FAZ plus ArtikelAngst vor Plötzlichem Kindstod

Warum immer mehr Eltern ihre Babys überwachen

Von Kerstin Mitternacht
21.10.2020
, 06:09
Immer mehr Eltern überwachen ihr Baby mit Kameras, Matten oder Sensor-Armbändern. Damit wollen sie auf alle möglichen Horror-Szenarien vorbereitet sein. Ist das wirklich sinnvoll?

Blättert man Magazine für Eltern durch, fallen einem auf den Seiten, auf denen neue Produkte vorgestellt werden, immer wieder technische Geräte auf, die das Baby und das Kinderzimmer überwachen und den Eltern versprechen: Selbst wenn ihr nicht in der Nähe seid – wir passen auf. Die Geräte kontrollieren zum Beispiel die Atmung, die Bewegungen des Babys oder die Raumtemperatur. Meist sind sie mit einer Kamera ausgestattet, so dass die Eltern ihr Baby immer im Blick haben können, egal, wo sie sich gerade befinden. Viele Produkte versprechen auch, Alarm zu schlagen, wenn die Vitaldaten des Kindes nicht der Norm entsprechen. So soll unter anderem der Plötzliche Säuglingstod verhindert werden – vor dem viele Eltern natürlich Angst haben. Aber bringt eine technische Überwachung des Kinderzimmers tatsächlich Sicherheit? Oder ist das ein falsches Versprechen?

Auf dem Markt gibt es schon seit längerer Zeit Sensor-Matten, auf denen die Kinder schlafen und die bei Unregelmäßigkeiten Alarm schlagen, etwa, wenn das Kind nicht mehr atmet. Auch gibt es verschiedene Anbieter von Fußgelenkbändern, die Vitalzeichen messen und an eine App senden. Die Kosten dafür liegen zwischen 100 und 200 Euro. In den Online-Bewertungen solcher Produkte findet man Einträge wie diesen: „Ohne xy hätten wir die Atemaussetzer nicht bemerkt und unser Kind wäre gestorben.“ Auch Statistiken, die die Gefahr des Plötzlichen Säuglingstods aufzeigen, sind auf diesen Seiten oft abgebildet. Reines Marketing? Versuchen diese Unternehmen, mit der Angst der Eltern Geld zu verdienen?

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Richtig schlafen

Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin zur Vermeidung des Plötzlichen Säuglingstods:

  • Schlafen sollten die Kleinen im Beistellbett im Elternschlafzimmer.
  • Rückenlage
  • Empfohlen wird ein Schlafsack mit eng anliegendem Oberteil und geräumigem Sack für die Beine, was auch das Drehen in die Bauchlage erschweren soll
  • Es sollte kein Bettzeug genutzt werden, das Mund und Nase bedecken kann, keine großen Kopfkissen oder weiche Matratzen.
  • Stillen vier bis sechs Monate lang
  • Rauchfreie Umgebung
  • In zahlreichen Studien ist belegt, dass geimpfte Kinder ein niedrigeres Risiko für den Plötzlichen Kindstod aufweisen.
Quelle: F.A.S.
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