FAZ plus ArtikelEine Mutter erzählt

Wenn die Tochter den ersten Freund mitbringt

Von Katja Gelinsky
30.01.2021
, 14:48
Unter Beobachtung in den Schwebewochen.
Plötzlich ist er da und die Tür zum Kinderzimmer zu. Wie ist es für eine 17-Jährige, ausgerechnet in Corona-Zeiten ihren ersten Freund zu haben? Und wie reagiert der Rest der Familie? Eine Mutter erzählt.
ANZEIGE

Alva tritt mit der Pfote gegen die Zimmertür unserer Tochter. Gewöhnlich hält die Terrierhündin in der Kissenecke unter dem Hochbett ein Nachmittagsschläfchen. Schön weich und warm ist es da, und es riecht immer ein bisschen nach „Happy Buddha“-Parfüm. Zusammengerollt liegt Alva dann unter den angewinkelten Beinen unserer Tochter, die ihren Laptop auf den Oberschenkeln balanciert. Aber heute ist das Zimmer zu. Alva versucht, sich unter der Tür durchzubuddeln. Das bekommt unser Sohn in einer Gaming-Pause mit. Er trägt den strampelnden Hund in sein Zocker-Zimmer. Hier dominiert Verzicht, akzentuiert durch Gegröle oder Gejohle zu „Cyberpunk“ und anderen Computerspielen. Alva mag das nicht. „Aber jetzt musst du bei mir bleiben“, weist unser Sohn den Hund zurecht. „Ben ist da.“

ANZEIGE

Ben, der eigentlich anders heißt, ist der erste „richtige“ Freund unserer Tochter. Nicht trotz, sondern wegen Corona sind die beiden im vergangenen Frühjahr zusammengekommen. Zu normalen Zeiten wäre das nie passiert. „Bloß niemand von unserer Schule oder, noch schlimmer, ein Typ aus meinem Jahrgang, der vielleicht sogar um die Ecke wohnt. Wie langweilig wäre das denn?“ Unsere Tochter hatte ihre Prinzipien – bis Corona alles in Frage stellte.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.S.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE