FAZ plus ArtikelNarkosemittel Ketamin

Können Drogen gegen Sucht und Depressionen helfen?

Von Anne Philippi
Aktualisiert am 16.04.2020
 - 19:00
Rausch auf Rezept: Kann Ketamin wirklich Depressionen wirkungsvoll bekämpfen?
Ab und an einen Sprühstoß in die Nase – und das Leben ist wieder lebenswerter? Das Narkosemittel Ketamin, bekannt aus Tiermedizin und Techno-Clubs, gilt einigen Medizinern als wirksames Mittel, wenn normale Psychopharmaka nicht mehr helfen.

Ketamin feiert ein Comeback. Das klingt zunächst merkwürdig. Warum sollte ein heftiges Narkosemittel, bekannt aus der Tiermedizin, simpleren OP-Sälen und Techno-Clubs, plötzlich heiß begehrt sein? Ketamin gilt als billig, jedoch extrem wirksam. Je nach Dosis verfügt es über einen sedativen, stimulierenden und gleichzeitig psychedelischen Effekt, eine All-in-one-Substanz, die neue Fans findet.

Laut dem „New York Magazine“ liegt einer der Gründe für die wiederentdeckte Ketamin-Liebe an unserer Zeit, den neuen zwanziger Jahren. Die Unsicherheiten und unklaren Zukunftsperspektiven, so das Blatt, verlangten nach eskapismusfreundlichen Substanzen. Niemand könne mehr ernsthaft Nachrichten anschauen, ohne verrückt zu werden. Der Rückzug in die eigene, innere Welt sei attraktiver denn je. Vor allem die Generation um die dreißig liebe es, sich aus unserer komplexen Realität abzumelden. Und dabei hilft Ketamin, vor allem wenn man es zu Entspannungszwecken auf Partys konsumiert. Ketamin-User sehen ihr eigenes Leben vor sich, statt es zu leben. Über Stunden. Mögliche Regungslosigkeit, das vollkommene Abschalten jeglicher Stimmen und Gedanken sind erwünscht.

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Quarterly
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