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Italienische Vogue

Die „Unerbittliche“ Franca Sozzani ist tot

Von Jennifer Wiebking
 - 19:45
Sie gehört nicht nur in Italien zu den Legenden der Mode. Oft sorgten ihre Aktionen für Diskussionsstoff. Bild: Helmut Fricke

An dem Film arbeiteten Mutter und Sohn jahrelang – sie, Franca Sozzani, Chefredakteurin der italienischen „Vogue“, und er, der Regisseur Francesco Carrozzini. Eine der ersten Fragen der Mutter lautete, wer denn in „Franca: Chaos and Creation“ ihre Rolle übernehmen werde. Als der Sohn antwortete, das könne niemand besser als sie selbst, war klar, dass dieses Projekt länger dauern würde. Es wurden sechs Jahre. Im September war Premiere in Venedig, auf dem Filmfestival. Das war der Anspruch.

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Es war gerade noch rechtzeitig. Franca Sozzani ist am Donnerstag im Alter von 66 Jahren in Mailand gestorben. Als Redakteurin und Geschmacksrichterin gehört sie nun zu den Legenden der Mode, schließlich arbeitete niemand intensiver am Erfolg des italienischen Stils als sie. 1950 in Mantua geboren, übernahm die Stylistin vor 28 Jahren die italienische „Vogue“ als Chefredakteurin.

Marken verdanken ihr den Erfolg

Sie wollte ein Magazin machen, das zwar auf Italienisch erscheint, aber mit seinen Bildern in aller Welt verstanden wird. So hob sie das große Potential der Mode ihres Landes. Der Erfolg von Armani, Versace oder Dolce & Gabbana ist auch ihrem Spürsinn und ihrer visuellen Experimentierfreude zu verdanken. Viele kleinere Marken mit nicht ganz so smarten Designern und Firmenchefs verstanden es nicht.

Ihre Methoden waren nicht immer subtil. So verhalf sie einem Radikal-Fotografen wie Steven Meisel zur Weltkarriere. Als die Ölplattform Deepwater Horizon 2010 im Golf von Mexiko explodierte, hob sie ungerührt eine Modestrecke mit dem Titel „Water & Oil“ ins Blatt. Je mehr Diskussion, umso besser. „Wenn ich es mir recht überlege, glaube ich, dass ich Instagram schon vor 25 Jahren erfunden habe“, sagte sie dieser Zeitung vor drei Jahren. Die oberflächliche Weltsicht der sozialen Medien hatte sie schon auf Papier gedruckt.

Die so zierliche und freundliche Frau nahm die Dinge nicht so hin, wie sie sind. Dafür hatte sie schließlich Philosophie und Literatur studiert. Von ihrem Mann, den sie früh geheiratet hatte, ließ sie sich nach nur drei Monaten scheiden. Als sie erkannte, dass die wirtschaftliche Lage und die mangelnde Förderung junger Designer die großen Schwierigkeiten waren, gründete sie ein Wirtschaftsförderungsprogramm für Nachwuchsdesigner, das Früchte trägt. „Sie war unerbittlich“, sagte ihr Sohn im August über den Film. Und so war sie auch im Leben.

Quelle: F.A.Z.
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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