Zwölf Produkte im Test

Halten Schwangerschaftsöle ihre Versprechen?

Von Kathrin Bierling
23.01.2021
, 08:31
Schwangerschaftsstreifen gehören zu den gefürchteten Begleiterscheinungen, wenn sich der Körper verändert. Was kann man dagegen tun? Und helfen Produkte? Unsere Autorin hat zwölf Produkte getestet.

Mit 40 Jahren bin ich dieses Jahr zum ersten Mal schwanger geworden. Dick war ich zuvor nie, nicht einmal einen Bauchansatz hatte ich. Ich musste also davon ausgehen, dass ich mit meinem Bindegewebe neue Erfahrungen mache. Es entstehen Dehnungsstreifen, Schwangerschaftsstreifen, die man später ohne Laser nicht mehr wegbekommt. Die weiß schimmernden Streifen treten nicht nur bei Wachstumsschüben des Kindes auf, sie können sich auch in der Pubertät abzeichnen und bei forciertem Muskelaufbau.

Öl auf der Haut allein bringe nicht viel, heißt es häufig. „Es ist nicht die Wirkung des Öls, sondern die Kombination aus Pflegewirkstoff und Massagetechnik“, sagt auch die Hamburger Dermatologin Anna Brandenburg. Man muss deshalb bei Dehnungsmassagen ansetzen. Ist die Haut vorgedehnt, reißen die Kollagen- und Elastinfasern der Unterhaut nicht. Und dafür braucht es eben doch Öle und Cremes. Mich erinnern die schönen Fläschchen in meinem Badezimmer immer an die täglichen Massagen.

Die Zupfmassage sei die beste Vorbereitung, sagen Dermatologen. „Die Bindegewebszellen in der Haut, die sogenannten Fibroblasten, sind biologisch darauf programmiert, auf mechanische Stressreize zu reagieren“, sagt die Münchner Dermatologin Patricia Ogilvie. Sie empfiehlt Zupfmassagen mit zwei Fingern, sogenannte Überschussmassagen. Von der Flanke beginnend arbeitet man sich bis zur Bauchmitte vor und bereitet das Hautbindegewebe so auf die plötzliche Umfangsvermehrung vor. „So kann man Dehnungsstreifen vorbeugen.“

Ich halte mich daran. Vom dritten Trimester an bekomme ich zusätzlich Unterstützung von innen: Das Kind tritt und stemmt sich gegen die Bauchdecke und dehnt sie in alle Richtungen.

Was beim Einreiben wichtig ist: das Öl am besten direkt in die feuchte Haut einmassieren. Außerdem sollte man nicht ausschließlich auf Öl setzen, denn das trocknet die Haut auf Dauer zu stark aus. Daher verwende ich mindestens einmal die Woche eine Feuchtigkeitscreme. Die am wichtigsten zu behandelnden Stellen bei einer Schwangerschaft sind natürlich Bauch, Busen und Hüften. Aber auch am unteren Rücken können Streifen entstehen.

„Interessanterweise bemerken wir seit einigen Jahren deutlich weniger schwangerschaftsbedingte Dehnungsstreifen, als es früher der Fall war“, sagt die Dermatologin Ogilvie. „Das liegt vor allem daran, dass werdende Mütter besser darüber informiert sind, wie diese Dehnungsstreifen entstehen.“

Platz 12: Kann reizen

Zwischendurch mal cremen, sagt auch die Hebamme. Dafür gibt es den Klassiker aus der Parfümerie von Méthode Jeanne Piaubert in typisch weiß-türkisfarbener Verpackung. Zwar riecht die Anti-Streifen-Creme beim Auftragen nach alter Frau, aber irgendwie ist das schon wieder schick. Weniger schick ist die Zusammensetzung des Produkts. So hat Triethanolamin, kurz TEA, ein hohes Allergiepotential und kann die Atemwege reizen. Wem ist die Schönheit dieses Risiko wert?

Jeanne Piaubert Vergeturyl Creme, 200 ml, 56 Euro

Platz 11: Krümelt

Das Gel ist explizit nicht fettend. Laut Beschreibung reicht eine einmalige Anwendung pro Tag aus. Man müsse es lediglich sanft einmassieren. Die Haut fühlt sich allerdings Stunden später schon wieder so an, als hätte man gar nichts draufgetan. Nachcremen sollte man daraufhin auf keinen Fall. Dann krümelt das Gel. Der Duft ist neutral und riecht ein bisschen nach Almdudler-Schorle.

