Kolumne

Fünf Dinge, die als Autobesitzer nerven

Von Sebastian Eder
26.05.2021
, 06:20
Wann trennt man sich von seinem Auto? Wann putzt man es? Von wem lässt man es reparieren? Und lohnt sich diese eine kleine Reparatur nicht doch noch? Es gibt viele Fragen, die als Autobesitzer nerven. Die Kolumne „Fünf Dinge“.

1. Den richtigen Moment für den Abschied finden

Ich bin in diesem Frühjahr mit meinem alten Mercedes von Frankfurt nach Berlin gefahren. Wenige Tage vorher hatte mir mein Mechaniker gesagt, dass es sich nicht mehr lohne, die Lüftung zu reparieren. Die Reparaturkosten würden den Wert des Autos übersteigen. Das Problem bei der Lüftung war (und ist), dass alle Scheiben beschlagen, sobald man sie anmacht. Ist der Motor heiß, wird es richtig unangenehm: Statt frischer Luft steigt dann dichter Qualm unter der Frontscheibe heraus in den Innenraum. Passiert einem das ein Mal auf der Autobahn, lässt man die Lüftung, mit der auch geheizt wird, danach lieber aus. Bei schönem Wetter ist das kein Problem.

Als ich auf dem Weg nach Berlin war, regnete es allerdings. Und es war ziemlich kalt. Die Scheiben beschlugen, obwohl die Lüftung aus war. Also saß ich mit einem Lappen im Auto und wischte alle paar Minuten die Frontscheibe von innen. Wie durchgefroren ich war, merkte ich erst, als ich zum Bezahlen in eine warme Tankstelle ging. Ich wollte gar nicht mehr raus. Danach holte ich aus meinen Koffer einen Fleecepullover, setze mich wieder ans Steuer und fuhr wischend die letzten 100 Kilometer nach Berlin. Draußen wurde es dunkel, die Sicht wurde immer schlechter. Auf dieser Fahrt wurde mir klar: Das war’s mit mir und diesem Auto. Mit Mitte 20 kann man so eine Fahrt vielleicht noch als Abenteuer verklären, mit Mitte 30 ist es einfach nur erbärmlich.

Aber es fällt mir schwer, mich von einem fahrtüchtigen Auto zu trennen. Das liegt nicht an einer emotionalen Bindung: Ich arrangiere mich einfach lieber mit kleinen Macken, als mich auf die beschwerliche Suche nach einem neuen Auto zu machen (Siehe Punkt 2). Irgendwann besteht das Auto aber nur noch aus Macken. Ähnlich ist es mit kleineren Reparaturen: In dem Moment, in dem sie nötig sind, scheinen sie sich fast immer zu lohnen. Ich zahle lieber 500 Euro für ein Ersatzteil, als mir ein neues Auto kaufen zu müssen. Wenn die Abstände, in denen solche Investitionen nötig sind, immer kleiner werden, muss man irgendwann die Notbremse ziehen. Aber wann? Vielleicht nachdem man frierend und mit einem Putzlappen in der Hand im Schneckentempo auf Berlin zugerollt ist.

2. Die Suche nach einem neuen Auto

Leider trifft dieses Männer-Klischee auf mich zu: Es gibt wenig, das meine Laune verlässlicher sinken lässt, als in einem Geschäft länger als fünf Minuten nach Schuhen, Klamotten oder Möbeln zu suchen. Ich nehme deswegen das erste Paar Schuhe, das mir gefällt und passt. Diese Taktik lässt sich leider nicht auf den Autokauf übertragen. Was meine Laune deutlich mehr vermiesen würde, als shoppen zu gehen, wäre: Ein Auto gekauft zu haben, das ständig Probleme macht. Um das zu verhindern, könnte ich einen Neuwagen kaufen, aber das ist ein langer Weg voller nerviger Fragen: Habe ich genug Geld? Leasen oder Kaufen? BMW oder VW? Elektro oder Benziner? Automatik oder Getriebe? Ich muss diese Fragen nur lesen, schon denke ich: Gut, das bisschen Wischen, das geht ja wohl noch zwei Jahre. Oft scheint ja auch die Sonne.

3. Die Suche nach einem guten Mechaniker

Wahrscheinlich ist das schon klar geworden, aber noch mal zur Sicherheit: Ich habe keine Ahnung von Autos. Null. Deswegen bin ich dankbar, einen guten Mechaniker gefunden zu haben. Wenn man von etwas keine Ahnung hat, ist es wichtig, dass man demjenigen vertrauen kann, dem man Geld dafür gibt, dass er Ahnung hat. Bei Mechanikern habe ich leider schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht – vor allem bei einer großen Kette, von der ich dachte, dass die doch seriös sein müsste. Deswegen fragte ich dort nach, als vor einigen Jahren ein Warnlicht aufleuchtete. Der Chef der Werkstatt erklärte mir, das bedeute nur, dass die Batterie etwas schwach sei, die könne ich ja bei Gelegenheit im Laden austauschen. Dringend sei es nicht. Ein halbes Jahr später wies mich ein Freund vom Beifahrersitz aus darauf hin, dass ich mal das Kühlwasser nachfüllen müsse. Dafür stehe das Warnlicht. Es leuchtete immer noch.

