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Kolumne „Fünf Dinge“

Fünf Dinge, die im Fitnessstudio nerven

Von Sebastian Eder
 - 06:50

1. Das Kräftemessen in der Sauna

In einem Fitnessstudio in Delmenhorst gab es Mitte Januar zwei Verletzte: Sie erlitten laut einer Polizeimeldung schwere Verbrennungen, als sich ihre selbst hergestellte Aufgussmischung auf dem Saunaofen entzündete. Wer sich fragt, wie man auf so eine Idee kommen kann, war noch nie in der Sauna eines Billig-Fitnessstudios. Es ist völlig normal, dass das Kräftemessen, das vorher an der Hantelbank ausgetragen wurde, dort weitergeht. Das läuft zum Beispiel so ab: „Jungs, ich mach‘ Aufguss, okay? Ich hab‘ ne gute Minz-Mischung dabei.“ „Klar, Bruder.“ Etwa eine Minute lang steht der muskelbepackte Saunagast daraufhin mit hochrotem Kopf im Qualm und schüttet seine „gute Minz-Mischung“ auf die heißen Steine. Danach kann man seine Augen nicht mehr öffnen, so sehr brennt die Luft. Auf der Haut fühlt es sich plötzlich eiskalt an, das Atmen fällt immer schwerer. „Sorry Jungs, das war vielleicht bisschen viel“, sagt der Aufgießer und fängt an zu husten. Die Sauna verlässt niemand, ein anderes Muskelpaket sagt stattdessen mit zugekniffenen Augen: „Alles gut, Bruder, so mag ich es.“ Dann fängt auch er an zu husten.

2. Der Smalltalk

Donald Trump war es, der den Begriff „locker room talk“ berühmt machte, als er damit seine unsäglichen Aussagen über Frauen („Grab them by the pussy“) zu entschuldigen versuchte. Die Amerikaner haben ihn danach leider trotzdem zum Präsidenten gewählt, was vielleicht daran liegt, dass viele seiner Wähler wissen, dass es die primitiven „Umkleidekabinen-Gespräche“ wirklich gibt. Wer sich regelmäßig im Fitnessstudios umzieht, wird das bestätigen können. Während man diesen Gesprächen wenigstens nur zuhören muss, kann man sich außerhalb des Umkleideraums oft einem Smalltalk nicht entziehen, der so stumpf ist, dass selbst das Heben der immer gleichen Gewichte eine aufregende Alternative ist. Los geht er in der Regel so: „Was trainierst du heute?“ Gestellt wird diese Frage gerne von Leuten, bei denen sie tatsächlich Sinn macht, weil sie jeden Tag im Fitnessstudio sind – und nicht wie jeder normale Mensch fast nie. Beliebt ist bei den Fitness-Fetischisten im Laufe des Gesprächs folgender Scherz: „Ich trainiere heute Bauch, Beine, Po.“ Jaja, haha, klasse Witz, weil Männer nur Arme trainieren, verstehe. Völliges Unverständnis löst man in solchen Gesprächen mit der Äußerung aus, dass man jetzt auch Sport im Verein macht. „Bist du auf Brautschau, oder was?“ Nein, ich will nur so selten wie möglich Gespräche wie diese führen.

3. Die Rechtschreibfehler

Zu einem Fitnessstudio gehören – wie zu einer WG, in der sich die Bewohner nicht verstehen, oder zu einer Büroküche – die Zettel an der Wand: „Bitte räumt die Gewichte weg, eure Mama ist nicht da!“, „Fenster nicht öffnen, Lebensgefahr!“ oder „Sauna wegen Stichflamme nach Aufguss defekt“ (Okay, der letzte war ausgedacht). Und es stimmt, liebe Leser, wir machen leider auch hin und wieder Rechtschreibfehler, vielleicht finden Sie sogar einen in dieser Kolumne. Aber in vielen Fitnessstudios gibt es nicht einen einzigen Zettel an der Wand ohne Rechtschreibfehler. Dabei ist es nicht so, dass dort hochkomplexe Vorgänge unter Zeitdruck verständlich erklärt werden müssten. Es geht um relativ kurze, simple Botschaften, die man einmal durch die Rechtschreibprüfung jagen könnte, bevor man sie ausdruckt und an eine Wand hängt, an der täglich hunderte Besucher vorbeilaufen und daraus auf die Kompetenz der Studiobesitzer schließen. Stattdessen liest sich jeder einzelne Satz etwa so: „Das betreten (sic!) der Trainingsfläche ist nur in saubernen (sic!) Hallensportschuhen erlaubt!“ Und ja, das Wort war auch auf dem Zettel gefettet. Und unterstrichen.

