Charlotte Perriand

Dieser Duft ist von einer Ausnahmekünstlerin inspiriert

Von Maria Wiesner
Aktualisiert am 18.04.2020
 - 12:26
Designerin Charlotte Perriand bei ihrer Arbeit in den vierziger Jahren in Japan.zur Bildergalerie
Barnabé Fillion taucht für seine Düfte tief in seine Inspirationen ein. Für Aesop hat er ein Parfum nach dem Vorbild der Avantgarde-Designerin Charlotte Perriand entworfen.

Wenn Barnabé Fillion ein Parfum entwirft, geht er dabei ähnlich vor wie ein Schauspieler, der sich dem Method-Acting verschrieben hat: Er taucht so tief in sein Thema ein, dass das Resultat das kunstgewordene Ebenbild der Vorlage ist. Für „Rōzu“, den neuen Duft der australischen Trendmarke Aesop (erhältlich ab Ende April als 50ml Eau de Parfum im Onlineshop), nahm er sich die Designerin Charlotte Perriand als Inspiration.

Perriands Leben umspannt fast das gesamte vergangene Jahrhundert (sie lebte von 1903 bis 1999) und führte sie von den Kunstströmungen der Pariser Moderne bis ins traditionelle Japan, wo sie mit ihren Designideen einige Avantgarde-Künstler inspirierte. Ihre Karriere begann Ende der zwanziger Jahre, als sie sich im Studio von Le Corbusier vorstellte. Der lehnte die junge Frau zunächst ab, weil sie mit einem Abschluss der Pariser Kunstgewerbeschule daherkam („Wir besticken hier keine Kissen“), nur um ihr einen Monat darauf doch einen Job anzubieten, nachdem er ihre Arbeit „Bar sous le toit“ (eine Nachbildung ihrer eigenen Apartment-Bar, mit reflektierenden Aluminium- und Nickelelementen, Lederkissen und in Oberflächen integrierten Glashaltern) im „Salon d’Automne“ bewundert hatte. Perriand blieb für zehn Jahre und entwarf berühmte Möbelstücke, darunter eine Stuhlreihe aus Stahl- und Lederelementen.

Inspiriert von japanischer Tradition

Während des Zweiten Weltkriegs verbrachte sie längere Zeit in Japan und (im ungeplanten Exil) in Vietnam, die sie dafür nutzte, sich mit dem dort traditionellen Handwerk zu beschäftigen. Besonders das in beiden Ländern häufig verwendete Holz kam ihrem Interesse entgegen, ihre Möbelentwürfe für ein größeres Publikum erschwinglicher zu machen. So entwarf sie später eine Liege aus Bambuselementen. Zurück in Europa schuf sie ihre prägendsten Arbeiten: Gebäudekomplexe, wie jenes des Skiressorts „Arcs Resort“ in Savoyen, für die sie minimalistische Raumkonzepte in serielle Produktion umwandelte.

In ihrer Autobiografie „Charlotte Perriand: A Life of Creation“ schrieb sie: „Ich mag es, allein zu sein, wenn ich ein Land oder einen historischen Ort besuche. Ich mag es, in der Atmosphäre dort zu baden, mit dem Ort direkt Kontakt aufzunehmen, ohne dass eine dritte Person dabei stört.“ Ähnlich hielt es auch Parfumeur Fillion, als er mit der Arbeit an „Rōzu“ begann.

Fillion arbeitete eng mit der Familie Perriand zusammen. Die ließ ihn Zeit im Pariser Loft der Designerin verbringen. Außerdem unternahm Fillion mit Charlotte Perriands Tochter Pernette (die rund 25 Jahre an der Seite ihrer Mutter als Designerin arbeitete) eine Reise nach Japan, jenen Ort, der Charlotte am meisten in ihrem Schaffen geprägt hat.

Es ist also nur konsequent, dass japanische Noten auch das Parfum prägen. Das beginnt bereits bei der Kopfnote, die an jene Rose erinnert, die zu Ehren der Designerin von der japanischen Gärtnerei Wabara geschaffen wurde. Diese Rose umwehen frische grüne Shiso-Noten, ein Verweis auf die Bergluft, die die passionierte Bergsteigerin Perriand so sehr liebte. Die Basis des Dufts bilden Vetiver, Patchouli und Myrrhe. Die herben Akkorde erinnern an die Parfumvorlieben Perriands, denn die Designerin unterstrich ihren Freigeist, der sich nicht um Konventionen scherte, durch das Tragen männlicher Eaux de Cologne. „Rōzu“ ist das Duftporträt einer Ausnahmekünstlerin der Moderne geworden, das zeigt, dass Widersprüche gegen bestehende Traditionen manchmal die interessantesten Ideen hervorbringen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wiesner, Maria
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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