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Hochzeitssängerin im Gespräch

„Zwei Songs sind bei den Paaren besonders beliebt“

Von Sebastian Reuter
Aktualisiert am 02.08.2019
 - 10:46
In Deutschland ist Hochzeitssaison – auf Juist kann man sich seit Mai sogar direkt am Strand trauen lassen.
Caroline Bispinck singt auf Hochzeiten und ist derzeit fast jedes Wochenende im Einsatz. Im Interview spricht sie über ausgefallene Songwünsche, unbeherrschte Pastoren – und eine „unfassbare Höher-schneller-weiter-Philosphie“.

Frau Bispinck, Sie sind Hochzeitssängerin und begleiten Trauungen musikalisch. Wie oft mussten Sie dieses Jahr schon einen Song von Silbermond singen?

Dieses Jahr tatsächlich erst einmal. Der Klassiker zurzeit – jedenfalls bei mir – ist „Dir gehört mein Herz“, der Soundtrack von Phil Collins aus dem Disney-Film „Tarzan“. Und natürlich „Perfect“ von Ed Sheeran. Beide Songs sind bei den Paaren sehr beliebt. Aber auch „A thousand years“ von Christina Perri und meinen eigenen Song „Für immer“ habe ich dieses Jahr schon häufiger singen dürfen. Aber es gibt auch ausgefallene Wünsche: Bald singe ich zum Beispiel die Fußballhymne „You’ll never walk alone“. Natürlich auf einer Hochzeit in Dortmund. Aber ich kann mir das auch in einer Kirche sehr gut vorstellen.

Haben Sie auch schon mal Songs abgelehnt?

Tatsächlich noch nicht. Ich sehe mich als Dienstleisterin, die versucht, den Wunsch des Paares zu erfüllen und probiere zunächst einmal jeden Song einzustudieren – sofern ich überhaupt in der Lage bin, ihn zu singen. Eine Arie müsste ich wahrscheinlich ablehnen. Die Paare müssen auch damit rechnen, dass ich mit meiner Pianobegleitung einen eher rockigen Song von Linkin Park ganz anders präsentiere als die Rockband. Im Schnitt singe ich drei Songs: Einen zum Einzug des Brautpaars, dann nach dem Ringwechsel und noch einmal zum Auszug.

Was ist Ihnen aus diesem Sommer besonders in Erinnerung geblieben?

Bei einer Hochzeit hat während der Trauung gleich zweimal dasselbe Handy geklingelt. Der Vikar hat beide Male kurz unterbrochen und erklärt, derjenige solle sein Gespräch doch kurz führen – Hauptsache, es dauere nicht länger als die gerade geschlossene Ehe. Das war sehr sympathisch. Das krasse Gegenteil war ein Pastor auf einer anderen Hochzeit: Er hat extra seine Predigt unterbrochen, um den Fotografen vor der versammelten Kirche richtig rundzumachen. Dabei hat der nur seine Arbeit gemacht. Als ich dann meinen zweiten Song gesungen habe, hat sich der Pastor den Fotografen noch einmal zur Brust genommen – allerdings standen beide direkt hinter mir und das Mikro war so sensibel eingestellt, dass man alles über den Lautsprecher hören konnte. Das war richtig unangenehm.

Stimmt es, dass jetzt im August am meisten geheiratet wird?

Generell geht die Saison im Mai richtig los und dauert bis Ende September. Aber ich habe dieses Jahr auch im späten Herbst und sogar im Dezember noch Hochzeiten, bei denen ich auftrete. Die klassische Sommerhochzeit dominiert zwar immer noch, aber ich würde sagen, dass vielen der Zeitpunkt gar nicht mehr so wichtig ist.

Dafür werden andere Dinge immer wichtiger.

Der Standard von heute hat mit dem Standard von vor 15 oder zwanzig Jahren nichts mehr zu tun. Heute werden gerade durch Instagram und all die perfekt inszenierten Bilder und Videos in sozialen Medien unglaubliche Begehrlichkeiten geweckt. Das ist eine unfassbare Höher-schneller-weiter-Philosphie, die da ausgereizt wird. Man muss nur mal bei Instagram das Hashtag #Brautkleid oder #Brautstrauß oder #Hochzeitsfotografie eingeben, also ich möchte da sofort nochmal heiraten. Wenn wir unsere Eltern fragen, wie die geheiratet haben – das war auch wunderschön, aber da war mit Sicherheit nicht alles bis ins letzte Detail aufeinander abgestimmt. Die Save-the-Date-Karte musste noch nicht zur Tischdeko passen. Am Ende kommt es eigentlich nur auf die glücklichen Gesichter an.

Wie wird man Hochzeitssängerin?

Ich habe zwar keine Gesangsausbildung, aber ich habe schon in der Schule im Chor gesungen, habe in Musicals mitgespielt, war während des Studiums in einer Band und habe schon früh privat auf Hochzeiten von Freunden und Familie gesungen. Eigentlich wollte ich immer Musicalsängerin werden, aber bei den Aufnahmeprüfungen wurde mir gesagt, dass ich mit meiner Größe von 1,84 Meter zu groß bin. Ich habe früh versucht mir selbst Songs von Whitney Houston oder aus „Phantom der Oper“ beizubringen und auszuprobieren, was ich mit meiner Stimme alles machen kann. Nun habe ich einen normalen Job, eine Familie und ganz viel Energie, um nebenbei Musik zu machen. Und da Hochzeiten überwiegend am Wochenende stattfinden, ist diese Art des Singens für mich sehr familienkompatibel. Professionell mache ich das jetzt seit Beginn dieses Jahres und bin in dieser Saison etwa zwanzig Mal gebucht worden. Natürlich hatte ich zunächst Respekt, weil das Angebot an Hochzeitssängern so riesig ist. Aber ich glaube, dass es für jeden eine Nische gibt und ich mich durch eine gewisse Qualität auszeichnen kann. Wenn ich mich richtig etabliert habe, will ich in etwa vierzig Auftritte pro Jahr machen.

Dann sind Sie von Frühjahr bis Herbst am Wochenende immer unterwegs.

Das ist der Plan. Ich wohne im Sauerland und je nach Entfernung bin ich mit Anfahrt, Aufbau und Auftritt meist fünf bis sechs Stunden unterwegs. Das ist anstrengend, bedeutet für mich aber auch immer eine kleine Auszeit, weil ich mich unheimlich freue, ein paar Stunden für mich zu haben und meiner Leidenschaft nachzugehen. Ich empfinde das als positiven Stress, oft sitze ich ja direkt daneben und bekomme alle Emotionen hautnah mit. Bisher ist es mir jedenfalls nicht passiert, dass ich lieber zuhause geblieben wäre. Wir können uns aber gerne in fünf Jahren nochmal sprechen, vielleicht sehne ich mich dann auch mal nach einem Wochenende ohne Trauung – aber im Moment ist das noch nicht der Fall. Ich finde Hochzeiten einfach richtig toll.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Reuter, Sebastian
Sebastian Reuter
Redakteur vom Dienst.
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