4. Die Soccer Moms

Bisher wurden hier vor allem Klischees über Männer verbreitet, deswegen ist hoffentlich ein Absatz erlaubt, in dem es um eine bestimmte Frauengruppe geht: die Soccer Moms. Wie der Name schon sagt, stehen die am Wochenende normalerweise auf Fußballplätzen, um ihre lustlosen Kinder anzufeuern und anderen Müttern (oder Vätern) zu erzählen, wie toll das alles klappt mit der Karriere, den sieben Kindern – und dem eigenen Sportprogramm. Das besteht vor allem aus Kursen in Fitnessstudio, die „Fatburner“, „Deepwork“, „Step“ oder „Bauch, Beine, Po“ heißen. Die Soccer Moms stehen dort in teurer Funktionskleidung in der ersten Reihe und imitieren auch die absurdesten Übungen, die der muskulöse Trainer vorturnt, mit einer Ernsthaftigkeit und Präzision, die diesen völlig sinnlosen Bewegungsabläufen absolut unangemessen ist. Die Soccer Moms sind die Einzigen, die selbst die kryptischsten Kommandos des Trainers trotz der ohrenbetäubend lauten Musik verstehen. Bevor er die Wörter „Single step side on“ (oder etwas in der Art) auch nur denkt, haben die Soccer Moms die Schrittfolge schon so sauber umgesetzt, dass sie damit einen Preis gewinnen könnten – wenn sich für diesen Sport irgendwer interessierte. Danach gehen sie in die Umkleidekabine, es wollen noch ein paar Heldengeschichten über den Sohn, den Mann oder die Tochter erzählt werden. Und im Job läuft es grade so gut!

5. Die Menschenmassen

Alle genannten Punkte treten verstärkt in den ersten Monaten des Jahres auf. Gute Neujahrsvorsätze treiben unzählige Neumitglieder in die Studios, gleichzeitig kommen auch die Stammgäste öfter als sonst. Wegen des schlechten Wetters fallen Alternativen an der frischen Luft weg. Nervig wird es deswegen schon in der Umkleidekabine: Oft ist kein freies Schließfach zu finden, an den Wänden wird bald auf Zetteln darauf hingewiesen (siehe Punkt 3), dass die Spinde nicht abgeschlossen werden dürfen, bevor man das Studio verlässt, um sie für den nächsten Tag zu reservieren: „Wir öfnen (sic!) alle Spinde abends!!“ Schlangen gibt es nicht nur vor den Schließfächern, sondern auch an den Geräten. Das führt dazu, dass ständig jemand fragt, ob man sich nicht abwechseln wolle – und der Smalltalk (siehe Punkt 2) mit den Fitnessfreaks losgeht: „Was trainierst du heute?“ Als wären die Übungen nicht schon monoton genug, vermerken die Fremden, die plötzlich Trainingspartner sind, ihre immer gleichen Leistungen auch noch in kleinen Büchern, die sie stolz mit sich herumtragen. Es sind die traurigsten Tagebücher, die unsere Selbstoptimierungs-Gesellschaft hervorgebracht hat: Samstag, 26. Januar, Bizeps, drei Sätze, 15 Wiederholungen, 30 Kilo.

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Quelle: FAZ.NET
Sebastian Eder
Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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