Ohne Schuhe

Auf nackten Sohlen unterwegs

Von Barbara Wege
13.08.2013
, 10:33
Gehen mit nackten Füßen stärkt Muskeln, Sehnen und Bänder, wenn sich der Fuß an unterschiedliche Untergründe anpassen muss.
Sommerzeit ist Barfußzeit: Beim Spaziergang am Strand ziehen wir die Schuhe aus. Doch auch im Alltag könnte mehr Freiheit unseren Füßen gut tun.
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Warum ist Barfußgehen für die Füße gut?

Gehen mit nackten Füßen ist ein natürliches Kräftigungsprogramm. Es stärkt Muskeln, Sehnen und Bänder, wenn sich der Fuß an unterschiedliche Untergründe wie Waldwege, Sand und Kieselboden anpassen muss und mehr durchbewegt wird. Für längere Spaziergänge ohne Schuhe am besten geeignet sind weiche Untergründe wie Wiesen, weil die Ferse dann nicht so starke Stöße abfangen muss wie auf Asphalt.

Barfußgehen kann auch bei Fußfehlstellungen wie dem Knick-Senkfuß helfen, wenn diese aus einer geschwächten Fußmuskulatur resultieren. Wer einen Knick-Senkfuß hat, kippt beim Laufen zu sehr nach innen. Das führt zu Fehlbelastungen, die sich bis zur Wirbelsäule fortsetzen und Rückenschmerzen auslösen können. Neben Einlagen, die den Fuß stützen, kann Barfußgehen als Kräftigungstraining den Fuß wieder in die richtige Bahn lenken, berichtet der Wuppertaler Orthopäde Jörn Dohle.

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Ein weiterer Vorteil des Barfußgehens: Man quetscht seine Füße nicht in zu enge Schuhe, die das komplexe Bewegungskonstrukt des Fußes mit seinen 26 Knochen, 33 Gelenken und über 100 Bändern aus dem Gleichgewicht bringen. Als mögliche Folge von Fehlbelastungen durch falsches Schuhwerk kennen Frauen Krallen- oder Hammerzehen sowie den Ballenzeh (“Hallux Valgus“), bei dem der Ballen des großen Zehs nach außen wegsteht. Wer oft High Heels trägt, riskiert zudem, dass sich die Wadenmuskulatur und die Achillessehne verkürzen. Barfußgehen kann dem entgegenwirken, weil die Wadenmuskulatur gedehnt wird.

Laufen wir barfuß anders?

Der Fuß rollt beim Gehen natürlicherweise von der Außenseite der Ferse zur großen Zehe ab. Ein steifer Schuh kann das behindern. Barfuß ist man weniger geneigt, die Ferse übermäßig hart auf dem Boden aufzusetzen, weil es keinen Schuh gibt, der die Stöße abfängt.

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Auch im Laufsport ist dieser unerwünschte Nebeneffekt von gedämpften Schuhen bekannt: Die meisten Jogger sind Fersenläufer, kommen also bei jedem Schritt zuerst mit der Hacke auf und rollen auf den Boden nach vorne ab. An Laufschuhen mit dicken Luftkissen wird häufig kritisiert, dass sie den Sportler dazu einladen, heftiger mit der Ferse aufzusetzen als nötig. Das geht auf die Gelenke. Folgt man den Argumenten des Harvard-Wissenschaftlers Daniel Lieberman, könnte Barfußlaufen Sportler vor solchen übertriebenen Stößen bewahren.

Der Evolutionsbiologe geht davon aus, dass Leute, die seit jeher keine Schuhe tragen, beim Rennen eher mit dem Ballen als mit der Ferse aufkommen, was die Stoßbelastung reduziere. Wer barfuß über eine Wiese rennt, wird in der Tat feststellen, dass er eher mit dem Mittelfuß oder dem Ballen aufsetzt als mit der Ferse. Ob das allerdings der natürliche, effektivste und gesündeste Laufstil ist, bleibt umstritten und hängt unter anderem von der Laufdistanz ab. Für den Sprint ist der Ballenlauf perfekt, einen Marathon läuft damit kein Mensch.

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Holt man sich mit blanken Füßen keine Erkältung?

Im Gegenteil, Barfußgehen stärkt das Immunsystem. Schon der Naturheilkundler Sebastian Kneipp empfahl: Kurz raus ins taufrische Gras oder den Schnee, dann die Füße trocken rubbeln und warm einpacken. Kurze Kältereize kräftigen die Abwehr. Wenn wir unser vegetatives System zwingen, sich an andere Temperaturen anzupassen, bleibt es funktionsfähig. Eine Erkältung droht eher dann, wenn die Füße auskühlen, weil man sich nicht bewegt.

