Was für ein Ding!

Weißer als Weiß

Von Florian Siebeck
10.05.2021
, 08:40
Anstatt Klimaanlagen hilft bei Sommerhitze auch eine besondere Dachfarbe.

Im Zuge der Klimakrise wird immer wieder auf das Problem urbaner „Wärmeinseln“ hingewiesen, die durch Gebäude und versiegelte Flächen in den Städten entstehen. Abhilfe schaffen könnte eine Praxis, die seit Jahrhunderten zur Kühlung von Gebäuden verwendet wird: weiße Dächer.

Ein bemerkenswerter Erfolg ist nun Forschern der Purdue University in Indiana gelungen, die in einem sechsjährigen Forschungsprojekt eine „ultraweiße“ Farbe entwickelt haben. Während handelsübliche Farbe 80 bis 90 Prozent des Sonnenlichts reflektiert, sind es beim „Ultraweiß“ 98 Prozent. Außerdem strahlt sie Infrarotwärme mit einer Wellenlänge ab, die von der Luft nicht absorbiert wird. So können Oberflächen selbst bei starker Sonneneinstrahlung um bis zu 4,5 Grad unter die Umgebungstemperatur abkühlen.

Grün auf dem Dach hilft auch

Die Farbe, die die Forscher als „weißestes Weiß aller Zeiten“ bezeichnet, verdankt ihre Wirkung dem Pigment Bariumsulfat, das aus dem Mineral Baryt gewonnen wird. Anders als das in herkömmlichen weißen Farben verwendete Titandioxid absorbiert Bariumsulfat kein UV-Licht. Die Forscher verwendeten unterschiedlich große Pigmentpartikel, um den größtmöglichen Teil des Lichtspektrums zu streuen. Außerdem nutzten sie eine Konzentration von rund 60 Prozent – höher geht es nicht, weil dann die Farbe bricht oder abblättert, so die Forscher. Nach ihren Angaben beträgt die Kühlleistung bei einer gestrichenen Dachfläche von 93 Quadratmetern gut 10 Kilowatt – damit sei die Farbe leistungsstärker als zentrale Klimaanlagen.

Ihre Erkenntnisse stellten sie in der Fachzeitschrift „ACS Applied Materials & Interfaces“ vor. Dort heißt es, die Farbe könne Bedingungen im Freien standhalten und mit denselben Verfahren wie in der kommerziellen Farbproduktion hergestellt werden. In ein bis zwei Jahren könnte das „Ultraweiß“ zu handelsüblichen Preisen auf den Markt kommen. Ähnlich effektiv ist übrigens noch eine andere Lösung: das Dach einfach mit allerhand Grün zu bepflanzen.

Die Kolumne „Was für ein Ding!“ erscheint alle zwei Wochen in der F.A.S..

Quelle: F.A.S.
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