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Sommer-Parfums gegen Fernweh

Diese Düfte sind wie Urlaub

Von Maria Wiesner
Aktualisiert am 12.07.2020
 - 15:17
Wenn man in diesem Jahr schwerlich an azurblaue Strände kommt, müssen Sommerdüfte gegen das Fernweh helfen.zur Bildergalerie
Für viele Menschen ist der exotische Sommerurlaub in diesem Jahr ausgefallen. Gegen das Fernweh könnten diese Sommerdüfte helfen.

Viel ist mit diesem Sommer nicht anzufangen. Die großen Reisen sind abgesagt, Flüge nach Asien verschoben und statt Karibikinseln gibt es Nordseestrand. Die Sehnsucht nach der Ferne war selten größer. Los Angeles, Hongkong oder die Sahara sind als Urlaubsziele im Jahr 2020 in unerreichbare Ferne gerückt.

Wer nun heimlich verzweifelt am Kokosnuss-Shampoo schnuppert und das Fernweh mit Sonnencreme in Rio-de-Janeiro-Duftnoten zu bekämpfen versucht, dem könnten diese Parfums Abhilfe bieten. Denn in ihren Fläschchen finden sich Düfte jener Landstriche, die uns gerade so unerreichbar erscheinen.

Der Himmel über Los Angeles

Wie riecht ein Sonnenuntergang in Kalifornien? Diese Frage stellte sich Parfumeur Jacques Cavallier Belletrud, als er den Auftrag erhielt, für Louis Vuitton einen neuen Sommerduft zu entwerfen, der die Frische eines Eau de Cologne mit der Komplexität eines Parfums verbindet.

Mit dem Aspekt der Frische kennt Belletrud sich aus, immerhin ist ihm der Einsatz eines Duftmoleküls zu verdanken, das nach Wassermelone riecht. Er setzte es zunächst 1990 in Issey Miyakes „L'Eau d'Issey“ ein und machte jenes Parfum nicht nur bis heute zu einem Klassiker, er war damit auch, dieses Wortspiel sei entschuldigt, für die große Welle an aquatischen Düften in den neunziger Jahren verantwortlich. Für „California Dream“ von Louis Vuitton nahm er sich nun die Mandarine vor: „Die hat so viele Facetten wie der Himmel, wenn die Sonne untergeht. Da ist Zitrus, aber da sind auch blumige Anklänge.“ Für die Wärme, die die untergegangene Sonne auf der Haut hinterlässt, hat Belletrud Benzoeharz und Noten der Moschusmalve hinzugefügt.

Regen in London

Viele Parfumeure haben versucht, den Geruch von Regen einzufangen. Meist finden sich in solchen Kompositionen Duftmoleküle, die an das leichte, olfaktorische Flirren erinnern sollen, das die ersten Tropfen auf staubigen Blättern und Wegen verursachen. Leicht kippt das in spitze, metallische Anklänge. „Rain Cloud“ des britischen Nischenlabels Perfumer H ist da anders. Statt verkopft eine Duftempfindung nachzubauen, fängt das Parfum die emotionale Erinnerung eines Regenschauers über einem englischen Garten ein.

Laut Duftpyramide enthält diese weiche Regenwolke Noten von Bergamotte, Orangenblüte, Engelswurz und Vetiver. Dass die sich schon beim ersten Sprühen zu einem nostalgischen Bild vom letzten Spaziergang durch einen Londoner Park formen, liegt an der Nase hinter dem Duft: Lyn Harris ist die einzige britische Parfumeurin, die ein klassisches Training in der Parfumhauptstadt Grasse in Südfrankreich absolviert hat.

Als sie damit fertig war, kehrte sie zurück nach London und gründete „Miller Harris“, das schnell vom Geheimtipp zum weltweiten Luxusparfumlabel wurde. Doch Harris ging es um ihre künstlerische Freiheit und nicht um Kommerz. Vor ein paar Jahren verkaufte sie „Miller Harris“ und eröffnete Perfumer H. Das Geschäft in London, an das sich ihr Labor anschließt, kann man mittlerweile wieder besuchen, Großbritannien hat seit dem 10. Juli die Reisebeschränkungen aufgehoben. Man kann sich die Kompositionen in den handgeblasenen Fläschchen aber auch bequem nach Hause schicken lassen, mit dem Lockdown hat Perfumer H den Onlineversand ausgebaut.

