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FAZ plus ArtikelWerden Tattoos salonfähig?

Vom „No-Go“ zum Tagebuch des Lebens

Von Jennifer Wiebking
 - 08:41
Immer noch ein Thema: Gerade in verschiedenen Kulturen polarisieren Tattoos enorm.

Seine jungen Erwachsenenjahre waren prägend. Wegen der Farbe, die sich in dieser Zeit unter Hekims Haut legte. Sein erstes Tattoo ließ er sich zwei Tage nach seinem 18. Geburtstag stechen, am Rücken. Ein Löwe, sein Sternzeichen. Dabei blieb es ein paar Jahre lang, dann war der ganze Arm dran. Hekim hatte sich das gut überlegt, es kostete ihn Mut, Geld und Zeit. Über zwanzig Stunden Arbeit für den Tätowierer in Berlin, den Hekim aus Hannover an mehreren Wochenenden besuchte. Seine Motive hatte er sich selbst zusammengestellt. Symbole der Maori, Mandala-Motive, Elefanten, Eulen, weitere Löwen. Ein Großprojekt, dem mehrere kleine folgten. Hekim ist jetzt dreißig, und eine großzügige Fläche seines Körpers ist tätowiert. Die Tattoos erzählen die Geschichte seiner jungen Erwachsenenjahre, zumindest zum Teil.

Der andere Teil geht so: Ein junger Mann entscheidet sich nach dem Abitur, Arzt zu werden, bekommt mit Mitte zwanzig einen Studienplatz für Medizin. Der tätowierte Hekim ist auch der Hekim, der angehender Arzt ist. Die zwei Kapitel seiner jungen Erwachsenenjahre folgen hier nicht etwa aufeinander. Nicht wie zwei entgegengesetzte Entscheidungen, die eine unvernünftig, die andere vernünftig. Hekim ließ sich sein erstes Tattoo stechen, begann mit dem Studium, in dem er alles über die Funktion des menschlichen Körpers lernen sollte. Nach dem ersten Jahr an der Uni fuhr er zum Tätowierer nach Berlin, um seinem eigenen Körper einen ästhetischen Schliff zu verpassen. Er bereut es nicht.

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Quelle: F.A.S.
Jennifer Wiebking - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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