FAZ plus ArtikelBekenntnis zum Christentum

Auf Geburt folgt Taufe. Oder?

Von Reinhard Bingener und Timo Frasch
04.04.2021
, 16:43
Unser Redakteur würde seine Kinder gerne taufen lassen. Doch seine Frau kann mit der Kirche nichts anfangen. Was tun? Mit der Frage wendet er sich an seinen Kollegen, der über Kirchenthemen schreibt.

Frasch: Reinhard, du weißt, vor zwei Jahren haben wir unser Töchterchen bekommen, vor ein paar Wochen unseren kleinen Sohn. Beide sind bisher nicht getauft. Du kennst auch meine Frau, wir sind uns in den allermeisten Dingen einig, die unsere Kinder betreffen. Nur in einer Sache sind wir bisher nicht zusammengekommen: der Taufe. Ich hätte es schon ganz gerne, wenn die beiden getauft würden, meine Frau hingegen ist skeptisch. Sie sieht sich nicht am Altar stehen und dem Pfarrer gegenüber versichern, dass sie unsere Kinder im Glauben an Gott erziehen werde, denn sie glaubt gar nicht. Ich dachte, ich rede mal mit dir, quasi mit dem Fachmann.

Bingener: Das ist natürlich eine Entscheidung, die ich dir weder abnehmen kann noch möchte. Der Hydrologe kennt den Fluss ja auch nicht unbedingt besser als der Schwimmer. Und bei der Taufe geht es um höchst persönliche, sogar intime Themen: die eigene Familie, der eigene Glaube. Im Hintergrund steht vermutlich auch die Sorge um dieses kleine und zerbrechliche Stück Leben, das man in den eigenen Armen hält. Die Übergänge ins magische Denken dürften da häufig fließend sein. Aber eines kann ich dir auf jeden Fall sagen: Mit dem Problem stehst du nicht allein. Die jahrhundertelange Selbstverständlichkeit der Kindstaufe ist passé. Gerade in den großen Städten heiraten Protestanten und Atheisten, Katholiken und Muslime, bunt durcheinandergewürfelt. Die müssen die Frage nach der Taufe ihrer Kinder mühsam und manchmal auch konfliktreich aushandeln. Welche Argumente spielen denn in den Diskussionen bei euch eine Rolle?

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Bingener, Reinhard
Reinhard Bingener
Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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Timo Frasch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Timo Frasch
Politischer Korrespondent in München.
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