Zitrusduft über der Bucht von Hong Kong

Wer schon einmal ein paar Tage in tropischem Klima verbracht und dabei versucht hat, ein leichtes Eau de Toilette zu benutzten, der weiß: Der Duft verfliegt innerhalb von wenigen Minuten. Luftfeuchtigkeit und Wärme beeinflussen die Moleküle, und so manches Parfum, das man in der Karibik toll fand, riecht zu Hause plötzlich ganz anders.

Das New Yorker Label „Le Labo“ hat in seiner City-Kollektion nun das subtropische Hongkong für den Duft „Bigarade 18“ zum Vorbild genommen. Label-Mitbegründer Eddie Roschi verbrachte in den frühen achtziger Jahren mehrere Monate seiner Kindheit im Süden der Stadt an der Repulse Bay. „Ich erinnere mich, wie ich durch die Flure des Repulse Bay Hotels geschlendert bin, die von duftenden Lilien und Zitrusbäumen gesäumt waren“, so Roschi.

An diese Erinnerung ist auch das Parfum angelehnt. Die bittere Orange (Bigarade), der der Duft nachspürt, ist im Auftakt mit Neroli und Bergamotte gemischt, wird dann von Moschus und Ambergris sowie etwas Zedernholz abgerundet.

Das Parfum ist, und das ist für die flüchtigen Zitrusdüfte eben ungewöhnlich, sehr langanhaltend. So wie man es eben in Hongkongs schwülwarmen Sommern gebrauchen könnte. Ursprünglich sollte man die neueste Kreation der City-Kollektion auch nur in der Stadt, der sie gewidmet ist, kaufen können. Eine auf Exklusivität getrimmte Verkaufsstrategie, die in den vergangenen Jahren Parfumliebhaber zu Indiana-Jones-Jagdfantasien inspirierte und sogar Flüge bis nach Tokio zur Folge hatte, nur um beispielsweise ein Fläschchen des dort für einen Monat im Le Labo-Shop erhältlichen „Gaiac 10“ zu ergattern.

Pandemie-Reisebeschränkungen schließen derzeit spontane Shoppingtouren nach Hongkong aus. Le Labo präsentiert „Bigarade 18“ im September daher einen Monat lang in all seinen Shops.

Unterwegs mit der Salzkarawane

Émilie Coppermann hat mit ihren Düften bereits Preise gewonnen. Neben der Arbeit für große Labels wie Lalique, Jil Sander und Givenchy kreiert sie seit neun Jahren Düfte für „The Different Company“. Die unabhängige Haute-Parfumierie-Marke aus Frankreich hat es sich zum Ziel gesetzt, elegante Luxusdüfte zu entwerfen, bei denen die Parfumeure freie Hand in der Gestaltung haben.

Für das neueste Parfum „Al Sahra“ zog es Coppermann in die Wüste. Um Noten der Sandlilie und des weißen Veilchens arrangiert sie Salzkristalle und mineralische Akkorde, die dem Wüstenwind nachempfunden sind, der Sandkörner über die antike Route der Salzkarawanen trägt. Und da im Reich der Karawanen die Gewürze nicht fehlen dürfen, mischen sich Zimt aus Madagaskar und Weihrauch dazu. Ein Duft, der den Marokko-Urlaub ersetzen kann.

Wilde Parties in Südfrankreich

In der Villa America am Cap d’Antibes versammelte sich einst jene Künstlerszene, die die Côte d’Azur für Jahrzehnte zum Hotspot des Jetsets machen sollte. In sein weißes Haus mit Säulen und blauem Swimmingpool lud das Ehepaar Sara und Gerald Murphy in den späten zwanziger Jahren gern exklusive Gäste: Hier feierten Scott und Zelda Fitzgerald mit Ernest Hemingway wilde Parties, und auch Pablo Picasso und Rudolfo Valentino besuchten die Murphys gern, die hier mit ihrem Geld eine kleine künstlerische Festung betrieben. Sie sind der Beweis dafür, dass eine Party nicht am Morgen vorbei sein muss, sondern dass sich auch Jahrzehnte später eine komplette Tourismusindustrie auf ihren Ruf stützen kann.

