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Die Kolumne „Fünf Dinge“

Fünf Dinge, die beim Fahrradfahren nerven

Von Martin Franke
 - 07:18

Ich bin als Kind mit meinem Fahrrad gegen ein stehendes Auto geradelt, da wusste ich noch nicht einmal, wie man Straßenverkehrsordnung schreibt. Vielleicht war das der ausschlaggebende Grund für meine Eltern, warum sie mich nie ein Moped oder Motorrad fahren ließen. „Zu gefährlich“, sagte der hohe Elternrat. Also blieb ich dem Fahrrad treu – musste jedoch nach dem Umzug in die große Stadt feststellen: Fahrradfahrer leben im Großstadtrummel noch viel gefährlicher als die meisten Landeier mit ihrem 50-Kubik-Motor.

1. Andere Verkehrsteilnehmer

Auf der Straße muss man als Radfahrer oft mit hormongesteuerten Autofahrern kämpfen, die sich als Könige der Straße fühlen, unvorsichtig abbiegen oder ohne Kontrollblick ihre Autotüren öffnen. Es gibt fast keine Fahrt durch die Stadt ohne eine brenzlige Situation. Ich mache es mir nicht gerne einfach, aber: Die Schuld liegt meistens bei den anderen. Wer seine Pferdestärken nicht kontrollieren kann, sollte das Auto lieber stehenlassen. Das zeigt auch die Statistik: Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Fahrradfahrer steigt – mehr als 400 Tote gab es allein im Jahr 2018 auf deutschen Straßen. Insbesondere rechtsabbiegende Lastwagen sind dabei eine Gefahr für Radler. Wann kommt endlich die Pflicht für Abbiege-Assistenten?

Für genug Beinahe-Unfälle sorgen die anderen Verkehrsteilnehmer schon. Da wären noch die Fußgänger, die mit ihren Smartphones wie Zombies auf Radwegen umherirren (Ich gebe zu: eine Klingel habe ich nicht, ich rufe „Obacht!“ oder „Hey!“). Die eigene Gattung, der gemeine Fahrradfahrer, ist ebenso ein Gefährder. Vor allem diejenigen, die sich an der Verantwortungslosigkeit vieler Autofahrer orientieren und Regeln übergehen. Sie schauen nicht, sie geben keine Handzeichen, sie bringen sich selbst und andere nur in Gefahr. Manchmal hilft nur noch Brüllen.

2. Keine oder schlechte Radwege

Es ist jedes Mal ein Graus – der Weg von Zuhause zur Arbeit. Von einem Radweg kann man die Hälfte der Strecke nur träumen. Im Autoland Deutschland ist nach wie vor offensichtlich, dass die meisten Städte viel zu wenig für den Ausbau unternehmen. Oder sich gleich verplanen: zum Beispiel mit Fahrradwegen, die nicht als solche definiert sind, und enge Straßen, in denen ein Auto neben ein Fahrrad passen soll. Gibt es dann doch mal einen Radweg, kann man wetten: Früher oder später ist der zugeparkt – unnötige Ausweichmanöver sind dann gefordert. Auch gibt es die vielbefahrenen Straßen, auf denen in einer Pendlerhochburg wie Frankfurt ständig die Angst mitfährt, dass man von hinten angefahren wird. Fahrradfahrer werden von den Stadtplanern da oft noch nicht mitgedacht. Ein Traum wären Radschnellwege oder gesperrte (kleinere) Parallelstraßen, auf denen nur Radler fahren dürften.

3. Nervende Ampelschaltungen

Ist man allen anderen mühevoll ausgewichen, wartet der Endgegner – oder besser, er lässt einen warten: Ampeln, die auf den Takt der Autofahrer abgestimmt sind. Zuverlässig schalten sie spätestens dann auf Rot, wenn man nur noch fünf Meter entfernt ist. Ich gebe zu: Manchmal fahre ich doch noch schnell drüber. Die Strafe folgt manchmal auf dem Fuß: Hinter mir fuhr einmal die Polizei. Meine schwache Verteidigung: „Das war mein erstes Mal, Herr Wachtmeister.“ Eine Verwarnung. Das Problem ist damit nicht gelöst. Ampeln müssen Verkehr regeln (auch den Fahrradverkehr), sollten ihn aber nicht stören.

4. Schlechtes Wetter

Kommen wir zum Wetter. In Norddeutschland sagt man: Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken haben. Echten Fahrradfahrern macht das nichts, aber nervig ist peitschender Regen und Gegenwind dennoch. Wenn es dann noch kalt wird, im Winter mit Schneesturm und Glatteis, hört der Spaß endgültig auf. Denn verantwortungslose Autofahrer, schlechte Straßen und rote Ampeln sind schon bei gutem Wetter nervige Begleiterscheinungen. Vom Wetter sollte man sich dennoch nicht die Laune verderben lassen. Es gibt nur die falsche Kleidung, wie Großmütter gerne sagen – bei mir auch noch abmontierte Schutzbleche und die Zuhause gut verstaute Regenhose. Hosen trocknen aber auch im Büro.

5. Fahrraddiebe

Steht das Fahrrad dann abgesperrt, ist das Radler-Herz permanent davon bedroht, gebrochen zu werden. Fahrraddiebe sind mittlerweile überall unterwegs – mit Bolzenschneider und Flex. Wem das eigene Fahrrad gestohlen wird, der weiß, was solch ein Verlust bedeutet. Daher gilt für mich die eine Regel: Das Fahrrad parke ich nur an sicheren Orten: Garage, Wohnung, in Sichtnähe. Wer das nicht kann, braucht ein gutes Schloss, GPS-Tracker oder sehr viel Gottvertrauen.

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Quelle: FAZ.NET
Martin Franke
Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.
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