Und was ist mit Fußpilz?

In den meisten Alltagssituationen - auf der Straße, im Wald oder auf der Wiese - braucht man keine Angst vor Fußpilz zu haben. In trockenen Umgebungen halten sich die Sporen nicht lange. Anders im Schwimmbad und in Gemeinschaftsduschen, wo ein feucht-warmes Klima herrscht und viele barfuß laufen. „Pilze lieben dieses Milieu und können dort besonders gut überleben“, sagt der Leipziger Labormediziner Pietro Nenoff.

Wer seinen Füßen mehr Freiheit lässt, beugt Fußpilz sogar vor. Auch hier geht es wieder vornehmlich um Frauen, die ihre Füße in enge Schuhe quetschen. Wenn die zusammengedrückten Zehen aneinander reiben, quillt die Haut auf, die Belüftung fehlt und es entsteht jenes feucht-warme Klima, das eine gute Angriffsfläche für Pilze ist. Nenoff sieht in seiner Praxis immer häufiger auch Kinder mit Fuß- und Nagelpilz, weil sie in Schuhen aus künstlichen Stoffen stark schwitzen.

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Was, wenn man versehentlich in etwas Ekliges tritt?

Die Haut an den Füßen ist generell ein guter Schutzschild gegen Krankheitserreger. Barfußläufer trainieren sich sogar eine besonders dicke Hornhaut an. Wenn Bakterien in den Körper eindringen wollen, brauchen sie normalerweise eine Eintrittspforte, zum Beispiel eine Wunde.

Die können sich Barfußläufer natürlich durch den Tritt in Glasscherben oder spitze Steine zuziehen. Wer Pech hat, infiziert sich in so einem Fall mit Staphylokokken, die sich auch im Straßenstaub befinden und die Entzündungen auslösen können. Wer barfuß läuft, sollte deswegen gegen Tetanus geimpft sein. „Ein gewisses Infektionsrisiko ist gegeben“, fasst Labormediziner Nenoff zusammen: „Aber ein gesundes Immunsystem kann vieles auch abwehren.“

Schaurig ist für viele die Vorstellung, in Spucke, Urin oder einen Hundehaufen zu treten. Den sterilen Urin hält Nenoff dabei für eher unproblematisch. Hingegen können bestimmte Bakterien, die im Speichel enthalten sind, auch auf dem Gehsteig einige Stunden überleben und über eine Wunde am Fuß in den Körper gelangen. Größer ist die Infektionsgefahr aber beim Hundehaufen: „In Exkrementen sind unglaublich viele Bakterien, die zu Infektionen der Haut führen können“, sagt Nenoff. Da also aufpassen.

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Für wen ist Barfußgehen nicht gesund?

Nicht ratsam ist das Barfußgehen für Diabetiker, die unter Nervenschädigungen in den Füßen leiden. Weil die Empfindsamkeit ihrer Füße gestört ist, merken sie es womöglich nicht, wenn sie sich verletzen. „Wenn die Betroffenen unter Durchblutungsstörungen leiden, kann sich eine kleine Wunde, die man sich zum Beispiel durch ein Steinchen zuzieht, zu einer schweren Infektion entwickeln“, sagt Nenoff.

Diabetiker, deren Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten ist, können mit vorsichtigem Barfußlaufen hingegen die Sensibilität und Durchblutung ihrer Füße fördern. Sie sollten allerdings Wege mit niedrigem Verletzungsrisiko wählen, die Füße danach gut waschen und auf Wunden hin untersuchen. Generell gilt: Wer bereits Blessuren an den Füßen hat, sollte eher nicht barfuß gehen.

Ohne Schuhe im Beruf. Geht das?

Für den Banker oder die Juristin lautet die Antwort eindeutig: nein. Der Dresscode für diese Berufe erlaubt nicht einmal offene Schuhe. „Einen Richter, der barfuß läuft, nimmt niemand ernst“, sagt Hans-Michael Klein von der Knigge-Akademie. Was für Manager Gesetz ist, gilt aber längst nicht in allen Branchen: „Barfußgehen ist crazy.“ Gerade deshalb könne es im kreativen Bereich gut ankommen.

Quelle: F.A.S.
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