Dummerweise nahm ich das nicht zum Anlass, den Mechaniker zu wechseln. Als meine Freundin Probleme mit ihrem Auto hatte, gingen wir wieder zu ihm. Er diagnostizierte einen wirtschaftlichen Totalschaden und rief einen Gebrauchtwagenhändler an, der wenige Minuten später in der Werkstatt stand und erklärte, warum er netterweise noch ein bisschen Geld für den schrottreifen Wagen zahlen würde. Als wir mit dem Auto in eine andere Werkstatt fuhren, stellte sich heraus, dass nur wenige hundert Euro investiert werden mussten, um das relativ neue Auto zu reparieren. Das Auto fährt heute noch, Jahre später.

4. Männerwelten

Im Podcast Herrengedeck hat die Moderatorin Laura Larsson mal erzählt, wie sie sich einen Campingbus kaufen wollte – und der Verkäufer immer ihrem Mann antwortete, wenn sie eine Frage stellte. Bestimmt gibt es mittlerweile auch viele progressive Autohändler, aber relativ oft hört man solche Geschichten von Frauen immer noch. Und als Mann erlebt man das Gegenteil: Es wird einem unterstellt, dass man sich sehr gut mit Autos auskennt. Grundsätzlich ist das ein Vorteil, weil man wegen des vermeintlichen Sachverstands wahrscheinlich seltener über den Tisch gezogen wird. Aber es kann auch nerven: Wie oft stand ich schon nickend neben einem Mechaniker, der mir irgendwas über den Motor erzählte, und hoffte dabei inständig, dass bloß nicht irgendwann eine Frage eingestreut würde: Welches Baujahr ist das? Welches Modell? Wie viel Zylinder? „Na, das sieht man doch!“

5. Der Autoputz

Deutsche lieben es, sonntags ihr Auto zu putzen. Dieses Klischee trifft bei mir leider nicht zu. Mein Auto gleicht meistens einer Müllhalde, innen liegen überall Pfandflaschen, leere Tüten vom Bäcker, Bonbonpapiere, sogar frische Socken, die irgendwann mal aus der Sporttasche gefallen sind. Der Kofferraum wurde im vergangenen Winter zum Großteil von einem riesigen Sonnenschirm eingenommen, den ich selbst im Sommer nie benutze. Daneben waren Tischtennisschläger zu finden, schmutzige Hemden, die seit Monaten zur Wäscherei sollten (aber im Homeoffice nicht gebraucht werden) und Einkäufe, die nicht dringend in den Kühlschrank mussten.

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Noch schlimmer sieht das Auto von außen aus. Ich parke oft unter Bäumen, auf denen Vögel leben. Weil sich das nicht verhindern lässt, habe ich keine Lust, mein Auto zu waschen – drei Tage später ist es doch sowieso wieder dreckig! Und bald regnet es bestimmt. Natürlich geht diese Rechnung nicht auf, irgendwann ekelt mich das Auto so sehr an, dass ich in eine Waschanlage fahre. Leider ist eine der neueren Macken meines Autos, dass der Kofferraum nicht mehr richtig dicht ist. Nach meiner letzten Fahrt durch die Waschanlage stand im Kofferraum Wasser, ein paar Tag später roch das ganze Auto innerlich vermodert. Es ist wirklich Zeit für ein neues Auto.

Obwohl: Zwei Jahre geht es vielleicht noch. Am Dienstag habe ich meinem Mechaniker grünes Licht für ein paar kleine Reparaturen gegeben, die für eine neue TÜV-Plakette nötig sind. Das war deutlich billiger und weniger nervenaufreibend als die Suche nach einem neuen Auto. Und der Kofferraum trocknet doch schnell. Oft scheint ja auch die Sonne.

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Im wöchentlichen Wechsel erscheinen im Stil-Ressort mittwochs die Kaffee-Kolumne „Der Kaffee meines Lebens“, die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“, die „Fünf Dinge“-Kolumne und die Kolumne „Der Moment“. In der „Fünf Dinge“-Kolumne geht es um eine Handvoll Punkte, die nerven: am Fitnessstudio, an der Büroküche, an einer aktuellen Debatte, an Weihnachten – oder an sonst irgendwas.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Eder, Sebastian
Sebastian Eder
Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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