FAZ plus ArtikelEizellen einfrieren lassen

Das gekühlte Glück

Von Celina Plag
25.07.2021
, 13:46
Eine Biologin entnimmt im Kinderwunschzentrum Magdeburg eingefrorene Eizellen aus einem Lagerbehälter mit Stickstoff.
Nur Vater, Mutter, Kind? Familien sind heute weitaus vielfältiger, denn auch Karrieren verlaufen dieser Tage weniger linear. Das befeuert das Geschäft mit der Fruchtbarkeit.

Jenny Saft war 30 Jahre alt, als sie 2017 aus den USA zurück nach Deutschland zog. In San Francisco hatte sie in der Tech-Branche gearbeitet, in der Heimat wollte sie daran anknüpfen. Einen Kinderwunsch hatte sie noch nicht, der passende Partner fehlte ohnehin. Sie wollte sich aber die Möglichkeit, Mutter zu werden, offen halten. Im Silicon Valley kannte sie viele Frauen, die sich Eizellen für eine spätere Befruchtung einfrieren ließen. Als sie sich in Deutschland über Social Freezing informierte, stieß sie bei vielen Ärzten auf Ablehnung. „Auf eine Single-Frau, die selbst bestimmt, wann, wie und mit wem sie Kinder haben will, ist man hier noch kaum vorbereitet.“ Gemeinsam mit Tobias Kaufhold gründete sie Oviavo: ein Start-up, das Unternehmen dabei hilft, ihre Mitarbeiter in Sachen Fruchtbarkeit und Familienplanung aufzuklären und zu unterstützen.

Oviavo gehört zur wachsenden Zahl an Start-ups, die mit Leistungen rund um den Kinderwunsch das Thema Fruchtbarkeit besser sichtbar machen. Ausbildung, Heirat, Familie? Längst verlaufen viele Erwerbs- und Familienbiografien weniger linear – und weniger heteronormativ. Heute sind Familien vielfältiger, werden später gegründet. 2019 war eine Frau in Deutschland zum Zeitpunkt der Geburt ihres ersten Kinds 30,1 Jahre alt, rund fünfeinhalb Jahre älter als in den Siebzigern. „Mit 35 sind etwa 50 Prozent der Akademikerinnen hierzulande noch kinderlos“, sagt Saft. „Rund die Hälfte von ihnen bleibt es. Nicht immer, aber oft ungewollt.“ Zum Beispiel, weil es mit dem Schwangerwerden irgendwann einfach nicht mehr klappt.

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