Hygiene in der Gaskrise

Kommt nun der Waschlappen zurück?

Von Rüdiger Soldt, Stuttgart
19.08.2022
, 18:24
Wer nicht jeden Tag duschen will, kann auch mal zu Waschlappen und Seife greifen.
Lange Zeit galt der Waschlappen als stinkiges Textilfossil. Die Gaskrise und der Trend zur Nachhaltigkeit könnten ihn wieder populär machen. Sogar Julia Roberts und Brad Pitt nutzen ihn schon.
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Je älter Winfried ­Kretschmann wird, desto häufiger empört er sich über die unnötige Verkomplizierung des Alltags und der verwalteten Welt. Vor ein paar Jahren gab der baden-württembergische Ministerpräsident, 74 Jahre alt und eigentlich bekennender Warmduscher, zum Besten, dass er das Schwimmen in der Donau gelernt und hierfür kein beheiztes Schwimmbad gebraucht habe.

Angesichts der nahenden Wärme- und Gaskrise empfahl Kretschmann im Interview mit der „Südwest-Presse“ nun eine Alternative zum täglichen Duschen: „Man muss nicht dauernd duschen. Auch der Waschlappen ist eine brauchbare Erfindung“, sagte der Grünen-Politiker. Waschlappen, das sind diese Stofflappen aus Frottee, die unangenehm riechen können, wenn sie nicht richtig getrocknet sind. Vor langer Zeit wurden sie von der Duschgelisierung des Lebens ins Museum verdrängt. Die Textilindustrie verzeichnet aber schon seit Jahren eine Rückkehr zum Waschlappen, den sie vornehm „Seiftuch“ nennt. Das bringt der Trend zum Seifenstück und zur Nachhaltigkeit mit sich.

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Prominente Fans

Das klassische „Seiftuch“ hat heute eine Größe von 30 mal 30 Zentimetern und wird meistens in Handschuhform hergestellt. Bei Breuninger in Stuttgart gibt es den klassischen, einlagigen Waschlappen noch, ein besonders hochwertiges Exem­plar von Ralph Lauren ist gerade von 48 auf 24 Euro reduziert worden. Wer zum Lappen greift, befindet sich in bester Gesellschaft: Brad Pitt und Julia Roberts sind bekennende Anhänger des „Non-ba­thing“. Das spart Wasser sowie Gas und schont die Haut.

Die Firma Elmer und Zweifel produziert im schwäbischen Bempf­lingen hochwertige Biobaumwoll-Waschhandschuhe und Frottierware; der Ge­schäftsführer Roland Stelzer begrüßt den Vorstoß: „Wir stimmen unserem Ministerpräsidenten zu – der Waschlappen ist ein wunderbares Produkt, besonders wenn er nachhaltig und langlebig produziert wurde.“ Die deutsche Textilindustrie verfüge über großes Produktionswissen.

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Hygieneregeln zur Lappennutzung

Aus Sicht von Medizinern spricht nichts gegen den Waschlappen, wenn man, wie die Leiterin des Instituts für Krankenhaushygiene am Klinikum Stuttgart, Lisa-Marie Käser, sagt, einige Dinge beachtet: „Prinzipiell kann ein Waschlappen in jedem Alter und in allen Körperregionen angewendet werden. Damit Keime, die sich gegebenenfalls auf dem Waschlappen befinden, abgetötet werden, ist es wichtig, den Waschlappen regelmäßig bei mindestens 60 Grad zu waschen.“

Einen Waschlappen-Sozialismus lehnt die Ärztin aber ab: „Man sollte die Lappen nicht mit Familienmitgliedern oder Freunden teilen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Soldt, Rüdiger
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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