FAZ plus ArtikelScheidungen bei Langzeitpaaren

Wozu sind wir noch verheiratet?

Von Katrin Hummel
12.08.2021
, 05:53
Wenn ein Paar keine Gemeinsamkeiten mehr hat, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich trennt.
Das höchste Scheidungsrisiko haben Paare, wenn die Kinder aus dem Haus gehen. Dann fällt die Leere auf. Wichtig ist es deshalb, sich gemeinsam weiterzuentwickeln – nur wie?

Wenn Petra Büscher früher über die Zeit nachdachte, in der ihre beiden pu­bertierenden Söhne das Haus verlassen würden, bekam sie jedes Mal eine Riesenangst. „Das fühlte sich an wie ein schwarzes Loch. Ich dachte im­mer nur: Ich kann dann nicht einfach wei­ter neben meinem Mann her leben.“ Gemeinsame Hobbys oder Interessen hatte das Paar nicht, „nur die Kinder“, wie Büscher sagt. Ihre Idee, sich einen gemeinsamen Rückzugsort zu schaffen, war versandet. Ihr Mann hatte auch keine Lust mehr, mit in Ausstellungen oder ins Theater zu gehen. „Also habe ich das mit meinen Freundinnen gemacht“, sagt Büscher. So hätten sie, außerhalb der Familienzeit mit den Kindern, immer we­niger gemeinsame Dinge unternommen, und sie habe sich zunehmend allein gefühlt.

Sie erzählte ihm also, wie es ihr ging, und er fragte: „Was soll ich denn tun? Du kannst ja nicht von mir verlangen, dass ich dir zuliebe Dinge tue, die ich nicht will.“ Dann machten die beiden eine Liste, was sie zusammen unternehmen könnten, erzählt sie, „und da sind wir immer haarscharf aneinander vorbeigeschrammt: Ich wollte zum Beispiel gern Paartanz machen, er wollte zu Rockmusik tanzen. Ich wollte Langlauf machen, er Alpinski.“ Ratlos blieb sie nach dieser Bestandsaufnahme zurück.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Hummel Katrin
Katrin Hummel
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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