Designer Alber Elbaz gestorben

Für Paris

Von Alfons Kaiser
25.04.2021
, 16:15
Der Designer Alber Elbaz ist mit 59 Jahren an den Folgen einer Covid-Erkrankung gestorben. Er war so nett und so beliebt, dass man seine eigentlichen Leistungen fast übersehen konnte.

„Alber, Du warst ein Genie“, „Danke, dass Du Frauen mit Deinen Designs so stark gemacht hast“, „Für ihn waren Menschen wichtiger als Geld“: Die Nachrichten, die am Sonntag auf seinem Instagram-Account einliefen, zeigten innerhalb von Minuten: Alber Elbaz, der am Samstag im Alter von 59 Jahren im American Hospital in Neuilly bei Paris an den Folgen einer Covid-Erkrankung gestorben ist, zählte zu den beliebtesten Modemachern. Er war sogar so nett und so beliebt, dass man seine eigentlichen Leistungen fast übersehen konnte.

Alber Elbaz war ein Designer, der Frauen mit seinen Entwürfen so verzaubern konnte, dass sie selbst glaubten, neue Menschen zu sein. Und er war mit seinem kommunikativen Talent und seiner einnehmenden Ausstrahlung dazu fähig, Marken neu zu erschaffen – was man eher mit dominanten Designern vom Typ Tom Ford verbindet als mit einem verträumten Mann, der schon als Junge am liebsten Kleider zeichnete.

Geboren wurde Alber Elbaz am 12. Juni 1961 als Sohn marokkanisch-jüdischer Eltern in Casablanca. Sein Vater war Friseur, die Mutter Kunstmalerin. Als er zehn Jahre alt war, emigrierte die Familie nach Israel, und er wuchs in Holon südlich von Tel Aviv auf. Weil der Vater früh starb, arbeitete die Mutter als Kassiererin, um ihre vier Kinder durchzubringen. Nach dem Wehrdienst studierte er am Shenkar College of Engineering and Design in Ramat Gan. Mit 800 Dollar, die seine Mutter mühsam zusammenbrachte, ging er 1985 nach New York – in eine Stadt, die sich gerade modisch stark entwickelte. Sieben Jahre lang arbeitete er bei Geoffrey Beene, dem großen Vorläufer von Donna Karan, Tommy Hilfiger, Michael Kors und all den anderen.

Nachfolger eines Großen

In Paris ging sein Stern Mitte der Neunziger zur richtigen Zeit auf: John Galliano für Dior, Alexander McQueen für Givenchy, Stella McCartney für Chloé, Marc Jacobs für Louis Vuitton – plötzlich waren Designer mit angloamerikanischer Prägung beliebt. Alber Elbaz ging zu Guy Laroche. Er wurde als Designer bekannt, der nicht für spektakuläre Neuerfindung, sondern für elegante Weiterentwicklung stand: gut für frischen Wind, nicht für Entrüstungsstürme. Das qualifizierte ihn als Nachfolger eines Großen: Am 1. November 1998 trat er bei Yves Saint Laurent an, der sich selbst fortan nur noch um die Haute Couture kümmerte, nicht mehr ums Prêt-à-Porter. Aber nach drei Saisons war Schluss, weil Gucci die Marke übernahm und Tom Ford inthronisierte.

Seine Ideen konnte er dann bei Lanvin ausarbeiten, mit wunderbaren Drapierungen, großen Schleifen, witzigen Details und Kleidern, für die das aussterbende Wort „feminin“ noch passte. Von 2001 bis 2015 führte er die Marke zu einer Bedeutung, die sie seit den besten Zeiten Jeanne Lanvins in den Zwanzigern nicht mehr gehabt hatte und danach auch nicht mehr bekommen sollte. Wenn Elbaz am Ende der Defilees auf den Laufsteg trat, immer rundlich, immer lächelnd, immer mit Fliege, regnete es Tränen.

Nach dem abrupten Ende nahm Elbaz eine Auszeit. Und nach Kurz-Zusammenarbeit mit Tod’s begann er erst im Januar, mit dem Richemont-Konzern eine neue Linie aufzubauen: AZ Factory. „Ich habe nicht nur einen Kollegen, sondern einen geliebten Freund verloren“, teilte Johann Rupert mit, der Gründer und Chef von Richemont. Elbaz sei „eine der hellsten und beliebtesten Persönlichkeiten der Branche“ gewesen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kaiser, Alfons
Alfons Kaiser
Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.
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