Aberglaube

Wer hat Angst vor Freitag, dem 13.?

13.05.2022
, 15:57
Freitag der 13: 2022 gibt es ihn nur ein Mal
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Was ist an einem Freitag, dem 13., nur passiert, dass er zum Unglückstag wurde? Schon Adam und Eva haben schlechte Erfahrungen gemacht. Schuld hat auch die Zwölf.
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Fällt der 13. Tag eines Monats auf einen Freitag, sind manche besonders umsichtig. Während er in gewissen Jahren bis zu drei Mal im Kalender ansteht, droht das vermeintliche Unglücksdatum 2022 nur ein Mal: im Mai.

Heiraten am „Unglückstag“

Doch bei Ehepaaren ist der Tag durchaus beliebt. Wie das Statistische Landesamt in Halle mitteilte, hatten sich am Freitag, den 13. August vergangenen Jahres, 135 Brautpaare in Sachsen-Anhalt das Ja-Wort gegeben. Es war ebenfalls der einzige Freitag, der 13., in dem Jahr gewesen. Es sei nach dem 21. August 2021 mit 198 Brautpaaren und dem 28. August 2021 mit 140 Brautpaaren der beliebteste Hochzeitstag des Monats gewesen. Durchschnittlich hätten sich im August 2021 täglich 44 Paare das Eheversprechen gegeben.

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Nicht mehr Unfälle im Straßenverkehr

Bei abergläubigen Menschen ist die Sorge vor einem Missgeschick groß. Gibt es eine erhöhte Gefahr, an diesem Unglückstag zum Beispiel bei einem Unfall verletzt zu werden? Die offizielle Statistik gibt Entwarnung.

An einem Freitag, den 13., ist es im Straßenverkehr für Leib und Leben nicht gefährlicher als sonst. Tatsächlich passieren an Freitagen im Schnitt mehr Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet werden, als an anderen Wochentagen. Nach Angaben des ADAC herrscht an diesem Tag aber auch mehr Verkehr auf den Straßen: Berufs- und Wochenendpendler sowie Ausflügler sind unterwegs.

Doch vergleicht man die Unfallzahlen an Freitagen, die auf einen 13. des Monats fallen, mit dem Durchschnitt aller Freitage eines Jahres, lässt sich keine grundsätzliche Erhöhung feststellen.

Im Jahr 2020 kam es der amtlichen Unfallstatistik zufolge im Schnitt an einem Freitag zu 826 Unfällen mit Personenschaden. An den beiden Freitagen, die auf einen 13. fielen, passierten sogar weniger: Am 13. März waren es 756 Unfälle, am 13. November 802.

Anders sah es 2019 aus: Während sich an allen Freitagen im Schnitt 946 Unfälle mit Personenschaden ereigneten, waren es am 13. September 1050 und am 13. Dezember 1135 Unfälle. 2018 wiederum lag der 13. April mit 957 Unfällen unter dem Freitagsdurchschnitt von 971, der 13. Juli darüber (1123 Unfälle).

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Schwarze Katzen bleiben länger im Tierheim

Ein weiterer Mythos: Schwarze Tiere bringen Pech, Schornsteinfeger bringen Glück. Und so haben tatsächlich schwarze Tiere in Deutschlands Tierheimen schlechtere Chancen vermittelt zu werden, als Tiere mit hellem Fell. Die Berliner Schornsteinfeger wollen daran etwas ändern – und zwar mit der Aktion „Schwarz bringt Glück“. „Schwarze Tiere rufen scheinbar bei vielen immer noch Assoziationen hervor, die dafür sorgen, dass die Tiere so unglaublich stigmatisiert sind“, sagte Beate Kaminski, Sprecherin des Tierschutzvereins Berlin der Deutschen Presse-Agentur.

Ob Aberglaube, Vorurteile, Angst – die Schornsteinfeger wollen als „Glückspaten aus Solidarität von Schwarz zu Schwarz“ fungieren, erklärte die Schornsteinfeger-Innung in Berlin.

Schwarze Katzen können von Tierheimen schlechter vermittelt werden
„Ihr habt Angst vor mir, weil ich schwarzes Fell habe?!“ Bild: picture alliance / blickwinkel/K

Laut einer Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes unter 313 befragten Tierheimen in Deutschland im Jahr 2020 haben 55 Prozent der Tierheime bestätigt, dass schwarze Hunde schwerer ein neues Zuhause finden als andersfarbige Tiere. Bei Katzen waren es 48 Prozent.

