Kolumne „Fünf Dinge“

Fünf Dinge, die an der Hochzeitsplanung nerven

Von Jessica von Blazekovic
10.04.2019
, 11:30
Der schönste Tag im Leben ist der, an dem man heiratet. Wäre da nicht die Vorbereitung! Weddingplanner mit „super süßen“ Ideen, überteuerte Festtagssuppen, Hochzeitsdiäten – ein vorehelicher Graus! Die Kolumne „Fünf Dinge“.

1. Die immer gleichen „super süßen“ Ideen der Veranstalter

Die erste Lektion, die jeder, der eine Hochzeit plant, lernen muss, ist folgende: Die eigene Hochzeit ist nur eine von hunderten, ja tausenden im Jahr und man selbst nur Teil einer gut geölten Heiratsmaschinerie, die an 365 Tagen im Jahr von Sylt bis Berchtesgaden auf Hochtouren läuft. Natürlich soll der eigene Hochzeitstag „etwas ganz Besonderes“ sein, „total einzigartig“ und „individuell“ – diesen Wunsch hegte noch jedes Brautpaar. Die Realität sieht anders aus, wenn man nicht gerade die komplette Hochzeitsgesellschaft auf den Himalaya verfrachten möchte oder immerhin an den Gardasee. Tatsächlich reihen die meisten Veranstalter Hochzeit an Hochzeit, Braut an Braut und Torte an Torte. Daraus kann man ihnen nicht einmal einen Vorwurf machen, so verdienen die eben ihr Geld. Für meinen Freund und mich kam diese Einsicht nach dem dritten oder vierten Gespräch: Da saß sie also, die dritte oder vierte Location-Betreiberin, die sich neckisch als „eure persönliche Wedding-Planerin“ vorgestellt hatte und dann mit säuselnder Stimme erklärte: „Ich hab mir da was gaaaanz Besonderes für euch überlegt.“ Als sie schließlich eine Prosciutto-Maschine für den Empfang vorschlug („sehr stilvoll“), eine Candy-Bar anstelle des Nachtischs („super süß“) und eine Gin-Station, an der sich die Gäste ihre Getränke selbst mixen können („das kommt total gut an“), konnten wir uns ein Lachen nicht verkneifen.

Haargenau dieselben Vorschläge hatten wir schon zigmal von anderen Veranstaltern gehört oder in Magazinen gesehen. Sehr zu empfehlen sind übrigens auch eine Foto-Booth (eine Foto-Station, die an einen Passfoto-Automaten erinnert) und der Naked-Cake (eine mehrstöckige Hochzeitstorte, die man um ihre Glasur beraubt hat, der man aber gnädigerweise ein paar Beeren gegeben hat, um sich zu bedecken). Man mag die Ideen gut oder schlecht finden – das ist Geschmackssache. Aber wenn man sie dann schon zum fünften Mal hört, klingen sie so abgedroschen, dass sie jeglichen Charme verlieren. Ich empfehle da eine Runde Hochzeits-Bullshit-Bingo beim nächsten Gespräch mit Ihrer „ganz persönlichen Wedding-Planerin“. Wetten, Sie kriegen alle voll?

2. Die Geister, die wir riefen

Als mein Freund mir den Heiratsantrag gemacht hat, waren wir auf Sardinien. Meine erste, vom Pinienduft und Meersalz geschwängerte Idee: Eine kleine Hochzeit, nur die engste Familie und die Trauzeugen, eine alte Kapelle auf einem Hügel, dahinter das tiefblaue Meer. Irgendwo zwischen der letzten Pizza und dem Rückflug nach Deutschland ging dieser Plan allerdings flöten. Jetzt organisieren wir ein Fest mit 130 Gästen, aus der Kapelle wurde eine Kirche und der Satz „Wir wollen nix Aufwendiges“ klingt wie die Verhöhnung seiner selbst. Nicht, dass wir es maßlos übertreiben würden. Aber sobald der Entschluss zu heiraten einmal gefasst war, schien sich die Planung zu verselbständigen, und ehe wir uns versahen, fühlten wir uns wie Goethes Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr loswird.

