Tragen, aber nicht anfassen

Der richtige Umgang mit „Community-Masken“

Von Karin Truscheit
Aktualisiert am 16.04.2020
 - 14:45
Mitarbeiterinnen der „Silke Wagler Couture“ nähen Masken in Leipzig.
„Besser als nichts“ – so kann die Einschätzung der Experten zu Alltagsmasken zusammengefasst werden. Doch worauf muss man beim Tragen achten? Und wie reinigt man seine geblümte „Community-Maske“?

Fühlte man sich vor zwei, drei Wochen noch als Aussätziger, wenn man mit Maske im Supermarkt einkaufen ging, empfiehlt nun die Bundeskanzlerin persönlich, in Bus und Bahn oder beim Bäcker doch besser eine Maske zu tragen. Masken der Güteklasse „FFP-2“ oder „FFP-3“, die aufgrund ihrer filtrierenden Eigenschaften die eigenen Viren zurückhalten und die anderer Menschen abhalten können, sind jedoch nach wie vor Mangelware. Sie sind daher dem medizinischen Personal vorbehalten.

Ähnliches gilt für den „medizinischen Mund-Nasen-Schutz“, also die klassische OP-Maske. Diese ist, wie der Name es sagt, eigentlich bei Operationen dazu gedacht, dass der Mediziner keine potentiell infektiösen Tröpfchen aus seiner Atemluft in offene Wunden überträgt. Er selbst ist kaum geschützt, dazu liegt die Maske nicht eng genug an, links und rechts kann beim Einatmen reichlich Luft samt Erreger auf die Schleimhäute gelangen.

Kein Medizinprodukt

Dem Bürger bleibt also für den Gang in den Baumarkt oder zur Käsetheke der Schal oder die „Community-Maske“, die „Alltagsmaske“, die man kaufen oder selbst nähen kann. Sie entspricht in der Regel nicht den einschlägigen Normverfahren und darf daher nicht als „Medizinprodukt“ oder „persönliche Schutzausrüstung“ bezeichnet werden. Eine Schutzwirkung ist somit laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nicht nachgewiesen: Der Träger kann sich nicht darauf verlassen, dass er oder andere vor einer Übertragung mit SARS-CoV-2 geschützt wird. Es werde lediglich „die Geschwindigkeit des Atemstroms oder Speichel-Schleim-Tröpfchenauswurfs“ reduziert.

Diese Masken stellten also eine „physische Barriere“ dar. Sie könnten allenfalls vor „größeren Tröpfchen“ und vor dem Kontakt der eigenen kontaminierten Hände mit der Mund-Nasen-Schleimhaut schützen. „Besser als nichts“ – so kann die Einschätzung des Bundesinstituts zusammengefasst werden.

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Doch auch für den Umgang mit den Behelfs-Masken gibt es laut Bundesinstitut Regeln: Sie sollen möglichst aus festem, engmaschigem Gewebe bestehen, je lockerer die Fasern, umso durchgängiger für Tröpfchen. Vor dem Anziehen gilt: Hände waschen! Die Maske sollte trotzdem nicht an der Innenseite angefasst werden, um diese nicht zu kontaminieren. Zudem ist es wichtig, dass die Maske Mund, Nase und Wangen bedeckt und an den Seiten eng anliegt, damit so wenig Luft wie möglich über die Seiten eindringt. Beim Ausziehen hingegen soll sie auch möglichst nicht an der Außenseite berührt werden, da sich dort Viren sammeln könnten.

So empfehlen Infektionsmediziner Ärzten und Pflegern in den Krankenhäusern, ihre Masken nicht bei jedem Essen oder jedem Kaffee auszuziehen und auf den Tisch zu legen, um eine Kontaminierung von Händen und Oberflächen mit Viren oder anderen Erregern möglichst zu vermeiden. Man sollte die Masken also eher seitlich an den Bändern bis unters Kinn herunterziehen und danach wieder genauso hochschieben. Selbstgenähte Masken, die links und rechts mit Gummischlaufen befestigt werden, sind leichter und „kontaktloser“ anzulegen und zwischendurch herunterzuziehen, als Masken, die am Hinterkopf gebunden werden müssen. Ist die Maske von der Atemluft durchfeuchtet, sollte sie sofort abgenommen werden. Und nach jedem Abnehmen gilt: Hände waschen!

Doch wie reinigt man seine geblümte oder mit Bart-Simpson- bedruckte „Community-Maske“? Das Bundesinstitut empfiehlt, die Maske in einem Beutel luftdicht zu verschließen und aufzubewahren (allerdings nur kurze Zeit, damit sie nicht schimmelt) oder sofort zu waschen. Am besten bei 96 Grad, mindestens aber bei 60 Grad. Andere Fachleute raten dazu, die Masken zu bügeln.

Infektionsmediziner weisen darauf hin, dass die Maske das Abstandsgebot nicht ersetzt, sondern nur eine sinnvolle Ergänzung sein kann. Der beste Schutz, so auch das Bundesinstitut, biete nach wie vor „das konsequente Distanzieren von anderen, potentiell virustragenden Personen“.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Truscheit, Karin
Karin Truscheit
Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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