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Brigitte Macrons Kleidungsstil

Vorbild par excellence

Von Jennifer Wiebking
 - 10:55
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Es ist der Wahlabend ihres Mannes. Wenn man den Hochrechnungen einmal trauen kann, ist ihr Gatte an diesem Sonntag vergangener Woche im Begriff, der nächste Präsident Frankreichs zu werden. Auch Brigitte Macron müsste in diesem Fall mit ihm vor die jubelnde Menge treten und würde sich von den Blitzlichtern der Kameras in die Augen blenden lassen. Man muss nicht eitel sein, um in diesem Moment kurz darüber nachzudenken, was es bei so einer Gelegenheit anzuziehen gilt, und zu beschließen, dass es wohl besser mal etwas Neues sein sollte.

Etwas, worin man zumindest noch bei keinem anderen öffentlichen Auftritt gesehen wurde. Die Anzüge der Männer mögen stets gleich aussehen, aber Brigitte Macron entscheidet sich an diesem Sonntag für einen dunkelblauen Mantel mit markantem Silbermetallic-Kragen. So steht sie da, als dann alles gut gelaufen ist, mit ihm und ihrer Familie vor der Menge am Louvre und singt die Marseillaise.

So ließ sie sich auch vor über einem Jahr bei einer Schau von Louis Vuitton fotografieren. Sie stand neben der Schauspielerin Léa Seydoux, saß einen Platz von Konzern-Chef Bernard Arnault entfernt, ihr Mantel dunkelblau und mit dem markanten Silberkragen. Vermutlich muss man Französin sein, um ihn danach noch zu einem weiteren wichtigen Termin zu tragen, also dem Tag, an dem der eigene Mann zum nächsten Präsidenten gewählt werden soll.

Französin – unter Nichtfranzösinnen wird daraus zunehmend eine Art Ehrentitel. Ratgeber, wie man lebt wie eine, wie man isst und sich so kleidet, seine Kinder nach Methode einer Französin erzieht und die Wohnung einrichtet, als läge sie wie selbstverständlich im sechsten Pariser Arrondissement, verkaufen sich jedenfalls so gut wie dort Baguettestangen zum Feierabend. Zum Beispiel „How to be a Parisian wherever you are: Liebe, Stil und Lässigkeit à la française“ von gleich vier mühelos coolen Pariserinnen, unter anderen Caroline de Maigret, hielt sich vor zwei Jahren wochenlang auf den deutschen Bestsellerlisten.

Zu den Höhepunkten der Banalitäten, die hier zu Gesetzmäßigkeiten erkoren werden und über die man sich gerade deshalb köstlich amüsieren kann, gehört der Tipp, wie eine Pariserin cool wirkt: „Lass deinen Blick schweifen, als würdest du einen Sonnenuntergang am Horizont genießen – auch während der Rushhour in der Métro oder am Kühlregal im Supermarkt.“

Symptome für beneidenswerte Stilsicherheit

Oder Inès de la Fressange. Sie ist für nicht viel mehr bekannt, als einen ausgezeichneten Stil zu haben, und schreibt in ihrer Reihe „Parisian Chic“ einen Ratgeber nach dem nächsten über die Zauberformel, die ihr Leben ausmacht. Gerade ist „Was ziehe ich heute an? Pariser Chic – Einfach perfekt für jeden Anlass“ erschienen.

Oder eben Brigitte Macron. Die Figur der neuen Première Dame hätten selbst die kaum als phantasielos bekannten Autoren von Französinnen-Ratgeberbüchern nicht schöner skizzieren können. Macron, die stets gut gebräunt ist, hört man dazu, wenn man einige dieser Bücher gelesen hat, mit ein bisschen Vorstellungskraft, schon rufen: „Blässe? Wie bürgerlich.“ Sie hat eine Figur, als käme sie nicht aus unserem Nachbarland, sondern von einem anderen Stern.

„Chérie, 100 Gramm sind eine angemessene Menge pro Mahlzeit.“ Und dass ihr Ehemann 24 Jahre jünger ist als sie, „Schicksal“. Zweimal denselben Mantel anzuziehen, wenn es besonders wichtig wird, dürfte in dieser Welt deshalb auf keinen Fall etwas mit Nachlässigkeit zu tun haben, sondern ein Symptom sein, für beneidenswerte Stilsicherheit.

Das größtmögliche Gegenteil von Melania Trump

Neben der guten Nachricht, dass der neue Präsident Frankreichs jetzt also Emmanuel Macron heißt, könnte seine Frau Brigitte auch das Bild der First Lady rehabilitieren. Genug Vorbildcharakter hat sie ja. Nicht nur, dass Frankreich seit Valérie Trierweilers Abgang (das Buch dazu: „Merci pour ce moment“) ohne Première Dame ist. In jüngerer Vergangenheit hat das Image der First Lady überhaupt weltweit arg gelitten. Großartige Frauen wie Michelle Obama und Samantha Cameron sind abgetreten, und mit Melania Trump ist nicht wirklich jemand nachgefolgt. Mutter zu sein ist ihrer Meinung nach ohnehin der beste Job der Welt.

