Lichtdesigner Ingo Maurer

Watt ihr volt – und was ihr sollt

Von Peter-Philipp Schmitt
01.09.2009
, 09:40
„Wo bist du, Edison..?”: Lampe als Hologramm, 1997
Der Industriedesigner Ingo Maurer stellt seit 1966 die Glühbirne immer wieder in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Er hat ihr Flügel verpasst und sie zum Hologramm werden lassen. Mit der Birne in der Birne erlangte er Weltruhm. Vom Herstellungsverbot der Glühlampe hält er naturgemäß nichts.
ANZEIGE

An einer Kordel, die Decke herab, hängt eine Glühlampe in ihrer Fassung. Was nach Provisorium aussieht, ist ein Entwurf von Ingo Maurer. „No Fuss“ nannte der Designer seine Arbeit aus dem Jahr 1969, die, wie ihr Name sagt, wirklich kein großes Aufhebens um ihre Form macht. Einfacher und vor allem schöner kann eine Leuchte kaum sein, findet der 1932 auf der Insel Reichenau im Bodensee Geborene. „Krank“ nennt er die Idee, die Lichtikone schlechthin zu verbieten - „zu töten“, wie Maurer sagt. Er ist absolut gegen die Richtlinie innerhalb der Europäischen Union, die dem mündigen Bürger keine Wahl lässt, als auf Dauer ohne Glühbirnen und ihr angenehmes warmes Licht auszukommen.

„Es ist ein tiefer Einschnitt in unser Privatleben, aber nur ein kleiner in den Energieverbrauch“, sagt Maurer. „Nur etwa zwei Prozent des privaten Energieverbrauchs geht aufs Konto der Beleuchtung.“ Seit Monaten schon fordert Maurer zum zivilen Ungehorsam auf, zählt immer und immer wieder alle Argumente gegen die EU-Richtlinie und ihr künftiges Leuchtmittel auf: Unter anderem enthalten Kompaktleuchtstoffröhren Quecksilber und haben eine Computerplatine in der Fassung, was sie zu Sondermüll werden lässt. Zudem ist für die Herstellung der sogenannten Energiesparlampen drei bis zehn Mal mehr Material und Energie notwendig als für Glühlampen.

Beeinflusst durch die Pop-art der sechziger Jahre

ANZEIGE

Seit 1966, seit seiner allerersten Leuchte, hat der Münchner Designer die Glühbirne immer wieder in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Er hat ihr Flügel verpasst, wie bei „Lucellino“ (italienisch für „luce“ = Licht und „uccellino“ = Vögelchen), hat sie zum Hologramm (“Wo bist du, Edison, . . .?“) oder eben einfach zur überdimensionierten Lichtquelle werden lassen. Im Inneren von „Bulb“ (aus mundgeblasenem Kristallglas) steckt sichtbar - eine Glühbirne. Mit der Birne in der Birne erlangte er Weltruhm und zog erstmals in die bedeutenden Sammlungen der großen Designmuseen ein.

„Birdie”: Gänsefeder-Lampen als Kronleuchter, 2002
„Birdie”: Gänsefeder-Lampen als Kronleuchter, 2002 Bild:

„Für mich ist die Glühlampe die perfekte Verbindung von Poesie und Technik.“ Das an sich schlichte Industrieprodukt, von Thomas Alva Edison vor genau 130 Jahren erfunden, taugte von Anfang an zum Designobjekt. Doch erst Maurer machte die Birne zum gestalterischen Thema, beeinflusst auch durch die Pop-art der sechziger Jahre. Der Achtundzwanzigjährige war nach seinem Graphikstudium 1960 in die Vereinigten Staaten ausgewandert und schon drei Jahre später wieder nach Europa zurückgekehrt.

ANZEIGE

„L.E.D. - Let Edison Dream“

Maurer war stets offen für neue Lichttechnologien. Seit 1983 verwenden er und sein Team Niedervolt-Halogen, seit 1996 LEDs, seit einem Jahr OLEDS (organische Leuchtdioden). Er kennt die Berechnungen der EU-Kommission: Durch das Verbot der Glühbirnen könnten langfristig rund 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr eingespart werden. Maurer weiß, dass ein Großteil des von Glühbirnen verbrauchten Stroms in Form von Wärme verpufft, nur fünf Prozent werden in Licht umgesetzt - bei Energiesparlampen sind es bis zu 25. Deswegen verbrauchen sie auch bis zu 80 Prozent weniger Strom als herkömmliche Glühbirnen.

Maurer stellt sich dem Unausweichlichen, auch wenn viele Händler das Vermarktungsverbot derzeit unterlaufen. Der Designer arbeitet schon an neuen Leuchtmitteln, die energieeffizienter sind und trotzdem das bestmögliche Licht machen. Produktfamilien (etwa „Lucellino“) lässt er vorsichtig ändern. Darüber hinaus hat er bereits die nächste Birne entworfen - die nicht mittels eines Glühdraht sondern mit einer LED, die im Gewinde sitzt, beleuchtet wird. Der vielsagende Name: „L.E.D. - Let Edison Dream“.

ANZEIGE
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Gutscheinportal
Finden Sie die besten Angebote
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Sprachkurs
Lernen Sie Französisch
ANZEIGE