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Beziehungskolumne

Warum das Doppeldate schlimm, aber notwendig ist

Von Johanna Dürrholz
 - 08:00

Es funktioniert selten, Menschen in Konstellationen zu zwängen, die sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Auf der Arbeit mag es noch angehen, dass man sich nicht all seine Kollegen im Vorhinein aussuchen kann, zumal Kompetenz und so weiter. Doch auch im Privatleben gibt es zuweilen Abende, an denen aufgesetzte Konversationen und der Austausch von Belanglosigkeiten dominieren („Das vegane Carpaccio soll hier sehr gut sein.“ – „Veganes Carpaccio?“ – „Ist mit Avocado.“ – „Ahja.“). Mit Menschen, die man kaum kennt und die sich nicht gerade als Seelenverwandte entpuppen („Guck mal, der süße Hund! – „Sorry, ich bin eher so die cat-person.“), in ein Restaurant gesperrt zu sein, kann durchaus als Zeitverschwendung abgestempelt werden. Nicht nur deswegen ist das Dating zu viert, das sogenannte Doppeldate, eine soziale Einrichtung, vor der sich manch ein Paar jahrelang zu drücken versucht.

Wenn sich also zwei Paare zusammensetzen, und sich mindestens zwei der Menschen vielleicht gar nicht oder zumindest nicht so gut kennen, ist alleine das keine optimale Voraussetzung. Und dann soll man auch noch einen harmlosen Abend miteinander verbringen.

Maßnahme zum Zeitvertreib? Essen fotografieren!

Damit ein solches Unterfangen gelingt, ist es günstig, dass beide Paare schon fest zusammen sind. In der Findungsphase zweier Menschen ist es nicht unbedingt ratsam, den potentiellen Partner mitzunehmen zu gleich zwei Freunden, die ihn möglicherweise nicht leiden können, oder, noch schlimmer, die ihn mit Fragen nach Schlüsselszenen seiner Kindheit und zu seiner politischen Gesinnung bestürmen. Doch auch bei festen Paaren hat das Doppeldate oft etwas wahnsinnig Anstrengendes. Wenn etwa zwei Menschen befreundet sind und erwarten, dass ihre jeweiligen Partner das nun auch sein müssen, dann dürfte das schwierig werden. Warum sollten Sven und Michael sich auch mögen, nur weil Tina und Katrin zusammen Fußball spielen? Weil sie beide Männer sind? Weil ihre Frauen Fußball lieben? Wohl kaum. Spätestens wenn zwei der vier Personen anfangen, beständig auf ihre Smartphones zu starren, unruhig auf ihrem Platz herumzurutschen und sich lieber auf Instagram als auf das Doppeldate des Schweigens zu konzentrieren, wissen alle: Wir werden nicht die neuen vier Freunde plus Timmy, der Hund, äh, die Cat natürlich. Gute Maßnahme zum Zeitvertreib in diesem Fall: das Essen fotografieren.

Darüber hinaus haftet der Einrichtung Doppeldate eine derart eingeimpfte Bürgerlichkeit und Spießigkeit an, dass es beinahe unmöglich ist, sich locker zu viert zu Hause zusammenzusetzen und einen Wein zu trinken. Nein, da müssen Käsespieße her! Und Gesellschaftsspiele! Und mitgebrachte, selbsterfundene Dips zu den Bio-Crackern. Wenn es besonders schlecht läuft, dann veranstalten die Gastgeber des Abends noch krampfige Vorführungen von Urlaubsbildern auf dem Fernsehbildschirm, der – eigentlich – an den Apple TV gekoppelt ist. Das scheitert natürlich jedes Mal an der Technik („Ich versteh' das einfach nicht! Gestern hat es doch noch geklappt!“). Dann kurzes Anzicken der Gastgeber. Dann angespanntes Schweigen. Dann muss man sich stundenlang die gleichen Personen vor wechselnden Sehenswürdigkeiten oder Sonnenuntergängen reinpfeifen, um am Ende völlig fertig doch noch zu den Käsespießen zu greifen. Kurzum: diese Art des Doppeldates verkörpert all das, wovor sich der vernünftige Single-Mensch fürchtet, denkt er an lahme Langzeitbeziehungen.

Wie aber kann man dem beikommen? Einfach keine Doppeldates mehr verabreden? Nur Spontantreffen, ohne vorgegebene Aktivitäten? So einfach ist es nicht. Wie auch Singles andere Single-Freunde brauchen, brauchen Paare andere Paare. Man kann sich vergleichen, Kommunikationskulturen abschauen und eigene Muster im anderen Paar wiederentdecken. Man hat außerdem endlich jemanden, den man zwingen kann, seine langweiligen Urlaubsbilder anzuschauen: Die Freunde sind in einem Mindestmaß höflich, und die Partner erst recht, schließlich wollen sie es sich nicht mit den Freunden des Partners versauen. Natürlich gibt es den glücklichen, wenn auch seltenen Fall, dass tatsächlich alle vier Menschen gleichwertig miteinander befreundet sind. Aber auch wenn dem nicht so ist, sollte man dem Doppeldate eine Chance geben. Pärchenfreundschaften sind in gewisser Weise eine Symbiose, eine Nutzgemeinschaft, die gut funktionieren kann, schraubt man seine Ansprüche an einen lustigen Abend auf das richtige Maß herunter. Und Wein. Wein hilft auch immer.

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Quelle: FAZ.NET
Johanna Dürrholz
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET
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