Brigitte Macron ist stattdessen, zumindest aus ferndiagnostischer Sicht, das größtmögliche Gegenteil von Melania Trump. Die eine ist 24 Jahre jünger als ihr Ehemann, die andere 24 Jahre älter. Die eine tat nur das Nötigste im Wahlkampf, der anderen wurde nachgesagt, sie habe ihren Mann in der Zeit so gecoacht, wie sie es früher in der Theater-AG ihres gemeinsamen Gymnasiums in der nordfranzösischen Kleinstadt Amiens gemacht hat. Als sie noch seine Lehrerin war und er ihr Schüler.

„Le Monde“ schreibt, mit den beiden ziehe jetzt ein sich so nahestehendes Paar in den Elysée-Palast, wie man es schon lange nicht mehr gehabt hat. Nicolas Sarkozy wurde damals schließlich kurz nach Amtsantritt von seiner damaligen Frau Cécilia verlassen, und auch die Chiracs lebten zwar unter einem Dach, aber in getrennten Wohnungen.

Lateinlehrerin in High Heels zu Lederhosen

Und wenn Melania Trump in der Wahlnacht nicht hinter ihrem Mann stand, der stattdessen den übermüdeten Sohn zur Rede an seine Seite zog, dann holte Brigitte Macron jetzt noch dazu ihre Kinder aus erster Ehe und Enkelkinder mit auf die Tribüne. Es soll in den vergangenen zehn Jahren, spätestens seit der Hochzeit, auch seine Familie geworden sein.

Die eine scheint also nach über hundert Tagen im Weißen Haus alles andere als angekommen in der neuen Rolle, die andere ließ schon jetzt verkünden, das eigene Amt der Première Dame, das in Frankreich bislang mit wenigen Pflichten einhergeht, reformieren zu wollen. Es solle dann bald eine Position mit Mitarbeitern sein, Budget und Zielen und konkret in ihrem Fall etwas mit Bildung zu tun haben.

Eine typische Lehrerin wird sie aber auch nicht gewesen sein, bevor sie ihren Job aufgab, zu dem Zeitpunkt, als ihr Mann Wirtschaftsminister unter François Hollande wurde. Ehemalige Schüler erinnern sich, wie die Lateinlehrerin in High Heels zur Lederhose das Klassenzimmer betrat. Es ist ihr Look, womit man schon wieder bei einem Regalmeter dieser Französinnen-Ratgeber wäre. Zwischen sie und ihren Stil, eine Art Light-Version von manikürtem Rock ’n’ Roll, scheint nicht viel zu passen, das fortgeschrittene Lebensalter am wenigsten.

Wenn sie Absätze trägt, dann richtige

Sie trägt die Haare mit ihren 64 Jahren eher länger als kürzer, zum Shopping wie am Wahltag zigarettenschmale Hosen; ihre Beine sind schließlich nicht von dieser Welt. Dazu durchaus mal Sneaker. Aber wenn es hohe Schuhe sind, dann keine mit quasi entschuldigenden Vier-Zentimeter-Absätzen, sondern etwa die Gianvito-Rossi-105-Schuhe, deren Name sich auf die Absatzhöhe von 10,5 Zentimetern bezieht.

Dass um ihre Schulter oft eine Tasche von Louis Vuitton hängt, muss man nicht überbewerten. Sie mag Delphine Arnault, die Tochter des LVMH-Konzernchefs, seit drei Jahren näher kennen. Aber die Luxusmarke ist ja, wie eine Handvoll andere, gewissermaßen französisches Kulturgut. Den Mantel hat sie nach Angaben des Hauses selbst gezahlt.

Studien in Sachen Französinnen-Lebensstil

Und die Schauen zur Modewoche sind ohnehin ein Pflichttermin für Premières Dames sowie jene, die es noch werden wollen. Siehe Brigitte Macrons Auftritt bei Louis Vuitton vor einem Jahr, siehe auch die zahlreichen Besuche Bernadette Chiracs bei Chanel oder Valérie Trierweiler, die sich 2014 nach der Trennung von Präsident Hollande zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zeigte, als sie eine Dior-Schau besuchte.

Jene Frau, die anschließend – die Paparazzi im Nacken – nicht etwa in eine schwarze Limousine stieg, sondern Richtung U-Bahn-Station Varenne eilte, ihre Métro-Karte zückte, die Fotografen hinterher, und die sich dann so lange geduldig auf dem Gleis ablichten ließ, bis die Linie 13 Richtung Châtillon-Montrouge eingefahren war. Studien in Sachen Französinnen-Lebensstil eben.

Um alles andere kümmert sich bei den Macrons übrigens Mimi Marchand, die Imageberaterin des neuen Präsidentenpaares. Marchand stand im vergangenen Sommer auch hinter der Sache mit dem Foto am Strand von Biarritz: Emmanuel und Brigitte Arm in Arm, sie trug nur einen Badeanzug mit Hawaii-Blumenmuster, er Badeshorts und Poloshirt. Das Bild landete auf dem Cover von „Paris Match“. Marchand habe sie damals dazu überreden müssen. Ein Argument aber zeigte Wirkung: Alle Welt würde über den Altersunterschied zwischen den beiden reden. Aber so zeige sie ihnen allen, wie schön sie ist.

Quelle: F.A.S.
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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