Auch den Parfumeur Albert Krigler zog es an die Küste in Südfrankreich. 1904 hatte er seine Parfümerie in Berlin gegründete, ein paar Jahrzehnte darauf eröffnete er eine Boutique in Cap d'Antibes. Später siedelte er nach New York über, wo heute sein Urenkel Ben Krigler das Parfumgeschäft weiter betreibt.

Der gedenkt den rauschenden Festen der Roaring Twenties in diesem Jahr mit einem Parfum, das den Namen des Partyorts trägt. „Villa America 220“ ist ein überraschend spritziger Duft, wie eine frische Meeresbrise, die über Magnolien und Zitronenbäume zum Balkon herein weht. Die Frische eines Eau de Cologne hält aus diesem Fläschchen besonders lange an, denn Krigler mischt dem Duftwasser 30 Prozent Parfum zu.

Spaziergang im Reisfeld

Manchmal fängt ein Parfum den Zeitgeist ein, bevor er richtig sichtbar wird. So ist das zumindest bei „No. 16 Jardin Vertical“ der Berliner Parfummanufaktur Frau Tonis. Wenn in „normalen“ Jahren zahlreiche Duftliebhaber aus aller Welt in die Parfumerie von Stefanie Hanssen kommen, um sich durch ihre Kreationen zu schnuppern, so ist es in diesem bisher so völlig unnormalen Jahr an der Zeit, mit einer Duftkreation einen Ausflug in die Gärten dieser Welt zu unternehmen. Denn wonach sehnt man sich sonst nach Wochen im Homeoffice und ausgedehnten Spaziergängen durch die Großstädte?

Als „grüner als grün“ bezeichnet man bei Frau Tonis das neue Parfum. Was hier aus der Flasche steigt, ist jedoch kein spritziges Limettengrün, sondern eher der Farbton, den Reisfelder auf Bali am Morgen haben, wenn der Frühnebel noch über ihnen schwebt – ein sanftes Grün mit einer leicht holzigen Note. Zum Duft von asiatischem Reis mischt sich weißer Tee und Feige. Etwas später kommen Sandelholz und Atlaszeder dazu. Ursprünglich den vertikalen Gärten in der Stadt der Zukunft gewidmet, in denen verschiedenste Pflanzen nebeneinander wachsen, bringt „Jardin Vertical“ nun den Spaziergang in grünen Gärten Südostasiens in die Großstadt.

Süß wie ein Karibikstrand

Ylang-Ylang wächst in den Tropen. Im 19. Jahrhundert entdeckten Franzosen die Pflanze mit den langen gelben Blüten für die Parfümherstellung. Seitdem gibt es auf Inseln nahe des Äquators sogar manch geheimes Anbaugebiet für die Luxusparfümherstellung, dessen Zufahrt niemand kennt, dessen Vorhandensein sich jedoch kilometerweit durch den Wohlgeruch der Tausenden gelben Fadenblüten verrät. Weniger mysteriös hält es der französische Parfumhersteller Diptyque mit seiner Ylang-Ylang-Quelle: Die Duftrohstoffe kommen aus nachhaltigem Anbau von einer Insel der Komoren im indischen Ozean. Ihr süßer Duft ist das, was man gemeinhin exotisch nennt.

Auf der Karibikinsel St. Barths erfüllt dieser Duft seit neuestem die Villen des Hotel Eden Rock. In einer Kooperation mit dem Parfumhersteller Diptyque hat das Hotel eine exklusive Linie mit dem Namen „Ylang“ anfertigen lassen. Sie umfasst neben Raum- und Kissenspray auch Duftkerzen und ist obendrein ganz ohne stundenlangen Flug bequem über den Onlineshop des Hotels erhältlich, wenn es statt des Kokosshampoos ein bisschen echter Karibikduft zu Hause sein soll.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wiesner, Maria
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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