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Beziehungskolumne

Die Trennung brachte uns näher zusammen

Aktualisiert am 01.07.2020
 - 06:25
Menschenleer: Brücke über den Rhein, die Deutschland und Frankreich auf Höhe der Stadt Breisach verbindet
Wir haben unsere Leser gefragt, wie Corona sich auf ihre Partnerschaft ausgewirkt hat. Gemeldet hat sich Studentin Stella aus Konstanz: Die Grenzkontrollen haben sie elf Wochen lang von ihrem Partner getrennt.

Grenzen waren für unsere Beziehung lange Zeit kein Problem, im Gegenteil: Kennengelernt haben wir uns vor zwei Jahren in Extremadura, einer abgelegenen Region in Spanien, zwei Fremde in einem fremden Land. Ich bin Deutsche, Alex ist Franzose. Gemeinsam mit fünf anderen haben wir dort zehn Monate am Freiwilligenprogramm „European Solidarity Corps" der EU teilgenommen. Als wir gemeinsam Neujahr in Madrid feierten, haben wir uns um Mitternacht das erste Mal geküsst. Im Anschluss an das Programm sind wir ein paar Monate gemeinsam gereist und haben viel Zeit mit einander verbracht, bis im vergangenen Oktober die befürchtete Fernbeziehung zwischen Frankreich und Deutschland los ging. Die haben wir aber zunächst recht gut gemeistert: Alle zwei, drei Wochen haben wir uns für mehrere Tage besucht und mal Zeit im einen, mal im anderen Land verbracht.

Dann kam Corona, und plötzlich machten uns Grenze und Distanz doch zu schaffen. Zum einen hätten wir während der „Stayathome“-Phase sehr viel Zeit zusammen genießen können, statt uns jeweils alleine zu Hause zu langweilen. Ich hatte Semesterferien, Alex Jobsuche lag coronabedingt auf Eis, sodass uns statt der üblichen Verpflichtungen tatsächlich nur die Grenze trennte. Zum anderen wussten wir über die elf Wochen hinweg nie, wann wir uns wieder treffen würden und konnten nicht wie sonst Pläne schmieden, auf die man sich in der Zwischenzeit hätte freuen können. Weil Alex 600 Kilometer von der Grenze weg wohnt, konnten wir uns nicht mal wie andere Paare am Grenzübergang zuwinken.

Da war oft eine Leere

Wir haben in der Zeit viel telefoniert, an manchen Tagen musste ich das Handy aber auch weglegen und mich zum Beispiel durch Sport oder Lernen für die Uni von dem Trennungsschmerz ablenken. Immerhin: So sportlich wie während des Lockdowns war ich vermutlich noch nie, und jeden Montag hat Alex mit mir per Videochat für meinen Französischkurs gelernt. Trotzdem war da oft eine Leere. Dazu kommt, dass wir hauptsächlich auf Spanisch miteinander kommunizieren – weil es für uns beide eine Fremdsprache ist, sind Gestik und Mimik für uns besonders wichtig.

Als schließlich Ende Mai die Kontrollen ein wenig gelockert wurden, ist Alex mit einem Schreiben von mir und allen Ausweisen in aller Frühe Richtung Konstanz los gefahren. Ein wenig Sorge, dass es nicht klappen würde, hatten wir schon, zumal in Frankreich noch deutlich mehr Beschränkungen galten als in Deutschland. Glücklicherweise kam er gut durch, an der Grenze wurde er sogar gar nicht kontrolliert. Ich habe auf einem Bänkchen vor meinem Wohnheim auf ihn gewartet und mich bei jedem herannahenden Auto gefragt, ob er es ist. Als er schließlich ankam, hat es sich angefühlt wie in einem wahr gewordenen Traum. Am liebsten hätte ich mein Glück in die Welt hinaus geschrien. Die ersten Tage waren besonders schön, es war fast so, als wären wir wieder frisch verliebt.

Inzwischen sind wir seit vier Wochen wiedervereint und ein wenig Normalität ist eingekehrt, aber auch das ist schön: Wir kochen zusammen und haben eine Dartscheibe in meinem Zimmer aufgehängt. Die lange Phase der Trennung hat uns definitiv gezeigt, wie sehr wir uns lieben, auch wenn sich das vielleicht kitschig anhört. Wir wollen morgens zusammen aufstehen, uns gegenübersitzen, einfach unsere Zeit gemeinsam verbringen.

Als Studentin wohne ich in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer, die Küche teilen wir mit den Mitbewohnern. Im Moment funktioniert es gut, aber auf Dauer müssen wir uns etwas anderes überlegen. Alex versucht jetzt, hier in der Nähe einen Job und dann eine Wohnung zu finden. Denn eines steht fest: So schnell werde ich ihn nicht mehr auf die andere Seite der Grenze gehen lassen.

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Quelle: jant.
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