Das fing schon bei den Einladungskarten an: Klar, man kann das billige Plastikpapier nehmen, aber naja, es geht hier ja immerhin um eine Hochzeit, nicht um eine Studentenparty und geheiratet wird ja (im besten Fall) nur einmal im Leben, da will man doch jetzt nicht schon bei der Einladung mit dem Sparen anfangen. Also doch das schöne Papier und dazu die passenden Umschläge, sonst sieht es doof aus. Ein Argument für die teuerste Option findet sich immer. Und irgendwann stellt man resigniert fest: Egal, wie sehr man sich vorher vornimmt, die Hochzeit „klein“ zu halten – Widerstand ist zwecklos!

3. Der Preisaufschlag

Wo wir auch schon beim nächsten Thema wären: Dem obligatorischen Preisaufschlag für Produkte und Dienstleistungen rund um die Hochzeit – oder, wie ich es gerne nenne: die Hochzeitssteuer. Eine Festtagssuppe ist eine Festtagssuppe, würde man meinen. Aber nein, weit gefehlt! Zwischen erster Festtagssuppe und zweiter Festtagssuppe liegen Welten! Die erste ist nämlich eine stinknormale Suppe mit ganz gewöhnlichen Zutaten, die zweite hat ganz besondere Hochzeitszutaten, die wahnsinnig schwer zu bekommen und deshalb auch wahnsinnig teuer sind. Auch ein Friseur braucht für das Hochzeitsstyling offenbar magische Spezialkräfte, die bei einer Frisur für normale Anlässe nicht nötig sind. Alles, aber wirklich alles, auf dem Hochzeit draufsteht, kostet gleich ein paar bis sehr viele Euro mehr. Warum das so ist, können Sie unter Punkt 2 nachlesen. Ich werde übrigens den Tipp einer Bekannten befolgen und beim Friseur sagen, dass ich Trauzeugin bin. Das tut’s schon.

4. Perfekte Bräute

Ja, es gibt sie, diese Bräute, bei denen alles nach Plan läuft. Sie wissen seit dem Kleinkindalter, wie ihre Hochzeit aussehen soll und haben die Location schon reserviert, da sind sie noch gar nicht verlobt. Wenn man sie trifft, fragen sie einem Löcher in den Bauch, nur, um zufrieden festzustellen, dass sie ja schon viel weiter sind mit der Planung. „Habt ihr schon…?“, „Wisst ihr schon…?“, „Also wir haben ja…“. Hey, ihr Bräute, ich weiß selbst, dass die guten Fotografen schon alle weg sind und nein, das macht mich jetzt nicht total nervös. Lasst mich mit eurer puderrosa-perfekten Planungswelt in Ruhe. Ach, aber könnt ihr mir vorher noch schnell einen guten DJ empfehlen?

5. Die Hochzeitsdiät

Es gibt ja bekanntlich hunderte von seltsamen Diäten, angefangen bei der Kohlsuppe bis hin zu Low-Carb. Die fieseste von allen aber ist die Hochzeitsdiät. Wie ein Damoklesschwert schwebt das Hochzeitsdatum über den Wochen und Monaten vor der Hochzeit. An diesem einen Tag will man doch wirklich das Beste aus sich herausholen, da starren einen ja auch alle an, und man ist gefühlt auf jedem Foto drauf, aus jeder denkbaren Perspektive. Also Schluss mit Schokolade, Alkohol und Burger, am besten acht Monate vor dem Termin, schlagen Hochzeitsmagazine vor, damit man diesen „Glow“ aufbauen kann und sich am Hochzeitstag wirklich „rundum wohl fühlt“. „Ab Montag dann“, sage ich mir da gerne – und male mir aus, wie ich in den Wochen vor der Trauung bestimmt ganz viel laufen gehen werde, um mein Versäumnis aufzuholen. Ist ja dann Sommer. Was für eine Selbstverarschung! Egal, denn eine Sache nervt nämlich an der Hochzeitsplanung nicht: Mein bald Ehemann, der mich liebt, wie ich bin.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Sadeler, Jessica
Jessica von Blazekovic
Redakteurin in der Wirtschaft.
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