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Aktionen wie „Schwarz bringt Glück“ von den Schornsteinfegern lenkten auf jeden Fall die Aufmerksamkeit auf dieses Thema, sagte Lea Schmitz, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. „Ziel war und ist es vor allem, Menschen darüber aufzuklären, dass die Fellfarbe keine Rolle spielt und die ganze Problematik einfach mal anzusprechen. Ich denke, das ist auch gelungen.“

Das Fiasko ist quasi vorprogrammiert

Einem wollen Abergläubige tunlichst aus dem Weg gehen: dem Pech. Nicht dass es ihnen bildlich so ergeht wie der faulen Marie im Brüder-Grimm-Märchen von „Frau Holle“, die nach einer kräftigen Dusche aus einem Kessel voller Pech ziemlich bedröppelt ihr Schicksal beklagen muss. „Pechsträhne“ oder „Pech haben“ sind gängige Wendungen, die die Flüssigkeit in Verbindung zum Übel bringen.

An einem Freitag, den 13., halten manche die Gefahr für Schlamassel besonders groß. Dabei verbindet sich die vermeintliche Unglückszahl mit dem Unglückstag. Nach christlicher Tradition sollen an einem Freitag etwa Adam und Eva aus dem Paradies ausgestoßen worden sein, und die Römer Jesus Christus ans Kreuz genagelt haben. Die Zahl wiederum verdankt ihren teils schlechten Ruf in gewissem Maße der 12, die selbst für Vollkommenheit steht. Deren Harmonie gilt dann als gestört: Wenn etwa die 13. Fee im Märchen auftritt, ist das Fiasko quasi vorprogrammiert.

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Vom Büttner zum Pechvogel

Doch wie kam es dazu, dass Pech und Unheil zusammengehören? Zu lesen ist etwa der Verweis auf den Arbeitsbereich der Büttner. Fässer hat man innen mit dem Stoff, der bei der Destillation etwa von Holz, Öl oder Steinkohle entsteht, beschichtet – um Bier zu lagern. Die Annahme: Wer dann später Stückchen der schwarzen Flüssigkeit im Bierglas findet, hat im Wortsinn Pech.

Bekannter aber ist wohl die uralte Methode der Jagd mit Hilfe des klebrigen Stoffs. Schon im Mittelalter wurden Äste mit Pech bestrichen, damit Vögel darauf feststecken. Ein so gefangenes Tier wurde wortwörtlich zum „Pechvogel“. Irgendwann fand sich der Ausdruck auch in der Sprache wieder – ähnlich wie „auf den Leim gehen“.

Das Deutsche ist voller Floskeln mit der seit der Steinzeit bekannten Flüssigkeit. Redensarten wie „so ein Pech“ oder „vom Pech verfolgt“ seien bildhafte, kurze und immer gleiche Formulierungen, ordnet Sprichwortexperte Rolf-Bernhard Essig im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ein.

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Pechnasen gab es schon immer

Ihr Ursprung ist oft nur schwer nachweisbar. Sie sind zum Beispiel in früheren Zeiten entstanden, indem aus Alltagssituationen bildhafte Ausdrücke in der Sprache wurden, wie Kulturhistoriker Andres Furger in seinem Buch „Der rote Faden. Von der Redensart zum Geschichtsbild“ erklärt. Bei der Deutung von Redewendungen werde viel spekuliert, sagt Essig. Leicht sei es, wenn sie aus der Bibel, Fabeln oder Anekdoten stammten.

So zeigte etwa Mitte des 19. Jahrhunderts der Fall des Studenten Victor von Hase, wie schnell sich eine Formulierung verbreiten kann. Vor Gericht sagte er: „Mein Name ist Hase, ich verneine die Generalfragen. Ich weiß von nichts.“ Innerhalb von nur zwei Jahren habe sich die Kurzform des Satzes in der Sprache eingebürgert, so Essig.

Im Zusammenhang mit „Pech haben“ bringen einige auch die sogenannten Pechnasen ins Spiel. Durch diese Erker mit schmalen Schlitzen an mittelalterlichen Burgen soll bei einem Angriff heißes Pech auf die Gegner gegossen worden sein.

Doch diese Vorstellung der Verteidigung stammt wohl aus dem 19. Jahrhundert. Historisch sei sie nur vereinzelt und zudem eher mit Wasser als mit Pech zu belegen, heißt es unter anderem vom Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz. Pechnasen seien auch dazu da gewesen, um sich etwa mit Fremden durch die enge Öffnung unterhalten zu können, ohne die Deckung verlassen zu müssen.

Quelle: dpa
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