Lierac Phytolastil Gel Prävention Vergetures, 400 ml, 23,90 Euro

Platz 10: Duftet

Riecht sehr natürlich. Und wie andere Dr.-Hauschka-Öle ist leider auch dieses recht schnell leer. Aber es erfüllt seinen Zweck: Die Haut fühlt sich lange wohlgenährt an, und Bade- und Umkleidezimmer duften noch Stunden später ätherisch. Hauptbestandteil ist gewöhnliches Sonnenblumenöl, eines aus kontrolliert biologischem Anbau immerhin. Sonnenblumenöl hat die Eigenschaft, schnell einzuziehen. In diesem Trägermaterial werden beim Herstellungsprozess Schlehenblüten und Birkenblätter eine Woche lang auf Körpertemperatur erwärmt und morgens und abends aufgemischt. Das sorgt für die Entfaltung weiterer Wirkstoffe, die hautkräftigend wirken sollen.

Dr. Hauschka Schlehenblüten Pflegeöl, 75 ml, 15 Euro

Platz 9: Spannt

Auch dieses Öl aus Deutschland soll Schwangerschaftsstreifen vorbeugen und zugleich straffen. Es besteht aus natürlichen Ölen, gewonnen aus Oliven und Mandeln, und Algenextrakten. Der Duft ist sanft und angenehm, wie ein dezentes Babyöl: Das entspannt sogar die Gesichtszüge. Abends habe ich das dringende Bedürfnis nachzuölen, aber weniger des Dufts als der Haut wegen, die spannt. Ein weiterer kleiner Minuspunkt: Wegen eines eingesetzten Plastikteils tropft nicht viel raus aus der Glasflasche, weshalb man ständig wild schütteln muss.

Boep Straffendes Körperöl, 125 ml, 16 Euro

Platz 8: Ölt überall

Der Klassiker, den man sich schon als Teenager aus französischen Apotheken mitbrachte: Das Nuxe-Öl mit Sprühspender in der Glasflasche. Der Duft ist sinnlich: Orangenblüte, Magnolie und Vanille. Das Trockenöl lässt sich leicht verteilen, zieht gut ein, und eine Zupfmassage ist damit hervorragend möglich. Weitere Pluspunkte: Man kann es auch für die Haare verwenden und fürs Gesicht.

Nuxe Huile Prodigieuse, 100 ml, 31 Euro

Platz 7: Läuft über

Die Haut fühlt sich noch lange nach der Behandlung gut gepflegt an, ohne dabei zu ölig zu wirken. Und das, obwohl der Verschluss der Glasflasche viel zu groß ist, um sparsam dosieren zu können. Bei diesem Produkt handelt es sich wohl wirklich um ein Massageöl für Profis. Zum Glück wird der Hauptinhaltsstoff Haselnussöl aufgrund seiner feinen Struktur schnell von der Haut aufgenommen. Das Öl ist eine feste Größe unter den Schwangerschaftsprodukten und schon seit 1966 auf dem Markt.

Clarins Huile Tonic, 100 ml, 53 Euro

Platz 6: Bleibt dezent

Patchouli- und Rosenöle, vor diesem Geruch habe ich Angst. Aber siehe da, er ist ganz harmlos, geradezu dezent. Ich rieche lediglich eine noch sehr junge, hellgrüne Rose bei Regen. Patchouli nehme ich erst wahr, wenn das Öl mit Sonne in Verbindung kommt. Apropos: Mit diesem Öl könne man auch in die Sonne gehen, sagt die Ipsum-Gründerin. Sie selbst mache es bei dem schönen Wetter in ihrer Heimat Australien regelmäßig so. Das bedeutet nicht, dass mit diesem Öl auf der Haut ein Sonnenbad zu empfehlen ist. Ich habe es ausprobiert - und einen Sonnenbrand kassiert.

