalten, wird – eine schöne Kombination, ganz so, als hätten sich ein paar Kalamansi in die Flasche geschmuggelt.

So richtig los geht der Spaß bei den Ersten Lagen. Der Riesling Münster Kapellenberg ist glasklar, fast streng, aber nicht spröde, weil er sich dank dezenter Honignoten eine elegante Geschmeidigkeit bewahrt, ein Wein im reinsten Bauhausstil. Der Riesling von der Abtei hat zwar mehr schmeichelnden Schmelz, verliert dank seiner Säure aber ebenfalls nicht die Façon.

Auch bei den Großen Gewächsen bleibt sich Georg Rumpf stilistisch treu, wenngleich sie nicht zur absoluten Spitze in Deutschland gehören. Der Scharlachberg aus Rheinhessen am anderen Nahe-Ufer ist konzentriert minimalistisch und vollkommen schnörkellos, wieder Mies van der Rohe statt Balthasar Neumann im Glas, ebenso wie das Große Gewächs Dautenpflänzer, das sich jede Opulenz und Öligkeit, nicht aber Tiefe und Intensität verbietet.

Im Hause Kruger-Rumpf ist Egalitarismus erste Winzerpflicht. Der Gutsweintrinker kommt genauso auf seine Kosten wie der Liebhaber Großer Gewächse, und der Hofverkauf ist ein ebenso wichtiges Standbein wie der Export, in den jede dritte Flasche geht. Viele Hofkäufer kehren anschließend in der hauseigenen Weinstube ein, in der Georg Rumpfs Mutter eine weithin gerühmte Regionalküche serviert, mit Rehragout, Wachtelbrust oder Ibérico den Ruf der Landgasthöfe an der Nahe rettet und gern auch ihre Enkeltöchter verköstigt – jedenfalls solange sie noch Windeln tragen und für den Weinkeller zu klein sind.

Das Weingut Kruger-Rumpf: Rheinstraße 47, 55424 Münster-Sarmsheim, Telefon: 06721/43859, www.kruger-rumpf.de

Rheinstraße 47

55424 Münster-Sarmsheim

Telefon: 06721/43859

www.kruger-rumpf.de

Quelle: F.A.Z.
Jakob Strobel y Serra
stellvertretender Leiter des Feuilletons.
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