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Ordnung ist das ganze Leben

Von ROLAND LINDNER, Fotos: PIER GIORGIO DANELLA
Limitierte Geschwindigkeit: In den Siedlungsgebieten der Amischen prallen auch auf den Straßen zwei Welten aufeinander – Pferdekutschen und Autos.

26.11.2019 · Die Amischen in Pennsylvania legen großen Wert auf Tradition. Ihr Leben folgt genauen Regeln. Jedenfalls meistens.

F ür seine 75 Enkel ist Jesse Detweiler der Grossdoddy. Fünf von ihnen sind heute zu seinem „Doddy House“ gekommen und helfen bei der Arbeit. Sie stapeln Brennholz für den Winter in einer Scheune und stutzen den Rasen mit einem mechanischen Mäher. Sie sind neugierig, wenn Englische vorbeikommen. Damit meinen Amische jeden, der nicht zu ihnen gehört, egal welcher Herkunft.

An diesem Tag sind die Englischen Besucher aus Deutschland. Grossdoddy Detweiler fragt fröhlich, ob sie „Deitsch schwätze“, bevor er wieder zum Englischen übergeht und von seinem Leben in diesem Landstrich in Pennsylvania erzählt. Von dem Sägewerk, das er einst hatte, und dem Schleifdienst für die hier in der Region allgegenwärtigen Mähgeräte, den er mit 71 Jahren noch betreibt. Von den alten Bibeln in deutscher Sprache, zum Teil noch aus dem 18. Jahrhundert, die er sammelt. Und davon, wie wichtig es für ihn ist, die Lebensweise der Amischen als „plain people“ – „einfache Leute“ – zu erhalten und nicht dem Rest der Welt anzugleichen. Zu dieser Lebensweise gehören der altertümlich anmutende schlichte Kleidungsstil, der genauen Regeln folgt und wenig Raum für individuelle Eitelkeiten lässt, und der weitreichende Verzicht auf technische Errungenschaften, die für die meisten Amerikaner wie selbstverständlich zum Alltag gehören, etwa Autos oder Smartphones. Es würde Jesse Detweiler enttäuschen, wenn er einen seiner Enkel jemals mit einem Handy erwischen würde. „Sie wissen es besser.“

Kein Sinn für Eitelkeiten: Die Amischen wollen ihre Lebensweise als „einfache Leute“ erhalten, in der wenig Raum vorgesehen ist für Äußerlichkeiten.


Sein Anwesen befindet sich im Kishacoquillas Valley, oder einfach dem „Big Valley“, einer ländlichen Gegend auf halbem Weg zwischen Philadelphia und Pittsburgh. Hier liegt die Heimat der drittältesten Siedlung von Amischen in den Vereinigten Staaten. Durch die Traditionsverbundenheit der Amischen prallen in dieser Region zwei Welten aufeinander: Pferdekutschen der Amischen teilen sich die Straßen mit den Autos der anderen Bewohner, vielerorts weisen Verkehrsschilder mit Kutschensymbol darauf hin. Vor Geschäften gibt es nicht nur Parkplätze für Autos, sondern auch Pfosten, an denen Pferde angebunden werden können. Es ist eine selbstverständliche Koexistenz, Amische sind auch oft direkte Nachbarn von Englischen. Von außen ist meist leicht zu erkennen, ob Amische in einem Haus wohnen. Neben den Kutschen geben das die riesigen Wäscheleinen preis, die an Seilbahnen erinnern und sich über Dutzende von Metern erstrecken können. Diese langen Leinen werden von den oft sehr kinderreichen Familien auch gebraucht. An Waschtagen sind sie dicht an dicht mit Kleidung bestückt und geben ein imposantes Bild ab.

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26.11.2019
Quelle: F.A.Z. Magazin

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