Ipsum Best Skin Body Oil Patchouli Rose, 100 ml, 62 Euro

Platzt 5: Schützt

Warum dieses Öl Breathless heißt, wird mir ein Rätsel bleiben. Denn so nimmt man unweigerlich einen tiefen Atemzug ein beim Öffnen und Anwenden und dann noch einen und noch einen. In diesem Test riecht kaum etwas so gut wie der herrliche Blutorangenduft. Auch das Öl ist ergiebig. Hauptbestandteile sind Öle der süßen Mandel und der Macadamianuss. Es macht die Haut, egal wie trocken sie ist, schnell weich und geschmeidig. Zusätzlich ist das Produkt mit Vitamin E angereichert. Das schützt die Haut vor freien Radikalen, die das Hautfett angreifen, und es hilft der Haut dabei, Feuchtigkeit länger zu speichern. Das geschmeidige Ergebnis hält noch 14 Stunden später an.

Aesop Breathless, 100 ml, 28 Euro

Platz 4: Fließt dünn

Es ist das einzige Produkt in dieser Testreihe, mit dem ich mir spontan den ganzen Körper einreibe, also auch Arme, Schultern, Rücken, Beine samt Fußrücken. Das dünnflüssige Öl verteilt sich herrlich auf der Haut und riecht schön kräuterig. Das liegt am Rosmarin. Doch Hauptinhaltsstoff ist auch hier Sonnenblumenöl. Der wichtigste Wirkstoff ist ein Extrakt aus Efeu, der gegen Cellulite helfen soll. Da horcht man als Schwangere noch mal auf. Schließlich wird das Bindegewebe in den 40 Wochen von Monat zu Monat immer weicher.

Vitalis Dr. Joseph Extra Glow Tonifying Body Oil, 100 ml, 16 Euro

Platz 3: Riecht

Das vielleicht am häufigsten empfohlene Produkt - und nicht zu Unrecht, wie ich herausfinde. Die Haut fühlt sich noch nach mehr als 24 Stunden nicht trocken an. Allerdings ist die reichhaltige Pflege den Kleidern anzusehen, selbst dann, wenn man vor dem Einkleiden eine halbe Stunde nackt durch die Wohnung tanzt. Den Geruch hätte ich in Zeiten vor der Clean-Beauty-Bewegung als gewöhnungsbedürftig empfunden. Er hätte mich an Leute erinnert, die sich in pillenden Wollpullovern an Teetassen klammern. Aber heute, da ich selbst „There is no Planet B“ auf meinem Sweatshirt trage und mein WC-Reiniger mit Patchouli probiotisch wirkt, geht der Geruch aus Mandelöl, Arnikablüten und Weizenkeimöl in Ordnung.

Weleda Schwangerschaftsöl, 100 ml, 15,95 Euro

Platz 2: Pflegt

Wie bei vielen Schwangerschaftsölen ist auch hier der Hauptbestandteil Sonnenblumenöl. Doch im Vergleich zu anderen riecht dieses auch danach. Ich mag das. Die Formel soll die Haut nähren und schützen. Beim Einölen habe ich das Gefühl, die Haut für mehrere Stunden reichhaltig zu versorgen. Wenn sie nach der Verwendung eines anderen Öls mal spannt oder gar schuppig wirkt, dann hilft mir dieses Produkt zuverlässig. Wichtig: Wenn man sich im Anschluss gleich anziehen möchte, den Bauch nach der Anwendung mit einem Handtuch leicht abtupfen.

The Organic Pharmacy Stretch Mark Oil, 100 ml, 38 Euro

Platz 1: zieht ein

Dieses Produkt ist sogar geeignet, wenn man schnell ins weiße Satinkleid schlüpfen will. Mit einem neuartigen Wirkstoffkomplex soll es Dehnungsstreifen in vierfacher Hinsicht vorbeugen: in Länge, Tiefe, Farbe und Breite. Auf die Massagen würde ich dennoch nicht verzichten. Das weiße Fluid zieht von allen Testprodukten am schnellsten ein. Es ist fast geruchsneutral, hat allenfalls einen Hauch von lieblicher Frische und hinterlässt keinen Film. An Tagen, an denen man schnell ins Schwitzen kommen könnte, verwende ich nur noch dieses Produkt. 13 Stunden später habe ich das Gefühl, nachcremen zu wollen oder mal mit einem Öl drüber zu gehen.

Clarins Body Partner, 175 ml, 53 Euro

Quelle: F.A.Z. Magazin
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot