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Wann wird Perfektionismus zum Problem?

Von Katrin Hummel
Aktualisiert am 11.11.2020
 - 06:08
Perfekt sein zu wollen, macht das Leben sehr anstrengend. Das geht nicht immer gut, ein Burnout kann die Folge sein – und betrifft nicht nur Frauen.
Perfektionisten sind gefangen in Erwartungen – den eigenen und denen anderer. Die Unfähigkeit, fünfe gerade sein zu lassen, hat ihren Ursprung oft bei den Eltern. Wie therapiert man Perfektionismus?

An dem Tag, als ihre Tochter fünf wurde, hat Amelie Faber sich, bevor die Gäste kamen, mit ihrem Mann gestritten. Es ging um die Dekoration der Vasen auf dem langgestreckten Geburtstagstisch. „Ich wollte, dass sie alle in einem ganz bestimmten Winkel zur Tischkante stehen“, sagt die Vierunddreißigjährige. Ihr Mann fand das allerdings nicht wichtig und half ihr nicht, die bereits auf dem Tisch stehenden Vasen zu justieren. „Ich dachte: Er müsste das doch jetzt auch perfekt haben wollen. Aber das wollte er gar nicht, und weil er mir nicht half, war ich sauer.“

Ob es die Ausrichtung des Geburtstags ihrer Tochter ist, ihre Masterarbeit mit der Note 1,0, ihr Job als Softwareentwicklerin, ihre gerade begonnene Promotion, ihr ehrenamtliches Engagement in einer Hochschul-Arbeitsgruppe, die Sauberkeit ihres Hauses, der Zustand ihres Gartens, die Befindlichkeit ihrer drei Pferde und ihres Hundes, ganz zu schweigen von der ihres Ehemannes: Faber wuppt alles mit Hilfe vieler To-Do-Listen. Ständig setzt sie sich unter Druck, denkt: Ich muss noch, ich sollte jetzt ... Mehr als drei bis vier Stunden schläft sie, wenn ihr Leben gerade mal wieder besonders anstrengend ist, nachts oft nicht. Warum? „Die 80/20-Regel reicht mir nicht, ich kann nicht fünfe gerade sein lassen, bei mir muss immer alles hundert Prozent sein. Sonst bin ich nicht zufrieden mit mir.“

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Hummel Katrin
Katrin Hummel
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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