Schmuck-Label Susan Alexandra

Kitsch in seiner schönsten Form

Von Laura Sodano
Aktualisiert am 03.08.2020
 - 13:57
Handarbeit: Tasche des Labels Susan Alexandra
Bunte Wassermelonen, Kirschen und Shrimps: Das Label Susan Alexandra ist aus der Schmuck- und Taschenwelt nicht mehr wegzudenken. Produziert wird noch in Handarbeit.

Ende 2018 sah man sie auf einmal überall: Taschen, aus einer Vielzahl kleiner, bunter Perlen. Mittlerweile ist das New Yorker Label Susan Alexandra aus der Modewelt nicht mehr wegzudenken – dabei werden die Sachen noch von Hand produziert.

Susan Korn, der kreative Kopf hinter der Marke, wuchs in Columbus, Ohio auf und half schon im Alter von zwölf Jahren nach der Schule regelmäßig einer Freundin ihrer Mutter, die selbst designten Perlenschmuck verkaufte. Zunächst allerdings nur, weil sie beim Auffädeln der Perlen fernsehen durfte, wie sie gegenüber The Coveteur gestand. Doch schon bald war ihre Leidenschaft geweckt: Sie begann alte Broschen zu sammeln und machte aus ihnen Ketten.

In ihren Zwanzigern zog Korn dann nach New York. Doch die Arbeit im Bereich Styling empfand sie als nur wenig erfüllend, nach Produktionen fühlte sie sich regelrecht ausgezehrt. Das änderte sich erst, als sie bei der Schmuckdesignerin Jill Platner anheuerte und parallel Kurse zum Metallhandwerk besuchte. Zurück auf vertrautem Terrain kehrte ihre Energie schnell wieder, auch wenn Korn nach eigener Aussage wenig Talent für die Arbeit mit Metall gehabt habe: Es habe ihr schlichtweg an Präzision gemangelt.

Nicht selten wird es kitschig

Schaut man sich die von Hand gearbeiteten Taschen an, die ihr Label Susan Alexandra berühmt gemacht haben, ist das schwer zu glauben. Mindestens einen Tag benötigen Korn und ihr Team für die Fertigstellung eines einzelnen Stücks. Als Model Gigi Hadid die Merry-Bag Ende 2018 zum Trend-Accessoire machte, betrug die Wartezeit für eine Tasche teils mehrere Wochen. Trotzdem bleibt das Label seinem Arbeitsethos treu. Produziert wird vor Ort in New York, wo Korn auch ihre Designs entwickelt. Als Atelier dient die eigene Wohnung in Chinatown. Die Beschäftigten, vorzugsweise Mütter, arbeiten ebenfalls flexibel von Zuhause. Das ermöglicht es ihnen Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Korn ist dieser Punkt besonders wichtig.

Auch beim Schmuck bleibt das Perlenthema ein roter Faden. Hinzu kommen Goldketten, Ringe und Armreife, die nicht selten organisch anmuten. Auch das verleiht den Stücken Einzigartigkeit – und nicht selten überschreiten Korns Designs die Grenze zum Kitsch. Farbe ist das bestimmende Element. Ergänzt wird das durch Figuratives wie Wassermelonen, Kirschen, Zitronen und Shrimps, aber auch Gesichter, Kussmünder und Augen. Die Stücke von Susan Alexandra versprühen Lebenslust und überführen kindliche Verspieltheit ins Erwachsenendasein. Es geht darum, die Welt mit anderen Augen zu sehen und um die Lust am Geschichtenerzählen. Jedes Stück trägt eine Eigene in sich. Das Musical zum Launch der Frühjahrskollektion 2020 im Rahmen der New York Fashion Week in diesem Februar verdeutlicht das eindrucksvoll.

Seit Kurzem bietet Susan Alexandra auch Perlensets zum Selbstauffädeln an. Die Anleitung zum Fertigen eigener Armbänder und Ketten übernimmt Korn im YouTube-Video persönlich. Beobachtet man, mit welcher Freude sie die Perlen auffädelt, kann man sich das junge, begeisterte Mädchen damals in Ohio gut vorstellen. Es ist auch diese unveränderte Leidenschaft für das eigene Handwerk, die der Marke Susan Alexandra ihre Magie verleiht.

Quelle: FAZ.NET
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